Kitana 09.07.2012

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Nina
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Kitana 09.07.2012

Beitragvon Nina » Do 23. Jan 2014, 18:06

Ich habe damals meinen Geburtsbericht in 2.Person geschrieben, damit sich meine Tochter direkt angesprochen fühlt, wenn sie es später selber lesen kann:


Samstag und Sonntag bekam deine Mama starke Wehen. Am Montag Morgens klingelte sie dann die Hebamme A. aus dem Bett, woraufhin sie sich im Geburtshaus verabredeten. Vorher packten Mama und Papa einige Babysachen, Windel, Decke, Bademantel Hausschuhe, eine Babyschale und die Öko-Stofftasche für die Lotusgeburt ein. Bevor sie nach Koblenz gefahren sind, hat dein Papa noch bei der Arbeit angerufen und zwei Wochen Urlaub genommen.
Nach einigen Stunden sagte A., dass der Muttermund sich weit genug öffnete und das Gewebe weich und elastisch ist (Tipp: mindestens drei Monate vor Geburtstermin täglich 1.600 I.E (= 1080mg) natürliches Vitamin E einnehmen und Damm-Massageöl verwenden), aber dein Köpfchen kam trotzdem nicht in den Geburtskanal.
Die Fruchtblase ist im Geburtspool geplatzt, als sich Mama dort versucht hat zu entspannen. Sie ist in dem warmen Wasser sogar beinahe eingeschlafen, immerhin hat sie zwei Nächte lang schon keinen wirklichen Schlaf abbekommen; es waren höchstens Minuten - und Sekundenschläfchen.
Nach ungefähr 9-10 Stunden seit dem Mama & Papa im Geburtshaus ankamen, etlichen Einnahmen von homöopathischen Kügelchen, das gute Zureden von deiner Zweithebamme Ag. und leichte Wehmittel über Spritze, setzte Hebamme A. die Mama dann unter Druck und half ihr beim gezielten Pressen. Wenn sie das nicht gemacht hätte, wärst du wahrscheinlich später viel unsanfter und traumatisierter in einer Klinik zur Welt gekommen. Aber gut, endlich kamst du dann in Drehbewegung im Geburtskanal.
Dadurch, dass die Presswehen nur noch schwach und wenig waren, wurden gegen Ende verschiedene Geburtspositionen zum Pressen versucht. Am wirkungsvollsten waren die Seitenlage und der leicht aufgestützte Vierfüßler-Stand.
Bei der Seitenlage lag die Mama mal links, mal rechts und hat immer ein Bein hochgehalten, damit sie bei jeder Presswehe ihr Fuß abtreten und den Schwerkraft-Druck so verstärken konnte. Die Hebamme hatte ihr Fuß zuerst festgehalten, später dann hat die Mama ihr Fuß an die Schulter von A. gedrückt.

Bei dem Vierfüßler-Stand wurde auf dem Bett ein kleiner Hügel mit Kissen aufgetürmt, damit sich die Mama mit den Händen dort abzustützen konnte. So war deine Mama auf alle Viere mit etwas Gefälle. Dadurch konnte bei jedem Pressen, die Schwerkraft noch zusätzlich wirken und dich im Geburtskanal nach unten drücken.
Die unangenehmsten schmerzlichen Momente waren, als dein Köpfchen aus dem Muttermund und später ganz heraus trat. Das sind die zwei engsten Stellen, wo dein Kopf hindurch passierte. Aber alles ging relativ schnell und es ist nicht so dramatisch.
Die Hebammen haben warme Handwaschlappen an den Damm gehalten, als die kritische Phase der Kopfgeburt kam, damit das Gewebe durch die Hitze nicht allzu sehr verkrampft. Die ganzen Vorkehrungen haben scheinbar was gebracht, weil deine Mama keinen Dammriss erlitt.
Deine Mama fragte noch die A. kurz bevor du das Licht der Welt erblicktest, ob es sein kann, dass ein Baby im Geburtskanal schreien kann, was sie bezweifelte, da es zu anstrengend für den Brustkorb sei. Aber du hast gebrüllt, wo deine Lippen gerade mal kurz herausschauten. Und dann erst recht, als dein Kopf draußen war, aber der Rest noch im Geburtskanal steckte. So was hatte A. die letzten 35 Jahre Berufserfahrung noch nicht erlebt.
Der Rest von deinem Körper glitt ganz leicht raus auf das Bett, gehüllt in dem wohlig aufgewärmten Geburtsraum. Schön aufgeheizt mitten im Sommer, zu heiß für Erwachsene, aber genau das Richtige für ein Neugeborenes. Du wurdest direkt auf die Mama gelegt, um ihre Nähe zu spüren. Nach kurzer Zeit kam dein Kindspech, das erste dunkle Kacka.
Als nochmal eine Stunde vergangen war, kamen die letzten Presswehen für die Plazenta Nachgeburt. Der Wunsch von deiner Mama war es, die Nabelschnur von alleine aus pulsieren zu lassen. So hast du Nährstoffe von der Plazenta bekommen und warst auf spiritueller Ebene noch mit dem Ursprung verbunden. Sie wurde erst nach zwei Tagen an der trockensten Stelle getrennt. Deine Mama hätte noch einige Tage warten können, bis die Nabelschnur spröde genug war, von alleine abzufallen, aber sie war zu unsicher mit diesem neuen Umgang. Wer weiß, vielleicht hast du deswegen auch nicht in der Nacht im Geburtshaus geweint, weil du noch mit deiner "großen Schwester" (es ist das erste gebildete Organ, bevor sich das Embryo/Fetus entwickelt) verbunden warst.
Ihr habt die erste Nacht in Koblenz im Geburtshaus verbracht, weil die Mama viel Blut verloren hat und sehr erschöpft war. Sie ist sogar beim Gehen ohnmächtig geworden, und kam erst wieder zu sich als die Hebamme J. ihre Beine im Bett hochhielt. Dein Papa, J. und auch du habt euch dabei sehr erschreckt.
Zuhause im Wochenbett, oder wie die Hebamme A. gerne sagte -in den Flitterwochen, haben du und deine Mama euch besser kennengelernt. Dabei fiel auf, dass du im Schlaf einige Male geweint hast. Wahrscheinlich hast du die überwältigende Geburt verarbeitet - denn, (fast*) JEDE Geburt ist traumatisch. Dass Mama nachts immer bei dir schlief, hat dich beruhigt.


Zum Glück wurdest du sanft in diese Welt von deinen lieben Hebammen A., Ag., J., Papa und Mama begrüßt!



* nach Frédérick Leboyer geht das auch anders
http://www.amazon.de/Geburt-ohne-Gewalt ... 286&sr=1-2
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Re: Kitana 09.07.2012

Beitragvon Nina » Do 23. Jan 2014, 18:11

Meine Tochter war außerdem ein "Spätchen", mit mehr als einer Woche über dem errechneten Termin.
Der Stress in der elterlichen Familie und meine Traumata haben den Geburtsstart so träge gemacht. Ich bin froh, dass ich den "Tritt in den Ar..." von meinen Hebammen bekommen habe, und nicht von den Ärzten in einem Hospital.

Seit der Geburt meiner Tochter verarbeite ich intensiv meine Kindheitstraumata.
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Re: Kitana 09.07.2012

Beitragvon Katti » Do 23. Jan 2014, 23:07

Schön, dass du deinen Bericht noch hier einstellst, ist ja doch schon eine Weile her! :knicks:

Ich finde es toll, dass du den Bericht für deine Tochter verfasst hast. Finde es aber etwas befremdlich, dass du nicht als Mama in Ich-Form schreibst, sondern praktisch eine 3. Person als Erzähler hast. Ich würde es persönlicher finden in der Ich/Wir-Form. Und die ganzen Hintergrundinformationen ... sollen es Infos sein, die du deiner Tochter mitgeben willst, wenn sie selbst mal Kinder bekommt?
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Re: Kitana 09.07.2012

Beitragvon Auraya » Fr 24. Jan 2014, 11:23

Und die ganzen Hintergrundinformationen ... sollen es Infos sein, die du deiner Tochter mitgeben willst, wenn sie selbst mal Kinder bekommt?
Das fällt mir auch auf, es hört sich alles sehr medizinisch an, weniger emotional...
wr das beabsichtigt oder ist dir das vielleicht gar nicht aufgefallen?
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Nina
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Re: Kitana 09.07.2012

Beitragvon Nina » Sa 25. Jan 2014, 12:51

Wenn ich genau überlege, fällt mir nur ein, dass ich damals in 3. Person Erzähler geschrieben hatte, um das Ganze übersichtlicher und distanzierter zu schildern.
Ich habe damals diesen Geburtsbericht auch ausgedruckt und es in den ersten Babyalbum meiner Tochter eingeklebt. Es sollte also jeden zugänglich sein, der sich das anguckt. Ich hatte auch bewusst die detaillierten Schmerzempfindungen weggeblendet, weil ich das meiner Tochter ersparen will. Aber ich werde später sehen, ob ich ihr verbal diese Infos nachträglich erzähle.
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