Der Knoten in der Nabelschnur

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NIKE

Der Knoten in der Nabelschnur

Beitragvon NIKE » So 19. Aug 2012, 19:59

Meine Unterhaltung mit einer Bekannten nehme ich zum Anlass für diesen Beitrag. Wir unterhielten und kamen auch Geburtskomplikationen, sie erzählte mir von toten Föten die sich quasi selbst umgebracht hatten. Ich hab ja medizinisch ein paar Dinge gelernt vor allem Anatomie wo ich mir noch das meiste vorstellen kann.

Für mich waren da Fragen wie, wann können überhaupt Knoten entstehen? Meist vor den 6 Monat weil die Babys sonst schlicht zu groß und zu schwer werden sich so um ihre Achse zu drehen das sie einen Knoten schaffen würden. Soweit so gut.

Jetzt kommt die Fragen aller Fragen die ich ihr auch gestellt habe. Wie schafft es ein bis dahin meist erst 300g leichtes Embryo im praktisch schwere losen Raum ( Fruchblase) ohne tatsächlich "Kraft" haben zu können einen Knoten in der Nabelschnur so fest zu ziehen, das es sterben kann?
Mann muss natürlich bedenken das es kein leerer Schlauch ist sondern ein prall gefüllter.
Selbst wenn das Embryo schon im 2000g wiegen würde, wäre es dementsprechend groß und hätte sehr wahrscheinlich keinen Platz den Knoten irgendwie fest zu ziehen. Es ist auch irgendwie unlogisch, wenn das Baby von 6 bis in den 8 Monat "problemlos" mit dem Knoten lebt ohne aufzufallen ( Ernährungsdefizite, Größe ect) und dann "plötzlich" ist der Knoten tödlich.

Von der rein menschlichen Logik würde ich sagen, das ist völlig unmöglich, selbst für einen Erwachsenen wäre es schon schwierig eine frische Nabelschnur zu verknoten.

Es ist sehr schwierig was wirklich logisch nachvollziehbares zu finden das diese SelbstmordgefährdetenEmbryotheorie schlüssig erklärt. Sollte wer, der diesen Beitrag liest und etwas medizinisch logisches Wissen haben, der diese SelbstmordgefährdetenEmbryotheorie erklärt, bitte sehr gerne zu mir.

An sonsten darf man dieses "der Knoten in der Nabelschnur der mein Baby umbringt", eher zu den Angst mach Gerüchten zählen.

Der Herr Rockschaub hatte wohl, sehr ähnlich logische Bedenken.

http://books.Go*gle.de/books?id=r_f1oYu ... ub&f=false

Helen

Re: Der Knoten in der Nabelschnur

Beitragvon Helen » So 19. Aug 2012, 20:33

In meinem Gynäkologiebuch ( fürs Studium), finde ich zum Thema Nabelschnurknoten folgendes:

Zitat:
"............Ähnliche Symptome treten auf, wenn ein echter Nabelschnurknoten, den man bei 1-2 % aller Geburten ( meist ohne Beeinträchtigung des Kindes) findet, zu einer Kompression der Nabelschnur führt. Eine Zirkulationsstörung durch einen Nabelschnurknoten ist selten, aber möglich. Symptomatik und Therapie entsprechen einer Nabelschnurumschlingung."

Zum besseren Verständnis auch der vorangehende Teil zum Thema Nabelschnurumschlingung:
Zitat:
" Etwa 20-30 % aller Kinder weisen bei der Geburt eine Nabelschnurumschlingung auf. In Abhängigkeit von der Lage der Nabelschnur und der Aktivität des Kindes kann die Nabelschnur ein- oder mehrfach um den Körper oder den Hals geschlungen sein. Meistens besteht dadurch keine hypoxische Gefährdung.
Klinisch wird die Umschlingung nur dann bedeutsam, wenn sie die Zirkulation in der biologisch- anatomisch gut geschützten Nabelschnur beeinträchtigt. Am häufigsten beobachtet man das beim Tiefertreten des Kindes im Verlauf der Austriebungsperiode. Es treten zunächst wehensynchron, später anhaltende Herztonalterationen und zunehmende Azidose auf. In diesem Fall muss die Geburt sofort beendet werden, wenn nötig durch Zangen oder Vakuumextraktion oder, wenn der Kopf noch hoch steht oder eine Beckenendlage vorliegt, durch Sectio caesarea."

Entnommen aus Gynäkologie und Geburtshilfe - Sicher durch Studium und Praxis, Thieme Verlag, Seite 411 oben

Auch wenn ich bei weitem nicht alles unterschreiben kann was in diesen Lehrbüchern steht, so aber doch diesen Absatz. Er ist ziemlich deckend mit dem was ich aus eigener Erfahrung weiss und auch in Gesprächen mit Ärzten und Hebammen heraushöre.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass ein echter Nabelschnurknoten der so fest zugezogen ist das die Versorgung des Kindes gefährdet ist so selten ist, dass sie im Nullpromillebereich liegt. Theoretisch ist es also möglich, praktisch kenne ich keine einzige Hebamme oder einen Arzt, und ich habe auch noch von keinem gehört, der sich daran erinnern kann so etwas einmal gehabt zu haben. Hingegen sind sogenannte unechte Nabelschnurknoten hin und wieder zu beobachten, genauso wie die vielen Nabelschnurumschlingungen, die allesamt aber harmloser Natur sind. Wenn man also den Zahlen im o.g. Buch Glauben schenken darf, haben 20-30 % aller Kinder irgendwo am Körper Nabelschnurumschlingungen, die Anzahl der Kinder bei denen es wirklich zu einer Gefährdung dadurch kommt liegt nach Schätzungen der Ärzte bei ca. 1 % von diesen 20- 30 %.

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Re: Der Knoten in der Nabelschnur

Beitragvon uvd » So 19. Aug 2012, 21:13

ich habe auch ein paar aussagen zum thema nabelschnur gesammelt:

Umwicklung: http://www.You Tub*.com/watch?v=DQBYJfurJqc


Länge: 25-140 cm

durchschnittliche Länge: 55 cm

zum Thema Nabelschnurknoten darf ich Prof. Alfred Rockenschaub zitieren (20 Jahre lang Leiter der Semmelweis-Frauenklinik in Wien):

"Um die Möglichkeit der viel strapazierten Nabelschnurkomplikationen richtig einzuschätzen, ist es zweckmäßig sich in die Lage des Fetus zu versetzen. Nehmen wir an: ein 65 kg schwerer Erwachsener befindet sich samt Atemgerät in einem 100 cm x 110 cm x 120 cm großen Faß, das mit Gleitflüssigkeit gefüllt ist; vom Deckel des Fasses zum Nabel des Probanden zieht ein 2 m langer, 4 cm dicker, elastischer, prall mit Flüssigkeit gefüllter Schlauch, in diesem wird bei konstantem mittlerem Druck eine regelmäßige Pulsation von zwei Schlägen in der Sekunde aufrechterhalten. Obwohl die in diesem Schlauch bestehende Absicherung gegen Verschlingungen, im Vergleich zum Nabelstrang, als höchst unzulänglich zu bezeichnen ist, käme wohl kaum jemand auf die Idee, daß sich der Mann im Faß mit dem plumpen Schlauch erdrosseln könnte oder eine knotenförmig angelegte Schlinge so weit zuzuziehen vermöchte, daß die Fortleitung der Pulsation unterbrochen wäre"



1)

Die Nabelschnurgefäße besitzen kein Vasa vasorum. Die Ernährung des Nabelschnurgewebes erfolgt von der Nabelvene aus, deren Wand für Wasser und gelöste Stoffe in beiden Richtungen durchlässig ist. Der Tonus der Nabelschnurarterien reagiert sehr empfindlich auf den Sauerstoffgehalt der Durchströmungsflüssigkeit. Bei hohem Sauerstoffdruck zieht sich die starke Ringmuskulatur sofort zusammen, die Arterien erweitern sich dagegen bei Sauerstoffmangel und bei hohem Kohlensäuregehalt des Arterienblutes. Auch unter der Einwirkung von Kälte kontrahiert sich die Gefäßmuskulatur der Arterien so kräftig, dass ein Gefäßvolumen selbst mikroskopisch kaum noch zu erkennen ist.

Diese Eigenschaften der Nabelarterien tragen dazu bei, dass die Pulsationen in der Nabelschnur bald nach der Geburt des Kindes verschwinden und der Plazentarkreislauf stillgelegt wird, auch ohne dass eine Unterbindung stattfindet. Beim Durchreißen des Nabelstranges, das bei Sturzgeburten, aber auch bei gewöhnlichen Spontangeburten gelegentlich einmal vorkommt, macht sich noch ein weiterer Schutzmechanismus gegen eine Verblutung aus der Nabelschnur bemerkbar, indem sich die Gefäßmuskulatur an der Rißstelle durch Kontraktion sofort einrollt.



Quelle: „Lehrbuch der Geburtshilfe“ von Prof. Dr. Heinrich Martius, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 4. Auflage (1959)





2)

Das geborene Kind legt die Hebamme zwischen die Beine der Mutter. Meist macht es sofort Bewegungen, atmet und schreit, viele entleeren auch Harn und Kindspech. Doch kann es auch vorkommen, dass das Neugeborene vom Fruchtkuchen her noch so gut mit Sauerstoff versorgt wird, dass tiefe Atembewegungen zunächst noch ausbleiben, ohne dass das Kind im geringsten geschädigt ist.

Erheben sich Zweifel, so zeigt wieder ein geringer Hautreiz, auf den das Kind durch Verziehen des Gesichts oder durch sonstige Bewegungen antwortet, at, dass es sich nicht um ein scheintotes, sondern um ein völlig lebensfrisches Kind handelt, wenn auch die Lungenatmung zunächst noch nicht eingesetzt hat.

Denn erst, wenn die Sauerstoffversorgung von der Mutter her nachlässt, tritt der Reiz zu vertiefter Lungenatmung auf infolge Kohlensäureanreicherung im kindlichen Blutkreislauf.



Es folgt die Abnabelung, die bei lebensfrischem Kind nicht sofort vorgenommen werden soll, sondern erst, wenn die anfänglich noch strotzend gefüllten Nabelschnurgefäße zusammenfallen, der Nabelschnurpuls schwächer wird oder auch ganz erlischt. In dieser Zeit geht noch ein Teil des in der Nachgeburt befindlichen Blutes auf das Kind über und bleibt ihm damit erhalten.



(…) Wir beobachten, dass keine nennenswerte Blutung auftritt, wenn die Nabelschnur zerquetscht oder abgerissen wird, wie das bei Sturzgeburten vorkommen kann. Ähnliches sehen wir auch bei den Säugetieren. Sie durchtrennen die Nabelschnur durch Zerkauen oder auch Abreißen, indem das Muttertier nach einiger Zeit aufsteht. Bei solcher Art der Durchtrennung werden die Gefäßränder eingerollt und damit verschlossen. Bei einem glatten Schnitt dagegen besteht stets die Gefahr der Blutung, ja Verblutung. Das Abnabeln mit der Schere muss also sehr sorgfältig und das Abbinden sehr fest gemacht werden. (…)



Quelle: „Hebammenlehrbuch“, Elwin Staude Verlag, Herausgeber: Deutsches Reichsgesundheitsamt 1943


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