Multiresistente Keime und Hygiene im Krankenhaus

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parapluies
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Multiresistente Keime und Hygiene im Krankenhaus

Beitragvon parapluies » Mo 20. Aug 2012, 14:42

Multiresistente Keime und Hygiene im Krankenhaus

Was sind multiresistente Keime?
Als eine Multiresistenz (lateinisches Kompositum) bezeichnet man in der Medizin eine Form der Antibiotikum-Resistenz oder Virostatikum-Resistenz, bei der Bakterien oder Viren gegen mehrere verschiedene Antibiotika bzw. Virostatika unempfindlich sind.
http://de.wikipedia.org/wiki/Multiresistenz
Multiresistente Keime haben verschiedene Abwehrstrategien entwickelt. Sie sind nicht nur gegen ein einziges Antibiotikum resistent, sondern gleich gegen mehrere verschiedene Antibiotika. Zu den multiresistenten Bakterien zählen Stämme des Bakteriums Staphylokokkus aureus. Eines der bekanntesten Beispiele ist das resistente Bakterium MRSA. Diese Abkürzung steht für Methicillin-resistenter Staphylokkkus aureus. Hier trifft passender der Ausdruck multiresistent zu, denn das Bakterium ist nicht nur gegen das Antibiotikum Methicillin resistent, sondern auch gegen viele andere Antibiotika. Besonders problematisch werden multiresistente Keime, wenn sie auf Menschen treffen, deren Immunsystem geschwächt ist, wie es zum Beispiel im Krankenhaus der Fall ist. Mögliche Folgen können nicht heilende, eitrige Wunden, Lungenentzündung und Blutvergiftung sein. Allein in Deutschland sterben pro Jahr mindestens 10.000 Menschen an Infektionen, die durch multiresistente Keime verursacht werden.
http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbei ... _keime.jsp

Was ist eine Nosokomiale Infektion?
Unter einer nosokomialen Infektion (von altgriechisch νόσος nósos ‚Krankheit‘ sowie κομεῖν komein ‚pflegen‘)[1]) oder Krankenhausinfektion wird eine Infektion verstanden, die durch den Aufenthalt oder die Behandlung in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung verursacht wurde.
[...]Um eine nosokomiale Infektion sicher feststellen zu können, muss nachgewiesen sein, dass der Patient ohne die Infektion ins Krankenhaus gekommen ist. Eine Infektion, die vier Tage nach Aufnahme des Patienten entsprechende Symptome zur Folge hat, gilt in Deutschland als nosokomial (Vorgabe RKI (Robert Koch Institut)). Die mit Abstand häufigsten Krankenhausinfektionen sind Harnwegsinfektionen, Venenkathetersepsis, Beatmungspneumonie und postoperative Wundinfektionen. Etwa 3,5 % aller Patienten in Deutschland bekommen auf Allgemeinstationen eine Krankenhausinfektion, auf Intensivstationen ca. 15 %.[...]Das Auftreten von Krankenhausinfektionen wird unter anderem von folgenden Faktoren beeinflusst:

der Zahl alter Patienten mit geschwächter körpereigener Infektionsabwehr, die in Krankenhäusern behandelt werden.
dem Einsatz neuerer operativer Techniken bzw. apparativer, invasiver Maßnahmen bei vorher nicht oder schlecht behandelbaren Erkrankungen.
[...]
dem Wissenstand des Fachpersonals in den Krankenhäusern zum Thema Hygiene und Infektionsvermeidung; u.a. gilt die Beschäftigung von Fachärzten für Hygiene in den Krankenhäusern als Mittel zur Senkung der Krankenhausinfektionsrate.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nosokomiale_Infektion

Um was für Keime handelt es sich und was lösen sie aus?
MRSA oder ORSA

Multi (Methicillin, Oxacillin) Resistente Staphylokokkus Aureus
MRSA ist ein Bakterium, welches gegen viele Antibiotika resistent ist.
Die bloße Besiedlung der Haut oder einer Wunde mit diesem Keim stellt noch kein Problem dar. Der Keim kann sich an unterschiedlichen Orten des Körpers ansiedeln. Es besteht die Gefahr, dass die Bakterien in den Körper gelangen und dort Infektionen verursachen.
ESBL

Extended Spectrum β-Lactamasen
Im Unterschied zum grampositiven MRSA handelt es sich bei den ESBL-bildenden Bakterien um gramnegative Keime, sogenannte Enterobakterien, die im menschlichen Darm als Normalflora angesiedelt sind. Verschiedene Untersuchungen zur Übertragungswahrscheinlichkeit der ESBL-Bildner haben gezeigt, dass sie sehr viel schwieriger auf andere Personen übertragen werden als MRSA. Entsprechend ihrer ursprünglichen Herkunft, dem menschlichen Darm, sind Kontaminationen beim Umgang mit Fäkalien am wahrscheinlichsten. Dennoch können sich die Keime, insbesondere bei bettlägerigen Patienten, auch an anderen (Körper-) Stellen aufhalten.

Die Übertragung erfolgt überwiegend über kontaminierte Hände des medizinischen Personals oder ausgehend von Flächen in der Umgebung des Patienten.

Präventiv sollte beim Umgang mit ESBL-Patienten ein Schutzkittel getragen sowie eine konsequente Händedesinfektion durchgeführt werden.
VRE

Vancomycin-resistente Enterokokken
Infektionen durch VRE können einen schweren Verlauf nehmen, da sie nur mit wenigen Reserveantibiotika behandelt werden. Durch Screening-Untersuchungen, konsequentes Hygienemanagement und Isolierungsmaßnahmen soll eine Weiterverbreitung verhindert werden.
cMRSA

community acquired Methicillin-resistene Staphylococcus aureus
Der community acquired MRSA tritt völlig unabhängig von Krankenhäusern auf. Bei den Patienten fehlen die üblicherweise für Krankenhausinfektionen mit MRSA bekannten Risikofaktoren, wie zum Beispiel vorheriger Krankenhausaufenthalt oder vorliegende Behandlung mit Antibiotika.
http://www.mrsa.bbraun.de/cps/rde/xchg/ ... /7196.html
In Europa seien resistente Erreger für 20 Prozent der Erkrankungen verantwortlich. Dies sei alarmierend, heißt es im jüngsten Tuberkulose-Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC).
http://www.focus.de/gesundheit/news/tub ... 10009.html
Laut Leipziger Uniklinik gefährdet das KPC-Bakterium durch Vorerkrankungen geschwächte Patienten sowie Säuglinge. Es verursacht Durchfälle oder Lungenentzündungen, die zu tödlichen Blutvergiftungen führen können. KPC bilde im Lauf der Zeit immer mehr Resistenzen aus. Auch in solchen Fällen normalerweise eingesetzte Reserveantibiotika helfen nicht mehr.
http://www.jungewelt.de/2012/06-08/043.php

Woher kommen multiresistente Keime?
Neben dem unkritischen Einsatz von Antibiotika ist häufig die insuffiziente Umsetzung der prophylaktischen Hygienemaßnahmen und die fehlende Schulung des medizinischen Personals Grund für den starken Anstieg der MRE-Besiedlung von Patienten in deutschen Krankenhäusern sowie in Alten- und Pflegeheimen. Dabei verlängern MRE-Infektionen die Liegedauer von Patienten und erhöhen deren Morbidität und Mortalität.
http://www.mrsa.bbraun.de/
Kompendium_Seite_5.jpg
http://www.mrsa.bbraun.de/documents/Kom ... eite_5.jpg
Die Gründe für die Resistenzentwicklung in der Klinik sind vielfältig, aber insbesondere zwei Punkte spielen eine besondere Rolle: geschwächte Patienten und eine hohe Keimdichte auf den Stationen. Gerade auf Intensivstationen, wo besonders schwache Patienten liegen, haben die Keime meist leichtes Spiel, sich zu vermehren. Das Risiko, dass sich ein Krankenhauspatienten infiziert ist dann besonders groß, wenn die Bakterien in den Körper gelangen: Durch Infusionen, Magensonden, Herz- oder Blasenkatheter oder wenn künstlich beatmet wird. Im Krankenhaus sind außerdem viele Menschen auf engem Raum, die häufig auch noch schwer zu behandelnde Krankheiten haben. Das Personal steht unter Zeitdruck und kommt mit vielen Patienten in Kontakt. Die Übertragungs- und Ansteckungsgefahr ist hoch und viele verschiedene Erreger treffen aufeinander, die ihre Resistenzen austauschen können. Bakterien haften an Händen, Türklinken, Kitteln und Stethoskopen, an Haare, Essenstabletts und Handys. Überall können sie selbst monatelang überleben, auch an Röntgengeräten, in Wasser- und Filtersystemen.
http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbei ... _keime.jsp
Schon vier Jahre, nach dem ersten Einsatz von Antibiotika im Jahr 1940 entdeckte man gegen Penizillin resistente Staphylokokkus aureus-Stämme. Die Resistenzen wuchsen mit der steigenden Verabreichung von Antibiotika. Heute sollen weltweit 95 Prozent aller Staphylokokkus aureus-Stämme resistent gegen Penizilline und andere Antibiotika sein. Staphylokokkus aureus, der Bestandteil der normalen Hautflora und eigentlich harmlos ist, wurde im Lauf der Zeit zu einem der gefürchtetsten Krankenhauskeime (MRSA). In Krankenhäusern entstehen resistente Keime, weil dort viele verschiedene Antibiotika verabreicht werden. Die Bakterien, die sich durch Mutation genetisch verändern und resistent werden haben dort einen Selektionsvorteil.
http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbei ... _keime.jsp

Wie werden sie übertragen?
Die Verbreitung von MRE erfolgt vorrangig über die Hände des medizinischen Personals. Dabei werden auch Träger von MRE, die nicht infiziert sind, Überträger und können andere, z. B. Patienten und Personal, kolonisieren und unter ungünstigen Umständen sogar infizieren. Ein weiteres Übertragungsrisiko stellt auch die Verlegung innerhalb des Krankenhauses sowie in Pflege- und Altenheimen dar.


RKI
Die Händehygiene gilt übereinstimmend als die entscheidende Maßnahme der Infektionsprävention
http://www.mrsa.bbraun.de/cps/rde/xchg/ ... /7205.html

Wann ist das Risiko besonders hoch?
Es gibt einige Faktoren, die eine MRE-Infektion begünstigen.

Längere Krankenhausaufenthalte
Behandlungen in Intensivpflegeeinheiten
Antibiotikabehandlung
Engere Kontakte mit kolonisierten Menschen
Intravasale Katheter (z. B. Zentralvenöser Katheter, Dialyse-Shunt)
Infektionen (Hepatitis, HIV, Influenza), Immunsuppression
Wunden (postoperativ, Verbrennungen)
Chronische Hautläsionen (Ulcus cruris, Dekubitus
http://www.mrsa.bbraun.de/cps/rde/xchg/ ... /7207.html
Von 100 Patienten, die stationär behandelt werden, seien ein bis drei mit einem multiresistenten Staphylococcus aureus, kurz "MRSA" besiedelt. "Damit steigt das Risiko der Übertragung – im Krankenhaus, in der Arztpraxis und in der Reha."
http://www.welt.de/gesundheit/article10 ... theke.html
In Deutschland würden sich – anders als etwa in den Niederlanden, wo andere Hygienestandards gelten – vielerorts eingeschleppte Erreger zu MRSA (multiresistente Staphylococcus aureus) entwickeln. Solche Mikroben überleben Antibiotika und gefährden gerade Kleinkinder und Senioren.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/multi ... 69534.html
Krankenhauskeime, die gegen Antibiotika resistent sind. Sie sind hochgefährlich – und im Herbst und Winter am häufigsten.
Für Erwachsene war der Unterschied nicht so eklatant, für Kinder jedoch deutlich: Die Infektionen mit MRSA, also mit multiresistenten Keimen, gegen die Antibiotika nichts mehr ausrichten können, sind in Herbst und Winter besonders häufig. Das zeigt eine Studie des Rhode Island Hospital, die in PloS Online erschienen ist. [...] Die Ergebnisse der Forscher zeigten, dass junge Patienten ein fast dreimal so hohes Risiko hatten, sich einen Krankenhauskeim zuzuziehen, wenn sie im dritten und vierten Quartal in die Klinik mussten.

http://www.focus.de/gesundheit/arzt-kli ... 12199.html
"Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene geht davon aus, dass sich etwa vier bis neun Prozent aller Patienten, die sich in Kliniken begeben nosokomiale Infektionen zuziehen. Hochgerecht auf die Anzahl der Patienten, die in Deutschland jährlich behandelt werden, resultieren dann Infektionszahlen zwischen 400.000 und einer Million Patienten, die sich eine Krankenhausinfektion zuziehen."
http://www.hr-online.de/website/rubrike ... t_35564624

Was läuft in Kliniken falsch?
Kürzlich hatte die Gesellschaft für Krankenhaushygiene erklärt, in Berlin gebe es jedes Jahr 36 000 vermeidbare Infektionen mit Klinikkeimen, 2300 davon könnten die Ursache für Todesfälle sein.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/multi ... 69534.html
"Wir erleben im Rahmen der Vertretung von Patienten mit Krankenhausinfektionen die ganze Bandbreite hygienischer Versäumnisse. Das fängt an bei Ärzten, die eben bei Nässen und Eitern einer Wunde nicht zeitnah einen Abstrich nehmen, obwohl eigentlich für einen Arzt klar sein müsste, dass eine eiternde Wunde möglicherweise auf eine nosokomiale Infektion zurückzuführen sein kann."
http://www.hr-online.de/website/rubrike ... t_35564624
In einer Klinik in Fulda kam es wiederholt zu Hygienefehlern . Im Dezember 2010 wurde Operationsbesteck nicht richtig desinfiziert, Flugrost fraß an Skalpellen und anderen Geräten, Bakterien und Blutreste klebten an den Instrumenten. Patienten kamen angeblich nicht zu Schaden. Im Januar musste der Operationsbetrieb fast komplett eingestellt werden, bis die fehlerhafte Sterilisationsanlage ausgetauscht worden war. Der Betrieb ging normal weiter, drei Monate lang. Im April dann der nächste Skandal: Wieder war mit nicht sterilem Besteck operiert worden. Klinikchef Harald Jeguschke sprach von "menschlichem Versagen der höchsten Stufe". Die Instrumente und Siebe wurden gereinigt und desinfiziert, aber nicht sterilisiert.
http://www.welt.de/wissenschaft/article ... euser.html
Um 50 Prozent könne man die Infektionsrate an Kliniken verringern, sagt er. Es müssten nur einfache Regeln beachtet werden. "Das Infektionsrisiko wäre voll beherrschbar, wenn alle sich stets an alle Hygienemaßnahmen halten würden. Wenn ich als Krankenhausleiter ein Hygienerisiko minimieren will, muss ich mich fragen, ob alle meine Mitarbeiter in meiner Klinik die Hygieneregeln immer, in jeder Situation, einhalten können."

Das ist zurzeit nicht der Fall.

Auch Klaus-Dieter Zastrow, Leiter des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin am Vivantes Klinikum in Berlin-Spandau und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, ist davon überzeugt, dass sich "mindestens die Hälfte der nosokomialen Infektionen dadurch vermeiden ließe, wenn die Hygieneregeln besser eingehalten würden". Seit Jahren macht er sich dafür stark, dass das Infektionsschutzgesetz verschärft wird. Das bedeute vor allem, dass sich das Pflegepersonal an die Regeln der Standardhygiene hält.
http://www.welt.de/wissenschaft/article ... euser.html
Er hält die Vorgehensweise einiger Häuser für einen Skandal. "Wir haben immer noch rund 800.000 Infektionen pro Jahr im Krankenhaus, davon sind 60.000 MRSA zuzuordnen", sagt Zastrow. Manche Klinik würde Hygienefachkräfte angeben, die gar nicht existieren.
http://www.onmeda.de/gesund/medizin/kra ... e-316.html
Wie alle großen Unikliniken in Deutschland leistet sich auch die Essener eine eigene Abteilung für Krankenhaushygiene mit zwei Ärzten und vier Fachkräften. Doch was in den Niederlanden zum Standard gehört, ist bei uns eher die Ausnahme. Der Tod dreier Babys in der Mainzer Uniklinik durch verunreinigte Infusionen zeigte auf tragische Weise, wovor Fachleute in den letzten Jahren verstärkt warnen: Bei der Hygiene im Krankenhaus hapert es derart, dass ein Aufenthalt dort tödliche Auswirkungen haben kann.
[...]
„50 Prozent dieser Infektionen ließe sich durch strengere Hygiene-Verordnungen verhindern“, sagt Prof. Walter Popp, der Chef der Krankenhaus-Hygiene im Essener Uniklinikum. der auch Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene ist. Eine der Ursachen für die Mängel sieht Popp in dem Druck der Krankenhäuser, immer effizienter, immer kostengünstiger zu arbeiten. Da werde gekürzt und outgesourct, da würden einst krankenhausinterne Aufgaben an externe Dienstleister vergeben.

Beispiel: Sterilisation. Wo sonst erfahrene Krankenschwestern, oft mit OP-Erfahrung, beschäftigt waren, werden heute angelernte Kräfte eingestellt, die nie zuvor mit dem Gesundheitswesen zu tun hatten. Popp: „Das Personal ist schlechter qualifiziert“.
http://www.derwesten.de/panorama/hygien ... 11930.html
Denn oftmals ist neben Schlamperei, Ignoranz und Überlastung auch schlichtweg Unwissenheit dafür verantwortlich, dass sich Patienten in der Klinik mit gefährlichen Keimen infizieren. "Viele Ärzte oder Pfleger kennen die einfachsten Hygieneregeln nicht", kritisiert Zastrow. So ziehe mancher Arzt zwar sterile Handschuhe an, greife dann aber während des Verbandwechsels gedankenlos in die Tasche, da das Handy klingele - und habe damit schon Keime an den Händen. Andere verzichteten auf einen Mund- und Nasenschutz, wenn sie Venenkatheter legen. Mitunter sei auch nicht bekannt, dass Desinfektionsmittel 30 Sekunden einwirken müssen.
http://www.stern.de/gesundheit/hygiene- ... 46898.html

Was müssen Kliniken ändern? - Gutes Hygienemanagement
Fleig erklärte, die Hygienevorschriften seien drastisch verschärft worden. Alle Patienten, die auf die Intensivstation oder in die Notaufnahme kämen, würden auf das KPC-Bakterium untersucht, Infizierte umgehend isoliert. Mitarbeiter, die mit ihnen Kontakt hatten, müßten sich ebenso dem Test unterziehen.[...] Am Dienstag verabschiedete das sächsische Kabinett eine Verordnung über Hygiene und Infektionsprävention. Die darin vorgeschriebenen Mindeststandards soll eine Kommission überwachen; vor Ort sollen speziell ausgebildete Krankenhaushygieniker tätig werden.
http://www.jungewelt.de/2012/06-08/043.php
Zum Entfernen sichtbarer Verschmutzungen mit Blut oder Stuhl sollte man daher Einmalhandschuhe tragen. Die Verschmutzung wird dann mit Einmalpapier, zum Beispiel Küchenkrepp, entfernt und die betroffene Stelle desinfiziert.

Es sollte eine gebrauchsfertige Desinfektionslösung oder ein getränktes Desinfektionsmitteltuch verwendet werden, die den Vermerk auf der Packung tragen, dass das Produkt auf der VAH-Liste geführt wird. Diese Liste stelle eine Art Qualitätssiegel für das Mittel dar, erläutert das KDA in seiner neuen Broschüre "Umgang mit multiresistenten Keimen".
http://www.rp-online.de/gesundheit/medi ... -1.2827539
Ein großes Problem bei uns, nicht aber in den Niederlanden. Denn hier bekommt nicht jeder Patient wegen eines Wehwehchens gleich ein Antibiotikum. Deshalb sind weniger Erreger resistent – und in Kliniken machen sie keine Probleme. Bei uns müsste jeder Arzt sich genau über die den aktuellen Stand der Forschung informieren, um zu wissen, bei welchen Krankheiten man welches Antibiotikum verschreibt.
http://www.welt.de/wissenschaft/article ... euser.html
Ein anderer, seit Jahren verfolgter Weg ist technischer Natur: In einigen Kliniken werden mittlerweile Türklinken und Schalter aus Kupfer eingebaut. Das Metall tötet Bakterien. Wenn nun ein Patient, der auf seiner Hand Erreger trägt, die Türklinke oder den Lichtschalter anfasst, so sterben die Bakterien, bis der nächste Patient die Türe berührt. Diese technische Hygiene kann ein wenig helfen – aber eben nur ein wenig.
http://www.welt.de/wissenschaft/article ... euser.html
Standardhygiene wiederum meint Handhygiene – also das Einreiben der Hände mit Desinfektionsmittel, jedes Mal, vor und nach dem Kontakt mit dem Patienten.
http://www.welt.de/wissenschaft/article ... euser.html
Dabei könnte die Einhaltung einfacher Hygieneregeln viel Leid verhindern. Für alle im Krankenhaus arbeitenden Personen sollte es selbstverständlich sein, die Hände nach jedem Patientenkontakt zu desinfizieren. Durch Krankenhauskeime infizierte Patienten gehören ins Einzelzimmer. Betreten werden darf es nur mit Schutzkleidung, Einweghandschuhen und Mundschutz. Die Desinfektion aller mit dem Patienten in Kontakt gekommenen Gegenstände gehört auch zu den Vorbeugemaßnahmen gegen Krankenhauskeime.
[...]
Eigentlich muss jeder Infektionsfall, der im Krankenhaus vorkommt, intern bis ins Detail aufbereitet und transparent gemacht werden.
[...]
Dazu gehört auch ein Screening, also eine Voruntersuchung auf das Vorkommen von MRSA bei sogenannten Risikopatienten. Das sind Menschen mit offenen Wunden, Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Patienten, die in den vergangenen zwölf Monaten länger als drei Tage stationär in einer Klinik untergebracht waren. Das Screening verhindert oft, dass Krankenhauskeime eingeschleppt werden.
[...]
Von den Holländern könnten die Deutschen lernen. Seit Jahren werden dort konsequent Richtlinien zur Ausrottung der Krankenhauskeime umgesetzt. Durch Hygiene, zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika und die Regeluntersuchung von Risiko-Patienten konnten die Niederländer den Anteil der MRSA-Infektionen auf unter drei Prozent drücken, während er laut Friedrich in Deutschland auf 25 Prozent stieg.

Gerade ein Schnelltest bei der Aufnahme gilt als einfache und preiswerte Möglichkeit, das Risiko Krankenhauskeime zu begrenzen. Mit einem Wattetupfer wird ein Abstrich von den Nasenvorhofschleimhäuten, vom Rachen und gegebenenfalls an Wunden gemacht, ein Mikrobiologe bestimmt das Ergebnis. Der Test dauert wenige Minuten und kostet knapp drei bis 15 Euro.
http://www.onmeda.de/gesund/medizin/kra ... e-316.html

Leitlinien des Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene: http://www.hygiene-klinik-praxis.de/
Für Krankenhäuser hat die neue Verordnung auch personelle Konsequenzen. Bislang mussten laut Berliner Krankenhausverordnung nur Kliniken mit mehr als 450 Betten einen eigenen Haushygieniker beschäftigen, künftig sollen Einrichtungen ab 400 Betten einen eigens für Hygiene angestellten Fachmann beschäftigen müssen. Unabhängig davon muss in allen Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen mindestens ein behandelnder Arzt als Ansprechpartner für Hygienefragen fungieren. Außerdem werden künftig Kommissionen eingerichtet, deren Mitglieder sich mit Maßnahmen und Mitteln in der Bekämpfung von Klinikkeimen auskennen. Neben Krankenhäusern verlangt die neue Regelung auch von Arztpraxen, in denen operiert wird, und Dialyse- und Reha-Einrichtungen eigene Hygienepläne.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/mehr- ... 53362.html

Verbreitung von multiresistenten Keimen außerhalb der Kliniken
Multiresistente Keime, gegen die Antibiotika nicht mehr helfen, breiten sich nicht nur in Kliniken aus: Vor allem in Tierzuchtbetrieben sind sie zu finden. Sie gelangen von dort in den Einzelhandel.
Der ganze Artikel: http://www.welt.de/gesundheit/article10 ... theke.html
Auf 42 Prozent der Putenfleisch- und 22 Prozent der Hähnchenfleischproben fand das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die resistenten Keime nach eigenen Angaben.
Der ganze Artikel: http://www.focus.de/gesundheit/ernaehru ... 67319.html
Antibiotika im Stall bringen Keime ins Krankenhaus

Massentierhaltung lässt Keime schneller wachsen – und wir sind immer öfter machtlos. Mikrobiologe Alexander W. Friedrich mahnt höhere Fleischpreise an.
http://www.welt.de/dieweltbewegen/artic ... nhaus.html

Gefahr für Frühgeborene
Film: Tödlich krank durchs Krankenhaus: Keimgefahr für Frühgeborene
http://www.spiegel.de/video/toedlich-kr ... 61160.html

Wie kann man das Risiko minimieren?
- Antibiose nur dann, wenn sie wirklich notwendig ist!
- Kind bei einer Geburt im Krankenhaus immer Rooming In und selbst versorgen, so kommt es mit weniger Personen in Kontakt
- Bei der Einlieferung ins Krankenhaus offensiv nach den Fallzahlen von nosokomialen Infektionen Fragen (Tipp einiger Klinikärzte)
- Darauf achten, wenn eine Schwester, ein Pfleger, Arzt etc. sich vor einer Untersuchung nicht die Hände desinfiziert und darauf hinweisen bzw. verlangen dies nachzuholen bevor untersucht wird (gerade bei Kindern)
- Haus- oder Geburtshausgeburt planen!
- Krankenhausaufenthalte nur dann, wenn sie wirklich notwendig sind!

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Re: Multiresistente Keime und Hygiene im Krankenhaus

Beitragvon parapluies » Di 21. Aug 2012, 10:06

Zur Entstehung von multiresistenten Keimen
Zu dem Beitrag in der Infothek "Multiresistente Keime und Hygiene im Krankenhaus" hätte ich noch eine Ergänzung.

In meinen Worten ganz vereinfacht dargestellt:
Bricht man eine Behandlung mit Antibiotika vor Ende der Empfohlenen Einnahme Dauer ab, entwickeln die Bakterien im Laufe der Zeit die Resistenz gegen genau dieses Antibiotika. Das ist wie eine "Impfung" für die Bakterien, die sie nicht umbringt sondern stärker macht.
Da die Bakterien dann weiter ihr Unwesen treiben und die Patienten nicht wieder gesund werden gehen sie in´s KH. So werden die resistenten Bakterien dort eingebracht.
Antibiotika sind chemische Verbindungen bzw. Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, Streptomyzeten oder Bakterien, die in der Lage sind, Bakterien gezielt abzutöten. Heute werden Antibiotika auch synthetisch hergestellt.
Bakterien gibt es überall und in unzähligen Arten und Formen. Nicht alle verursachen eine Erkrankung. Aber dennoch erkranktwohl jeder Mensch in seinem Leben an Infektionen, die von Bakterien ausgelöst werden. Antibiotika unterstützen das Immunsystem bei der Abwehr der krankheitsverursachenden Bakterien. Dabei gibt es eine Vielzahl von antibiotischen Substanzen. Die wichtigsten sind:
Penicilline mit breitem Wirkspektrum
Penicilline mit schmalem Wirkspektrum
Cephalosporine
Trimethopim und Sulfonamid-Kombinationen
Tetrazykline
Makrolide
Aminoglykoside
Gyrasehemmer

Die Wirkung dieser Substanzen ist sehr unterschiedlich, weil der jeweilige Angriffspunkt verschieden ist. Angriffspunkte können sein eine Hemmung der Zellwandsynthese z. B. durch Penicilline, Cephalosporine, Veränderung der Durchlässigkeit der Zellmembran, Hemmung der Synthese der DNA und der RNA des Bakteriums, Hemmung der Eiweißsynthese des Bakteriums z. B. durch Aminoglykoside, Tetrazykline oder Makrolide oder auch eine Antimetabolitenwirkung wie bei Trimethopim. Es gibt Antibiotika mit einem schmalen Wirkspektrum und Breitbandantibiotika mit einem allgemeinen Wirkspektrum.

Anwendung nach Vorschrift ist sehr wichtig.
Bei der Anwendung von Antibiotika sollte vorher möglichst festgestellt werden welches Bakterium für die Erkrankungverantwortlich ist. Viele Erkrankungen werden vorwiegend von einem bestimmten Erreger ausgelöst. Andernfalls sollte ein bakteriologische Diagnostik und eine Resistenzbestimmung durchgeführt werden. Erst dann kann ein gezielt wirkendes Antibiotikum ausgewählt werden. Auch die möglichen Nebenwirkungen sollten in eine Entscheidung mit einfließen. Ein Antibiotikum sollte immer so lange und in der Dosierung eingenommen werden, wie der Arzt es verschrieben hat. Das ist sehr wichtig auch dann, wenn die Krankheitssymptome schon vorher abklingen oder verschwinden. Wird ein Antibiotikum zu früh abgesetzt, können einzelne Bakterien überleben und die Erkrankung kann erneut ausbrechen. Außerdem bilden sich so schnell resistente Bakterienstämme heraus, die im Falle einer erneuten Erkrankung nicht mehr auf das angewandte Antibiotikum reagieren. Das Medikament ist dann wirkungslos.
Antibiotika werden nicht nur in der Humanmedizin angewandt. Ein sehr großes Einsatzgebiet ist auch die Tiermedizin und die Nutztieraltung. So ergeben sich Auswirkungen auf Böden, Gewässer und Tierzucht, die ebenfalls zur Resistenzentwicklung beim Menschen beitragen.

Resistenzentwicklungen müssen vermieden werden.
Wichtig ist auch, dass unsachgemäße Verschreibungen von Antibiotika, die auch heute noch durchaus häufig vorkommen, reduziert werden. Sie verursachen nicht nur unnötige Kosten und belasten den Betroffenen mit unnötigen Nebenwirkungen, sie sind auch mit verantwortlich für die inzwischen erheblichen Resistenzentwicklungen. So werden dringend benötigte Antibiotika unwirksam gegenüber krankheitsverursachenden Keimen, was bei schweren und komplizierten Fällen lebensbedrohlich sein kann. Ein Beispiel für unsachgemäße Anwendung von Antibiotika ist die zu schnelle Verschreibung bei Fieber. Fieber ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf eine Erkrankung und kann sehr viele unterschiedliche Ursachen haben. Nur, wenn das Fieber auf eine bakterielle Infektion zurückzuführen ist, ist eine Therapie mit Antibiotika sinnvoll. Häufig werden aber Antibiotika bei Erkrankungen wie Schnupfen oder Bronchitis verordnet, die in der Regel durch Viren hervorgerufen werden. Gegen Viren sind Antibiotika wirkungslos.

Vorbeugende Anwendung ist selten.
Antibiotika können auch vorbeugend eingesetzt werden. Dies geschieht aber nur in vorher genau untersuchten Fällen, z. B. vor einer Operation am Verdauungstrakt, vor der Implantation von Prothesen. Hier soll vermieden werden, dass nach der Operation eine Infektion eintritt, die den Erfolg der Operation zunichte macht.
http://www.medizinfo.de/arzneimittel/ar ... tika.shtml




Rechtsinfo - Medizinrecht

Risikofaktor: Hygienemängel in Krankenhäusern

von: Rechtsanwalt Hans-Georg König, Münster
- Fachanwalt für Medizinrecht -

In Deutschland gibt es kein bundeseinheitliches Krankenhaushygienegesetz.

Es gibt zwar Hygiene-Richtlinien, die vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin entwickelt wurden und Krankenhaushygiene-Verordnungen; letztere existieren allerdings bisher in nur fünf von 16 Bundesländern: Berlin, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen. Letztlich obliegt die Thematik der Krankenhaushygiene den Krankenhäusern selbst.

Dem Bericht "Krank im Krankenhaus" der Allianz-Versicherung aus dem Jahre 2007 zur Folge wird die Infektionsrate von Krankenhauspatienten in Europa mit etwa 10 % geschätzt. Von rd. 18 Mio. Krankenhauspatienten in Deutschland infizieren sich 3-4 % jährlich (so Imhof, Diagnose: Bedingt lebensfähig, FAZ vom 31.08.2010). Nach anderen Quellen (STERN Nr. 36 vom 02.09.2010, S. 34 ff.) sollen immerhin noch ein halbe Million Patienten in deutschen Krankenhäusern an Infektionen mit Folgen wie Lungenentzündung, Harnwegsinfekten, Wundinfektionen oder Blutvergiftungen erkranken. In einigen Fällen verlaufen diese Infektionen auch tödlich, sodass man eine Sterberate von 10.000 bis 50.000 Patienten pro Jahr vermutet.

Veröffentlichte Zahlen variieren stark, eine genaue Angabe ist nicht möglich, vor allem weil es in Deutschland an einer Meldepflicht fehlt.

Aber nicht nur Hygienemängel führen zu hohen (und durchaus vermeidbaren) Infektionsraten - auch der übermäßige Einsatz von Antibiotika trägt einen Teil dazu bei. Antibiotika wurden im Jahr 1928 entdeckt und galten zunächst als Wunderwaffe gegen Bakterien. Allerdings werden mit der Zeit immer mehr Bakterien resistent gegen ein bestimmtes Antibiotikum oder auch gegen sämtliche Antibiotika. Resistenzen entstehen meist durch Mutationen, also Veränderungen im Erbgut der Bakterien; verändert ein Bakterium seine Struktur, so kann das Antibiotikum nicht mehr ins Innere des Bakteriums gelangen und somit nicht mehr wirken.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich auf diese Weise resistente Bakterien bilden, steigt, wenn Patienten die Antibiotika zu früh absetzen oder über einen längeren Zeitraum zu gering dosiert einnehmen.

In der Tat zeigen einige Befragungen, dass Patienten mit der Einnahme von Antibiotika leichtfertig umgehen, indem sie sie unregelmäßig einnehmen oder beispielsweise mit der Einnahme bereits dann aufhören, wenn sie eine Besserung der Symptome bemerken. Zurückzuführen sind diese Einnahmefehler vor allem auf die Unkenntnis der Patienten von der Wirkweise von Antibiotika und der Folgen der Fehleinnahme. Aber auch Ärzte spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle; zum einen klären sie die Patienten oft unzureichend über die vorstehenden Tatsachen auf, zum anderen wird geschätzt, dass ca. 50 Prozent der Antibiotika-Rezepte Fehlverordnungen sind.


Welche Auswirkungen Hygienemängel und der übermäßige Einsatz von Antibiotika haben, lässt sich anhand der massiven Verbreitung von MRSA veranschaulichen.

MRSA bedeutet Methicillin-resistentes Staphylokokkus aureus. Es handelt sich dabei um ein Bakterium, welches gegen sämtliche Antibiotika resistent ist und daher nur schwer, oft aber auch gar nicht zu behandeln ist.

Gerade in den letzten Jahren ist ein massiver Anstieg von MRSA-Infizierten zu verzeichnen. Inzwischen tragen zwischen einem und fünf Prozent der Menschen in Deutschland diesen multiresistenten Erreger in sich, der sich im Nasen-Rachen-Raum oder auf der Haut ansiedelt. Insbesondere in Krankenhäusern hat dieses Bakterium ein leichtes Spiel, denn vor allem Personen mit einem schwachen Immunsystem sind für eine Infektion anfällig. Außerdem überlebt dieses Bakterium selbst monatelang auf glatten Oberflächen wie Plastik, sodass auch sämtliche medizinischen Geräte bakteriell belastet sein können.

Um die Verbreitung von MRSA aufzuhalten, müssen die bereits mit dem Keim infizierten Patienten isoliert und die Keime bekämpft werden. Da aber das Klinikpersonal zu vielen Patienten Kontakt hat und mangels intensiver Kontrollen oft nicht bekannt ist, wer die resistenten Keime in sich trägt, wird das Klinikpersonal selbst zum gefährlichen Verbreiter der Krankheit. Die strikte Einhaltung von Hygienevorschriften wie beispielsweise einer häufigen Händedesinfektion erscheint damit unerlässlich.

Als Vorreiter im Kampf gegen Hygienemängel im Allgemeinen und gegen MRSA im Besonderen gelten die Niederlande (dazu Schmitt, Im biologischen Blindflug, FAZ vom 26.08.2010). Dort wird jeder Patient bei der Einweisung in ein Krankenhaus auf MRSA untersucht. Fällt der Test positiv aus, so werden die Patienten auf Isolationsstationen behandelt, auf denen das Krankenhauspersonal zum Tragen von Masken, Handschuhen und Haarschutz verpflichtet ist. Außerdem werden in den Niederlanden regelmäßig Kontrollen zur konsequenten Handhygiene durchgeführt. All dies ist aufwändig, doch von großem Erfolg gekrönt; die Rate der Neuansteckungen liegt in den Niederlanden unter 0,1 %.

Die in den Niederlanden geltenden Grundsätze wurden in Deutschland beispielsweise im Kreiskrankenhaus Schramberg im Schwarzwald umgesetzt. Auch hier zeigten sich bisher sehr gute Erfolge.

Diese Erkenntnisse zeigen die hohe Bedeutung der Durchsetzung von Hygienevorschriften auf. Insbesondere ist danach ein Hygienearzt in jedem Krankenhaus unerlässlich - derzeit verfügen nur fünf Prozent der deutschen Krankenhäuser über einen Hygienearzt - und es müsste schnellstmöglich ein bundeseinheitliches Hygienegesetz geschaffen werden.

Spektakuläre Fälle von öffentlich bekannt gewordenen Hygienemängeln mit tödlichem Verlauf für die betroffenen Patienten befeuern immer wieder die gesundheitspolitische Diskussion, jedoch bislang ist der Gesetzgeber untätig geblieben. Erfahrungen mit einem strikten Hygiene-Regime aus dem Ausland sind bekannt, umsetzbare Forderungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (http://www.dgkh.de) liegen auf dem Tisch. Und auch die Apothekenkammern haben Hygiene-Richtlinien und -empfehlungen herausgegeben. Ansonsten sollten betroffene Patienten auf auffällige Hygiene-mängel in den Kliniken sensibel reagieren und Missstände melden, etwa bei Patientenfürsprechern. Im Kunstfehler-prozess können Hygienemängel zur Beweislastumkehr zugunsten des Patienten führen. Begründet wird dies damit, dass Hygiene grundsätzlich regelbar ist, sowohl durch schriftliche Vorgaben des Krankenhausträgers als auch in der konkreten Umsetzung durch ständige Schulung und Überwachung des Hygieneregimes.
http://www.ksp-rechtsanwaelte.de/rechts ... recht.html
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