keine Romantik in der Wolfshöhle

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Moderator: Hausgeburtsforum

lara
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Re: keine Romantik in der Wolfshöhle

Beitragvon lara » Di 24. Nov 2015, 14:46

Danke für den ehrlichen Bericht. Ich werde ihn meinem Mann auch zu Lesen geben, weil mich ein paar Dinge an meine letzte Geburt erinnern, und ich diese beim nächsten Mal nicht so erleben will.
Es ist unglaublich schwer das einem Mann zu verklickern, sie können sich in das Thema nicht so reinfühlen wie Frauen. (Und auch von denen können das viele nicht)
Ich habe damals auch eine ganze Weile gebraucht, um halbwegs meinen Frieden mit der Geburt zu machen. (Ganz ist es mir noch nicht gelungen.)
Immerhin warst Du daheim, hattest nicht noch die ganze KH-Maschinerie.
Ich wünsche Dir eine gute Kennenlernzeit, dass Du und Deine Tochter trotz des nicht ganz idealen Starts gut in das gemeinsame Leben findet und dass du deinem Mann verzeihen kannst.
Liebe Grüße
Lara

Lillifee3
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Re: keine Romantik in der Wolfshöhle

Beitragvon Lillifee3 » Di 24. Nov 2015, 14:50

Liebe Viola!

Ich möchte dich fest in den Arm nehmen!
Deine Gefühle kommen mir sooo bekannt vor... so sehr, dass mir eben ganz schwer ums Herz wurde und ich erst mal eine kurze Pause zwischen lesen und schreiben hier brauchte. :heul:
Ich finde es bewundernswert ehrlich, dass du hier deine Gefühle so offenbarst.
Auch das gehört in unser Forum, auch das gehört zu Hausgeburten. Leider.
Nicht immer läuft es so wie man es sich wünscht und verdient hätte. Dazu sind oftmals auch zu viele Personen involviert.

Dein Freund hat seine eigene Vorgeschichte, schon mal eine Geburt erlebt. Wer weiß, wie sehr ihn diese traumatisiert hat.
Da spricht er mit einem Satz seine ganzen Ängste aus und du beziehst sie auf dich. :neinnein:
Bitte, bitte, nimm dir das nicht so zu Herzen.
Du bist eine starke Frau, du warst mitten in der Geburt, bestimmt hast du eine unglaubliche Kraft ausgestrahlt, als er den Raum betrat.
Er hat den Weg nicht gemeinsam mit dir beschritten, sondern ist als Außenstehender dazugekommen.
Das ist immer störend, reißt immer raus. Und wenn dann noch ein persönlicher Spruch dazu kommt... :hilfe:

Was deine Hebamme betrifft, tja...
Irgendwie habt ihr von Anfang an nicht richtig zusammengepasst und sie hat dich verunsichert und eigene Ängste aufgedrückt.
Andererseits hat sie auch eine gute Funktion gehabt. Du brauchtest jemand an den du die Verantwortung, zumindest zeitweise, abgeben konntest. Sie hat auch die richtigen homöopathischen Mittelchen gegeben, dich also doch gut beobachtet.
Den Druck, das antreiben und Hektik verbreiten, kann ich auch nicht verstehen. Vielleicht hatte sie das Gefühl, das würde dir helfen. Damit die Geburt schnell beendet wird und du dein Baby im Arm halten kannst.
Vielleicht hat sie dein gequältes Gesicht, deine Schreie und dein Klagen so sehr berührt, dass sie dir damit helfen wollte?

Ich erkenne da ganz viel Eigenes drin wieder. Dieses zeitweise Hilfe brauchen, und dann plötzlich, weiß man doch wieder alleine weiter.
Das ist für Außenstehende nur einfach nicht zu erkennen.
Teilweise wandelt sich das ja von Wehe zu Wehe, richtig?
Bei mir war es zumindest so. Beim letzten Kind waren die Presswehen unerträglich. Schmerzhaft, krampfartig, es ging mir viel zu schnell. Ich "konnte", nein musste, mich aus allen Körperöffnungen gleichzeitig entleeren. Kein Spaß, wirklich nicht! :kotz: :baeh:
Dabei brauchte ich Hilfe, gleichzeitig war es mir peinlich ohne Ende.
Und nur eine Wehe später, als der Kopf minimal tiefergetreten war, war diese Szenario plötzlich vorbei, ich musste ihn nur noch herausschieben.Aber dazu hätte ich eine andere Position gebraucht, um ihn selber entgegen zu nehmen.
Aber zu spät, die Hebamme griff nach dem Kind, entband mich. sadnew
Woher sollte sie auch erkennen, was ich fühlte?
Anhand unseres Videos kann ich die Eindrücke, die sie von außen auf mich hatte, etwas nachvollziehen.

Und dann diese Enttäuschung über das unwiderbringliche Erlenis, ja das kenne ich auch zu gut. :heul: :laser:
Es hat mich lange, lange Zeit beschäftig. Und ich habe viele Tränen darüber vergossen.
Auch mein Mann sagte immer wieder nur, es wäre ja nun vorbei (gerade da liegt doch das Problem!) und ich solle doch froh über das gesunde Baby sein. War ich ja auch. :rolleyes:
Ich konnte und wollte so nicht abschließen und bin jetzt auch deshalb wieder schwanger.
Erst seitdem ich die Chance auf eine Widergutmachung spüre, kann ich die Geburt, so wie sie gelaufen ist (auch durch meine Entscheidungen beeinflusst) besser annehmen.
Ich spüre, dass ich nicht grundsätzlich versagt habe, und das bei allen Geburten tun werde. Sondern, dass es viele Puzzlesteinchen waren, die die Geburt zu dem gemacht haben, was sie war.

Gleichzeitig mahnt mich dein Bericht, und das damit verbundene schmerzhafte Erinnern, sehr daran, diesmal nicht ähnliche Fehler zu begehen. Sondern ganz bei mir zu bleiben. Deshalb kommt für mich deine Geschichte gerade rechtzeitig. Vielen Dank dafür!

Was kann ich dir raten? Zeit nehmen, drüber reden, hier schreiben, trauern. Und jetzt noch nicht entscheiden, wie es weitergeht! :hug:
KH-Blitzgeburt November 1998
Hausgeburt Dezember 2002
Hausgeburt Juli 2007
Alleingeburt Juni 2010
Geburtshausgeburt Oktober 2013
Sekundäre Sectio März 2016
VBAC im KH, April 2017

viel zu viele Sternchen... :candle:
neue Liebe und mit viel Glück nochmal ein Baby

Kira-Luna
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Re: keine Romantik in der Wolfshöhle

Beitragvon Kira-Luna » Di 24. Nov 2015, 16:00

Herzlichen Glückwunsch zum Babymädchen :herzen:
Ich kann dich verstehen wie du dich fühlst, auch das Gefühl nicht darüber sprechen zu können.
Du bist du ganz frisch im Wochenbett und die feinfühligen Poren stehen ganz weit offen so das man ganz empfindsam ist. Sprich es an, wenn du das Bedürfnis dazu hast oder warte noch ein wenig bis das ganze Familiengefüge etwas besser zurechtgerückt ist. Dein Partner meint es nicht unbedingt böse, und seine Emotionen sind auch ein wenig im Wochenbett.

Liebe Grüße
Junior Januar 2012 KH Geburt
Julistern'14
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Sommerkind Juli 2015 KH
Winterkind Februar '18 HG

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weiße wölfin
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Re: keine Romantik in der Wolfshöhle

Beitragvon weiße wölfin » Di 24. Nov 2015, 17:48

Lillifee und Semmel, vielen Dank, euer Feedback bedeutet mir wirklich viel :knicks: :herzen:
LG Viola 09/75
Angelo 09/95 KH,
Danilo 12/01 KH amb.,
Delano 05/03 HG,

Aaliyah 09/11 HG
Jovina 11/15 HG

Hütet euch davor, eure Kinder zu Anpassungsakrobaten einer Welt zu machen, die ihr zutiefst ablehnt. Erziehung muß Weltverbesserung zum Ziel haben!
© peter e. schumacher (*1941)

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Re: keine Romantik in der Wolfshöhle

Beitragvon Julikind24 » Di 24. Nov 2015, 19:02

Dein Bericht liest sich sehr bewegend.
Auch wenn ich selbst nie so geboren habe, ich habe mit dir gefühlt.

Herzlichen Glückwunsch zur kleinen Prinzessin.

lela15

Re: keine Romantik in der Wolfshöhle

Beitragvon lela15 » Di 24. Nov 2015, 19:13

Es tut mir so leid für dich, dass du nicht deine Wunschgeburt hattest und du traurig bist, wie vieles abgelaufen ist. Ich kann es dir gut nachfühlen, da ich mich nach meiner letzten Geburt auch oft als Versagerin gefühlt habe. Doch ich bin mir sicher, dass du nicht versagt hast, sondern im Gegenteil Großartiges geleistet hast!!! Auch wenn sich das im Moment nicht so für dich anfühlt. Ich wünsche dir, dass du bald Frieden mit der Geburt schließen kannst und du mit deinem Partner wieder glücklicher bist. :hug:

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Myself
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Re: keine Romantik in der Wolfshöhle

Beitragvon Myself » Di 24. Nov 2015, 19:47

:hug: Danke für deinen Bericht!
Lass dir und euch Zeit, ihr müsst euch als Familie auch wieder neu finden. Ich glaube wirklich nicht, dass irgendwas an dem gesagten böse gemeint war von deinem Freund.
Die Hebamme.... Naja das hat von Anfang an nicht gepasst, denk ich.
Mai 2012: wunderschöne Hausgeburt im Geburtspool
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Re: keine Romantik in der Wolfshöhle

Beitragvon MorgaineDAvalon » Di 24. Nov 2015, 20:25

liebe v., ich weiß gar nicht so recht, was ich dir sagen soll. auf alle fälle, dass ich es bewundere, wie offen und ehrlich du deine geburt hier beschreibst. traurig bin ich beim lesen aber auch geworden. und möchte dich gerne in den arm nehmen. ich musste daran denken, wie gut es tat, bei meinen geburten zu hören: du bist toll, du machst das super, wie schön du aussiehst usw. das hätte dir auch gut getan und das hätte ich dir sehr gewünscht - das wünsche ich jeder frau...ich finde es bewundernswert, wie viel kraft du trotz der umstände aufgebracht hast. ich wünsche dir ein erholsames wochenbett und dass du mit deinem freund wieder zusammenfindest - ich glaube, es wäre wichtig, dass er anerkennt, dass die geburt für dich nicht wie erträumt gelaufen ist und dass dich sein verhalten traurig gemacht hat und immer noch macht. und genieße deine elfe :herzen:
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Sonnenblume23
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Re: keine Romantik in der Wolfshöhle

Beitragvon Sonnenblume23 » Di 24. Nov 2015, 20:27

Ich kann das so gut nachvollziehen , finde mich auch so sehr wieder. Es braucht Zeit , das du lernst es als teil deiner Geschichte zu akzeptieren und es tut dennoch weh. Mir immer wieder.

Aber schön ist es, das du dem Draht zu deiner Tochter hast. Das trägt, so war es bei mir dann auch.
Liebe Grüße
Sonne mit 10 Kindern an der Hand und 3 im Herzen

Frl_Lotta

Re: keine Romantik in der Wolfshöhle

Beitragvon Frl_Lotta » Di 24. Nov 2015, 21:09

Auch wenn es kein Geburtsbericht mit rosaroter Brille ist, bewegt er mich sehr. Du hast Großes geleistet und ein kleines Mädchen geboren! Deine Gefühle gegenüber deine Amme kann ich nachvollziehen, mir geht es ein bisschen ähnlich. Zwischen uns steht eine nicht vorhandene Nachsorge, ich hätte sie seelisch sehr gebraucht, aber das kann ich ihr auch nicht sagen. Was ich zum Verhalten deines Freundes sagen wollte: Kann es sein, dass er dich nur aufmuntern möchte und dir mit seinen Aussagen nur mitteilen möchte, dass sie für ihn das tollste Baby überhaupt ist und du die Geburt großartig gemeistert hast?


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