Marta 04.11.2012

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alresha
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Marta 04.11.2012

Beitragvon alresha » Mi 14. Nov 2012, 11:20

3.11.
8 Tage über ET und ich bin mit den Nerven am Ende. In 2 Tagen startet mein Mann mit seiner Saisonarbeit und kann nicht mehr so einfach mit zur Geburt.Das macht mir zu schaffen und ich will, dass unser Baby endlich kommt.
Morgens ist wieder Kontrolle bei der Hebamme. Alles ist bestens, das CTG perfekt und es zeigt sogar sehr regelmäßige Wehen an, die ich auch deutlich spüre. Meine Hebamme ist sicher, dass es heute losgeht.
Wir entscheiden uns für einen Wehencocktail (ohne Alkohol), um das Ganze zu beschleunigen.Zu Hause angekommen hocke ich erstmal fast 2 Stunden nur auf dem Klo. Danach bin ich leer, aber Wehen hat es bisher nicht gebracht.
Gegen 18 Uhr kommen recht unregelmäßig erste Wehen, die ich spüre, die aber nicht wehtun. Sie bleiben und werden fühlbarer. Gegen 19 Uhr ruft meine Hebamme an. Sie hat Besuch von ihrem Sohn und will Essen gehen, sich aber vorher noch erkundigen, ob dass möglich ist. Ich beruhige sie, sage, dass ich zwar Wehen habe, die aber zu unregelmäßig und schwach sind, als dass sie auf das Essen verzichten müsste.
Um 20 Uhr schläft mein Großer und nun werden die Wehen deutlich stärker. Ich hänge im Vierfüßler vor der Couch und veratme. Um 21 Uhr meldet sich meine Hebamme per SMS: Essen ist geschafft, Baby kann kommen. :-)
Zu diesem Zeitpunkt werden die Wehen wieder weniger und unregelmäßig. Ich bin enttäuscht. Meine Hebamme schlägt vor, mal in die Wanne zu gehen. Gesagt, getan. In der Wanne hören die Wehen wieder komplett auf. Enttäuschung pur. Also, nach 30 Minuten wieder raus aus der Wanne.
Kaum bin ich abgetrocknet und angezogen, geht es wieder los. Diese Mal deutlich heftiger und ruckzuck in 2-3 Minuten Abständen. Uns wird ein bisschen komisch - bis zum Geburtshaus sind es 30 Minuten, voher müssen aber noch meine Eltern kommen, um auf den Großen aufzupassen (weitere 30 Minuten). Also, schnell die Eltern angerufen. Die machen sich sofort auf den Weg und halten nach 30 Minuten mit quietschenden Reifen vor der Tür und sind fast noch aufgeregter als wir.
Meine Hebamme weiß inzwischen auch bescheid und richtet im Geburtshaus alles vor. Nun soll es endlich losgehen.
Der Weg im Auto ist die Härte. Die Wehen kommen aller 4 Minuten und die Postion im Auto macht mir ein Veratmen kaum möglich.
Ich wechsle auf die Rückbank, in der Hoffnung eine halbwegs bequeme Postion zu finden. Das letzte Stück Straße ist voller Löcher. Bei jeder Wehe nötige ich meine Mann zum Halten. Endlich sind wir da. Es ist kurz vor Mitternacht.

04.11.
Meine Hebamme bezieht das Bett, macht Kaffee für meinen Mann, legt meine Musik in den CD-Player.
Nun könnte es endlich mit Volldampf losgehen. Tut es aber nicht. Seitdem ich im Geburthaus bin, fühle ich mich unglaublich müde und möchte nur noch schlafen.
Die anfangs konstanten Wehen werden plötzlich wieder schwächer. Also doch ein Fehlalarm? Ich könnte heulen.
Beate beruhigt, schlägt vor, dass wir uns aufs Ohr legen und versuchen zu schlafen. Sie meint, der Körper ist nicht bereit zum Gebären, wenn ich so müde bin. Also legen wir uns alle hin und ich schaffe es, zwischen den leichten Wehen immer wieder einzuschlafen.
Um 2:30 Uhr werde ich von einer neuen Art von Wehe wach und die Erinnerung kommt wieder: SO ging es bei der Geburt von meinem Großen auch los. Nach 3 dieser Wehen weckt mein Mann Beate.
Nun geht es tatsächlich mit Volldampf weiter. Wehen aller 3 Minuten und ich töne wie verrückt. Ich versuche gute Postionen zu finden - hänge über der Wickelkommode oder an den Schultern meines Mannes. Ich töne sehr tief, weil ich das Gefühl habe, die Wehen durch die Vibration besser aushalten zu können.
Gegen 4 Uhr schaut meine Hebamme nach dem Muttermund - 6-7cm. Nicht schlecht! Sie ruft die 2. Hebamme Ulrike dazu.
Es geht rasant vorwärts. Um 5 Uhr meint Beate spaßeshalber, dass ich ja so langsam mal die Fruchtblase platzen lassen könnte. Die nächste Wehe versuche ich auf dem Pezziball zu veratmen...und prompt springt die Blase. :-)
Nun habe ich das Gefühl, dass ein Güterzug über mich hinwegrast. Ich tue mich schwer, eine Position zu finde, jammere zwischen den Wehen, meckere meinen Mann an und sage, dass ich nicht mehr kann. Übergangsphase - ganz klar. Soweit denke ich in dem Moment aber nicht.
Kurze Zeit später hänge ich mal wieder im Vierfüßler vor dem Bett und ganz plötzlich kommt das Gefühl, pressen zu müssen.
Bei der Geburt meines Großen war ich so zugepumpt mit Medikamenten und einer falsch gelegten PDA, dass ich überhaupt nichts fühlte, aber das hier ist eine wahre Urgewalt. Es tut alles weh und ich will nicht pressen, aber ich muss einfach. Ich merke jeden Zentimenter, den sich das Baby nach
unten schiebt. Nie und nimmer wird das mein Körper aushalten. Ich werde reißen, auseinanderbrechen, irgendwas was. Aber das ist mir egal, ich will nur, dass es endlich vorbeigeht. Meine Hebamme massiert derweil den Damm, gießt Öl drüber und was weiß ich. Ich merke zwar, dass sie was macht, bin aber zu
beschäftigt mit mir selber.
Dann geht alles ganz fix. Plötzlich ist der Kopf da. Ich darf hinfassen und fühle weiche Haare. Mein Mann ruft völlig erstaunt, dass die Kleine schon fleißig durch die Gegend schaut, obwohl sie noch nicht mal richtig da ist. Mit der nächsten Wehe wird dann der Körper geboren. Dann liegt sie plötzlich zwischen meinen Beinen. Es ist 6:47 Uhr.
Ich kann es gar nicht glauben, fühle mich plötzlich großartig. Ich nehme sie hoch und drücke sie ganz fest an mich. Glück pur!
Nach ein paar Minuten wechseln wir ins Bett und schon kurze Zeit später kommt die Plazenta. Die Narben der letzten Geburt sind nicht aufgegangen. Einen leichten Dammriss habe ich aber trotzdem (der mir aber bis jetzt keinerlei Probleme macht).
Wir kuscheln und bestaunen unsere Marta. Sie sieht genauso aus, wie ihr Bruder. Irgendwann (ich habe kein Zeitgefühl mehr) ist die Nabelschnur auspulsiert und wird von meinem Mann durchtrennt. Die nächsten 2 Stunden liegen wir alle zusammen, kuscheln, bewundern, stillen, streicheln, küssen und ruhen uns aus. Unsere Hebamme stellt uns als Snack selbstgebackene Plätzchen hin.
Gegen 9 Uhr stehen wir auf, machen uns frisch und fahren mit unserem Wunder nach Hause. Dort wartet ein ganz aufgeregter großer Bruder und ein noch aufgeregteres Großelternpaar. Marta wird wieder bestaunt, gestreichelt, geküsst. Den Rest des Tages verbringen wir 4 auf dem Sofa und genießen jede Minute.
Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Geburt. Selbstbestimmt, ohne Schmerzmittel, freie Entscheidungen, freies Handeln. So habe ich es mir gewünscht und so ist es gekommen. Die erste traumatische Geburt ist wie überschrieben. Ich fühle mich therapiert.
Viele Grüße!
alresha

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Semmelweise
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Re: Marta 04.11.2012

Beitragvon Semmelweise » Mi 14. Nov 2012, 11:22

gratuliere, dass es diesmal so schön geworden ist?
nur wozu war der völlig überflüssige einleitungsversuch am anfang gut?
Alles Liebe,
Kathrin


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Re: Marta 04.11.2012

Beitragvon weib1969h » Mi 14. Nov 2012, 11:25


:blume: :princess:

Kraftvoll und einzigartig - herzlichen Glückwunsch! :herzen:

:rainbow: :wolke:

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Re: Marta 04.11.2012

Beitragvon alresha » Mi 14. Nov 2012, 11:32

gratuliere, dass es diesmal so schön geworden ist?
nur wozu war der völlig überflüssige einleitungsversuch am anfang gut?
Wofür er genau gut war, weiß ich nicht. Ich hatte ja die Tage vorher schon immer wieder Wehen. Vielleicht hat es doch dazu geführt, dass es wirklich losgeht.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich es gemacht habe, weil ich einfach meinen Mann gern dabeihaben wollte und wirklich Schiß hatte, dass sie ausgerechnet dann kommt, wenn er arbeiten muss.
Das ist sehr egoistisch, ich weiß. Ich hatte aber einfach Angst, dass ich es ohne ihn nicht schaffe.
Viele Grüße!
alresha

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Re: Marta 04.11.2012

Beitragvon Rosenrot » Mi 14. Nov 2012, 12:15

:willkommen:
Herzlichen Glückwunsch zur Geburt deiner kleinen süßen Tochter!!!
Das habt ihr super gemacht!!!
Euch ein wunderschönes Wochenbett :zuhause:
Ganz liebe Grüße
Rosenrot
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Re: Marta 04.11.2012

Beitragvon Nyaah » Mi 14. Nov 2012, 13:17

:heul: hach wie schön!! Danke fürs Teilen!!! :herzen:
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Re: Marta 04.11.2012

Beitragvon Alva » Mi 14. Nov 2012, 13:26

Hach schön! Nochmal herzliche Glückwünsche! Ich freue mich, dass die Geburt so heilsam für dich war.
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Re: Marta 04.11.2012

Beitragvon Daniela » Mi 14. Nov 2012, 13:29

Herzlichen Glückwunsch zu der Geburt eurer Tochter... :rainbow:

und danke für deinen Geburtsbericht. :wolke:
Der April - Das ist die Drossel, die da schlägt, Der Frühling, der mein Herz bewegt; Ich fühle, die sich hold bezeigen, die Geister aus der Erde steigen. Das Leben fließet wie ein Traum - Mir ist wie Blume, Blatt und Baum. (Theodor Storm)

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Re: Marta 04.11.2012

Beitragvon Thilda » Mi 14. Nov 2012, 15:18

Welch ein schöner Bericht!! :love:
Ich bin ja heute einen Tag vor dem errechnete Entbindungstermin und da macht es ganz viel Mut einen so schönen Geburtsbericht zu lesen! Ich hoffe, wir bekommen das auch gut hin! :)

Alles Liebe
Thilda

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Re: Marta 04.11.2012

Beitragvon Semmelweise » Mi 14. Nov 2012, 15:19

gratuliere, dass es diesmal so schön geworden ist?
nur wozu war der völlig überflüssige einleitungsversuch am anfang gut?
Wofür er genau gut war, weiß ich nicht. Ich hatte ja die Tage vorher schon immer wieder Wehen. Vielleicht hat es doch dazu geführt, dass es wirklich losgeht.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich es gemacht habe, weil ich einfach meinen Mann gern dabeihaben wollte und wirklich Schiß hatte, dass sie ausgerechnet dann kommt, wenn er arbeiten muss.
Das ist sehr egoistisch, ich weiß. Ich hatte aber einfach Angst, dass ich es ohne ihn nicht schaffe.
ok... ich war neugierig, weil bei dir ja kein "übertragungsdruck" da war und du eh schon wehen hattest. wieso man da drauf noch eine einleitung riskiert, war mir nicht klar. war ja glück, dass die geburt ohnehin schon im beginnen war und es deinem körper "egal" war.
Alles Liebe,
Kathrin


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