Geburt meiner 2. Tochter 2010

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MorgaineDAvalon
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Geburt meiner 2. Tochter 2010

Beitragvon MorgaineDAvalon » Mi 22. Jan 2014, 23:30

Ich nehm mir jetzt mal die Zeit, den Geburtsbericht von meinem 2. Kind abzutippen, werde ihn aber kürzen.

Ich war 3 Tage über ET und schon lange ungeduldig, da ich ab der 28. SSW Vorwehen hatte. Erst Vorwehen, und dann über Termin gehen passte nicht zusammen und steigerte meine Ungeduld und Vorfreude.

In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft beschloss ich, nicht mehr zum Gyn zu gehen, sondern mich nur noch von meiner Hebamme betreuen zu lassen. Eine HG wollte ich aber nicht, da wir noch bei meinen Eltern wohnten. Wir hatten dort zwar unsere eigene abgeschlossene Wohnung, aber das Geburtshaus entsprach mehr meinen Vorstellungen, ich fühlte mich dort ungestörter und vielleicht beruhigte mich auch die Nähe der Klinik (Totgeburt und angebliche Sauerstoffmangelfälle in der Familie saßen damals noch tief in meinem kollektiven Unbewussten fest).

Ich hatte eine anstrengende Schwangerschaft, da ich mitten im Staatsexamen war. Die Große, damals 2, wurde nicht fremdbetreut und somit hieß es: tagsüber Kind, nachts Uni (lesen, lernen, tippen). An Schlafen war selten zu denken, selbst mit Vorwehen saß ich täglich da und schrieb und ging stundenweise zu Prüfungen. Mein Mann machte gerade sein Diplom, und so saßen wir uns in den Nächten gegenüber und lasen und tippten wie die Irren :buch: :pc: :hypno:

Et + 3 war ich dann bei meiner Hebamme zur Vorsorge, heißer Sommertag, Geburtshaus. Sie gab mir Kügelchen, um die Geburt anzustoßen, und kaum aus dem Geburtshaus draußen, bekam ich im Bioladen die erste Wehe. Das war um 14 Uhr. Einige Tage zuvor hatte sie den Schleimpfropf gelöst, auf meinen Wunsch hin, was ich aber nicht mehr tun würde (es schmerzt :blauge: und außerdem kommt das Kind sowieso, wenn es will, und so soll es ja auch sein).

Vom Bioladen fuhr ich dann natürlich direkt nach Hause und tigerte mit meiner Tochter und meinen Eltern im Garten rum. Ich erinnere mich an das satte Grün und die heiße Sonne, an das Plätschern des Brunnens und die Nachbarn, die meine Mutter geschickt davon ablenkte, dass ich gerade in Wehenarbeit war.

Am frühen Abend kam mein Mann von der Arbeit und ich teilte ihm mit, dass unser Baby heute kommen wird. mrgreen-dance

Während ich meine Sachen fürs Geburtshaus packte, experimentierte mein Mann mit der Kamera, denn er sollte während der Geburt Fotos machen.

Meine Freundin sollte auch dabei sein, sie hatte ich also auch informiert.

Als die Wehen am Abend alle 3 Minuten kamen, machten wir uns auf den Weg. Ich verabschiedete meine Mama, die diesmal nicht bei der Geburt dabei sein konnte, da sie ja meine Zweijährige betreuen musste, und küsste mein "großes" Mädchen. Sie verabschiedete sich fröhlich, denn sie durfte ja bei Oma schafen und freute sich auf ihre Schwester. :herzen:

Um 19 Uhr kamen wir im Geburtshaus an. Mein Stiefvater hatte uns hingefahren und wartete in der Küche meiner Hebamme bei Kaffee und Zeitschriften geduldig. Meine Schwester, meine Freundin, mein Mann und zwei Hebammen waren für mich da, wenn ich sie brauchte, und abwesend, wenn ich lieber alleine im Geburtsraum war. Wir hatten meinen Geburtspool aufgebaut, den Raum verdunkelt und Kerzen angezündet. Meine Hebamme machte leise Meditationsmusik an und beschallte das Wasser des Pools mit meiner Klangschale, die mein Mann mir extra für dieGeburt geschenkt hatte.

Ich kam sehr gut mit den Wehen zurecht, die ich seit 14 Uhr hatte. Die Abstände wurden zwar immer kürzer, die Intensität nahm auch stetig zu, aber sie waren herrlich leicht zu veratmen. In den Pausen lachte ich viel und tigerte umher, insgesamt herrschte aber eine große Stille und Ruhe, eine ganz meditative und heilige Stimmung.

Ich ließ mir von meiner Hebamme einen Einlauf machen, weil ich das gute Wasser nicht verdrecken wollte. Leider waren die Wehen da schon recht heftig, sodass ich Probleme hatte, mich auf dem Klo zu halten.

Als die Übergangsphase begann, stieg ich ins warme Wasser. Jetzt waren die Wehen zum ersten Mal schmerzhaft, vorher empfand ich sie eher als starke, unglaublich anstrengende Kontraktionen. Die Hebammen waren der Meinung, die Herztöne seien nicht gut, deshalb sollte ich vom Wasser aufs Bett wechseln. (Heute weiß ich, dass es keine schlechten Herztöne gibt und ein Abfall kurz vor der Austreibungsphase normal ist.) Ich war für einen kurzen Moment verunsichert und sah mich im KH entbinden vor meinem geistigen Auge, aber ich schaffte es, diese negativen Gedanken zu verbannen und nahm den Vierfüßler auf dem Bett ein. Ich hatte nun seit etwa 7 Stunden Wehen, wovon erst die letzte Stunde schmerzhaft war. Eine Stunde lag noch vor mir.

Auf dem Bett platzte dann auch meine Fruchtblase. Das war ein gigantisches Naturereignis, ich dachte, das Wasser sei an alle Wände gespritzt. Von dem Moment an war ich auf einem anderen Planeten, hab von meiner Umgebung nichts mehr mitbekommen, war nur noch Gebärende, fühlte mich wie all die Frauen in den Zehntausend Jahren vor mir. Gewaltig, ekstatisch! Wow, mein Wasser ist an alle Wände und an die Decke gespritzt :hypno: Dwm Druck meiner Blase gab ich dann auch noch grad nach, wie gesagt, ich realisierte sowieso nicht mehr, dass da noch andere Menschen waren. Es war mir überhaupt nicht unangenehm, auf dieses große kuschelige Bett zu pinkeln. :schweb:

Dann verspürte ich den Drang, mich hinzustellen. Ich stellte mich neben das Bett und hielt mich an dem von der Decke hängenden Seil fest.

Morgen gehts weiter, Baby hat Hunger!!
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MorgaineDAvalon
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Re: Geburt meiner 2. Tochter 2010

Beitragvon MorgaineDAvalon » Fr 24. Jan 2014, 23:17

Fortsetzung:

Da stand ich nun also im kerzenerhellten Geburtszimmer, meine BegleiterInnen schweigend um mich, und wechselte über zu den Austreibungswehen. Ein bisschen saß mir noch die Angst in den Knochen von der ersten Geburt, wo ich die Austreibung als unsäglich schmerzhaft empfunden hatte. Ich wollte, dass es diesmal flott über die Bühne geht. :zahnlos:
Aber auch mein Kind signalisierte mir, dass es keines von der langsamen Sorte ist - und bereits durch die Erfahrung des Blasensprungs, der sich wie eine Explosion anfühlte, wurde mir bewusst, dass dieses Kind eine echte Granate ist, was sich in seinem weiteren Leben auch bewahrheitete (sie konnte mit 6 Monaten laufen, die Babyzeit war so kurz, dass ich mich kam erinnern kann, sie ist impulsiv, ständig unter Anspannung, ständig in Bewegung, explodiert sehr oft, ist in allem total witzig, zielsicher und schnell).
Es war interessant, wie sich dieses Kind durch die Art der Geburt schon mitteilte, genauso wie die anderen Kinder auch, die alle gänzlich verschieden sind.

Ich stand noch nicht richtig, da machte es in mir RRRRummmmss und die Kleine rutschte tiefer. So tief, dass ich die zweite mystische Erfahrung machen durfte: Ich vergaß wieder alles um mich herum und war nur noch Körper, ich fühlte dieses Tieferrutschen wie einen Orkan und hatte in dem MOment das Gefühl, mein baby sei schon geboren und durch den Boden des Geburtshauses in den Keller geschossen. :hypno: Erst spritzt das Fruchtwasser gewaltig gegen die Wände (natürlich nicht real, aber so fühlte es sich für mich an), nun schießt dieser Orkan durch mich und katapultiert mein Kind durch eine Betondecke. Wooow!! :hypno:

Tatsächlich aber war die Kleine noch in mir drin und ich spürte Presswehen. Augen zu und durch, dachte ich, schob einmal unter einem Urschrei kräftig mit und schwupps, war der Kopf geboren. Da stand ich, eine Hand am Tragetuch, die andere am Kopf meines Kindes, und jubelte: Es ist geschafft! O mein Gott, ich habs geschafft! Und mit der zweiten Presswehe kam der Körper hinterher. Und es war überhaupt nicht schlimm, zwar anstrengend ohne Ende, da der Rumpf ziemlich dick war (und der Po :hust:), aber kaum schmerzhaft, so wie die ganze Geburt im Vergleich zur ersten Geburt fast gar nicht schmerzhaft war! :yeah:

Meine Hebamme, die noch immer hinter mir saß, fing mein Kind auf und reichte es mir prompt zwischen den Beinen durch nach vorne. Ich nahm es immer noch stehend hoch und mein Mann und ich standen dann erst mal minutenlang da und kamen nicht auf die Idee, uns zu setzen. Ich konnte nicht mehr aufhören zu sagen: Schon geschafft - das gibts doch nicht - ich habs schon geschafft! Weil ich nicht glauben konnte, wie schnell das ging und wie schmerzarm! :wolke:

Wunderschön war unser Baby! Lange schwarze Haare, dunkle Haut, riesen Augen (erster Kommentar der Hebamme: So lange Wimpern hab ich noch nie gesehen!). Dann setzten wir uns verheult aufs Bett und bestaunten unser Kind, das keinen einzigen Schrei tat. Es war so still, die Atmosphäre so heilig, die Umstehenden hatten Tränen in den Augen. Dann sahen wir mal nach, ob es wie vermutet ein Mädchen ist. Ja, eine Mathilda Lilith! Lilith, die sich weigerte, sich einem Mann zu beugen, die Starke, Unbeugsame, die Gewaltige!

Gleich darauf stillten wir (Barracuda-Stilltyp natürlich :elvis:) und die Plazenta kam ohne Probleme währenddessen. Von den Hebammen gab es ein kleines Törtchen mit Kerze und leisem Geburtstagslied. Wiegen und Messen haben wir erst später gemacht, Anziehen auch erst kurz vorm Abfahren. 3900 g, 53 cm, KU 33 cm. Ich war verletzungsfrei bis auf eine Labienschürfung und einen mini Dammriss (da war aber nur die Naht aufgerissen, wo nach der ersten Geburt zu weit zugenäht wurde, ich war also froh drum!).

Ich war stolz wie Oscar, voller Kraft, hätte Bäume ausreißen können und konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. mrgreen-dance

3 Stunden nach der Geburt mitten in der Nacht lernten Oma und Schwester das Mathildchen kennen. Diesen seligen Anblick der müden Helena Morgana mit ihrer Babyschwester auf dem Arm werde ich nie vergessen :wolke:

Ich erlebte ein super harmonisches Wochenbett mit viel Ruhe, viel Stillen, viel Liebe und Umsorgtwerden. Eineinhalb Wochen war ich fast nur im Bett. :stillen:

Die "Große" war bis heute nicht ein einziges Mal eifersüchtig, im Gegenteil die Schwestern sind ein tolles Team geworden. Unser Baby ist nun 3 Jahre und immer noch ein herausfordernder Wirbelwind, ein sehr lautes, sehr quirliges, lebhaftes, phantasievolles, liebevolles und liebenswertes Kind. :herzen:
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kati
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Re: Geburt meiner 2. Tochter 2010

Beitragvon kati » Fr 24. Jan 2014, 23:46

hach...."fast schon neidisch bin" :blush:
und
WOW, was eine tolle, gewaltige Geburt!

:rainbow: :herzen:

danke für´s einstellen...

das bringt mich fast auf die idee meine ersten geburten auch nochmal aufzuschreiben :pc:
Liebe, Licht & Frieden

herzliche Grüße

Kati

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Re: Geburt meiner 2. Tochter 2010

Beitragvon Hibbeltrine » Sa 25. Jan 2014, 00:17

Vielen Dank für das Teilen dieses Berichts!! :rainbow: :flagge:

Ich finde es immer wieder interessant, dass Frauen, die selbstbestimmt gebären, von diesen mystischen Erfahrungen schreiben, z. B. sich eins zu fühlen mit der Schöpfung, mit dieser Urkraft, mit allen Frauen, die jemals geboren haben. Ich hatte das bei Linus (ungeplante Alleingeburt). Einfach diese Kraft spüren, sich ganz fallen lassen, dem Körper und seinen Instinkten hingeben...Wie ein Computerprogramm, das wir auf der Festplatte haben und bei Bedarf von selbst abgespielt wird (wenn das zugelassen wird).

Von Frauen, die im Krankenhaus geboren haben, hab ich das ehrlich gesagt, noch nie gehört.

Dein Bericht macht Mut, Morgaine!! :daumen: :daumen:
- Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd (William Shakespeare) -

Es grüßt die Trine (Boardgrantlerin)

Emma 10/06, KH mit allen Schikanen
Linus, Sternenkind 04/13,
Magdalena 03/14 Hockergeburt, heilend

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jessica
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Re: Geburt meiner 2. Tochter 2010

Beitragvon jessica » Sa 25. Jan 2014, 18:14

wow, in deinem bericht kommt das so richtig raus, daß gebären auch eine urgewalt ist...
vielen dank fürs teilen!
:herzen: :rainbow: :flagge:
sternchen 11/'12 und 10/'13 und 02/'14 und 11/'14


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