Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

öffentliches Forum

Moderator: Hausgeburtsforum

annikatze
Beiträge: 55
Registriert: Mi 26. Mär 2014, 15:14
Wohnort: Trier

Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

Beitragvon annikatze » Mo 9. Nov 2015, 13:31

Mein Frauenarzt hat mir heute etwas erzählt, was ich im Zusammenhang mit der Hebammenproblematik sehr interessant finde. Mich würde mal interessieren, ob jemand von euch davon gehört hat? Ich bin bei dem Thema sehr informiert, aber folgendes war mir neu:

Die Krankenkassen gehen seit drei Monaten gezielt gegen Ärzte vor, die in ihrer Praxis mit Hebammen zusammen arbeiten und die folgende Konstellation anbieten: Frau geht für bestimmte Untersuchungen zum Arzt und für andere Leistungen zur Hebamme, die diese Leistungen gesondert abrechnet. Hierdurch bekommt der Arzt die Schwangerschaftspauschale für die jeweilige Frau (die ja pro Quartal bezahlt wird), die Hebamme rechnet zusätzlich nochmal ab. Gegen diese Ärzte wird jetzt vermehrt von Seiten der krankenkasse geklagt mit Vorwurf Abrechnungsbetrug. Mein Frauenarzt hat deshalb mehrmals betont, dass er mir empfehlen müsse, zur nächsten Untersuchung zu ihm zu kommen, da er Ärger mit der Kasse kriegen kann, wenn er das nicht im dem Wortlaut formuliert -> Im Sinne von, die können ihm dann vorwerfen, für Leistungen zu kassieren, die er nicht erbringt(er hat dazu gesagt, dass er mich natürlich nicht zwingen kann es so zu machen wie ich gern möchte :daumen: Also er hat das ganze recht positiv formuliert, er lässt mir da sämtliche Entscheidungen offen und versucht nicht mich über die Panikschiene oder sonst irgendwas umzustimmen, aber er musste sich scheinbar selbst stark absichern und hat mir dazu den Hintergrund erklärt).

Ich finde das ganz schön heftig. Letztlich führt das doch nur dazu, dass die Kluft zwischen Hebammen und Ärzten noch größer wird und Ärzte noch mehr auf Abwehr gehen, wenn eine Frau Hebammenvorsorge in Anspruch nehmen möchte. Was ich dabei nicht verstehe ist, dass die Krankenkassen meist selbst in diversen Infoblättern auf die Möglichkeit Ultraschall beim Arzt -> Rest bei der Hebamme hinweisen. Bisher hat das ganze wohl nur Ärzte getroffen, die Frauen aktiv zur Hebamme schicken (da in eigener Praxis mit dabei) und nicht die Ärzte, bei denen die Frau auf eigenen Wunsch zu einer Hebamme geht, mit der der Arzt nicht in Zusammenhang gebracht werden kann. Man hat aber gemerkt, dass mein Arzt eine gewisse Angst hat, dass die Krankenkassen da noch härter vorgehen.

Esmeralda
Beiträge: 306
Registriert: Sa 28. Jun 2014, 16:41

Re: Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

Beitragvon Esmeralda » Mo 9. Nov 2015, 13:54

ich kann mir nicht vorstellen dass das so tatsächlich stimmt. Wenn ein Gyn die komplette Fallpauschale für die Vorsorge abrechnet, tatsächlich aber nur den US macht (wie es bei dem Modell mit Hebamme in der Praxis ja meist der Fall ist) und die Hebamme ebenfalls die selbe Vorsorge abrechnet (die sie ja auch tatsächlich erbracht hat), ist das abrechnungstechnisch natürlich nicht in Ordnung und dass gegen solche Gyn vorgegangen wird finde ich absolut gerechtfertigt.
Das Problem läßt sich ja auch ganz simpel umgehen in dem der Gyn nur abrechnet was er tatsächlich an Leistung erbracht hat, nämlich den US und auf die Vorsorgepauschale verzichtet. Das bringt aber natürlich erhebliche finanzielle Einbußen für den Gyn mit sich, weshalb viele nichts von gemischter Vorsorge halten. Ein Gyn der nur abrechnet was er auch tatsächlich an Leistung erbracht hat sollte also nichts zu befürchten haben.
KS 2008
HG 2011

KS nach abgebrochener HG 2013
AG 2016

Benutzeravatar
Gummibär
Beiträge: 3058
Registriert: Di 1. Mai 2012, 10:16

Re: Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

Beitragvon Gummibär » Mo 9. Nov 2015, 14:08

:gut.
03/2011 sek. KS

Wenn Du schon auf der Titanic fährst, dann setzt Du am Besten noch Hein Blöd ans Steuer.

Wunschtante
Beiträge: 283
Registriert: Mo 12. Aug 2013, 12:08

Re: Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

Beitragvon Wunschtante » Mo 9. Nov 2015, 14:12

Gelesen habe ich von den Regressforderungen. Und es ja auch richtig: Doppelt abrechnen geht nicht. Ist doch logisch. Dazu muss man sich als Schwangere bewusst sein, dass Ärzte die Schwangerschaftsvorsorge quartalsweise vergütet bekommen, Hebammen aber Einzelleistungen abrechnen. Das ist schon ganz lange so, nicht neu.

Ich hab mit meiner meiner FÄ und meiner Hebamme genau geklärt, in welchem Quartal ich bei wem die Vorsorge mache, z.B. war's bei mir jetzt 3. Quartal Arzt, 4. Quartal Hebamme. Aber das bedeutet ja nicht, dass ich bei ärztlicher Vorsorge nicht zur Hebamme könnte (die kann immer noch sowas wie "Hilfe bei Beschwerden" abrechnen), und es bedeutet auch nicht, dass ich bei Hebammenvosorge nicht zum Arzt kann (die kann selbstverständlich die Diagnose einer Blasenentzündung o.Ä. abrechnen; die vorgesehenen Ultraschall sind auch separat abrechenbar).

Meiner Meinung nach: unschön, dass Ärzte die Vorsorge quartalsweise abrechnen müssen - aber damit konnten wir in der Vergangenheit auch irgendwie leben. Ansonsten eigentlich kein Problem, wenn man allen Seiten gegenüber transparent handelt und sich der Quartalsregelung bewusst ist.
Wunschtochter 04/2016 HG :stillen:

Lucy
Beiträge: 390
Registriert: Sa 10. Jan 2015, 13:52

Re: Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

Beitragvon Lucy » Mo 9. Nov 2015, 14:17

Und was ist mit den Frauen, die gerne Vorsorge bei Arzt UND Hebi machen möchten, z. B. im Wechsel? Warum sollte ich mich da in Zukunft entscheiden müssen in einem Quartal nur zu einem gehen zu können, nur weil die KK das mal wieder über Pauschalen abrechnet und nicht über einzelne Leistungen? Gerade wo die Krankenkassen jetzt auf das "Involvieren" der Ärzte z. B. ab ET plus 3 "bestehen" ist das doch eher kontraproduktiv...

Edit: Habe Wunschtante vorher nicht gesehen, schicke trotzdem ab...
P. s. Für mich ist das schon neu, bei mir war das nicht so, habe auch teilweise die Vorsorge beim Gyn gemacht...
Zuletzt geändert von Lucy am Mo 9. Nov 2015, 14:20, insgesamt 2-mal geändert.
Gruß Lucy plus 3

Benutzeravatar
gina
Beiträge: 2854
Registriert: Di 1. Mai 2012, 08:35

Re: Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

Beitragvon gina » Mo 9. Nov 2015, 14:18

Kann ein Arzt überhaupt nur den US bei Schwangerschaften abrechnen? soweit ich das kenne, gehts eben nur Quartalsweise egal wieviel oder wie wenig er macht. Und da ja in jedem Quartal ein US sein sollte, bekommt er doch eh die Pauschale egal ob die Frau täglich bei ihm aufschlägt oder eben nur zu dem US. Was dann die Hebamme macht ist doch wieder ein anderer Schuh.

Oder gehts da allein darum, dass er da, meist eine Freiberuflerin, in seiner Praxis sitzen lässt? Seltsam...
Töchterchen Feb/2006
Söhnchen April/2010
kleinSöhnchen Okt/2012
kleinTöchterchen Feb/2017

Benutzeravatar
caitlyn
Beiträge: 5294
Registriert: So 14. Apr 2013, 09:13
Wohnort: Exil-Schwabe an der Ostsee

Re: Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

Beitragvon caitlyn » Mo 9. Nov 2015, 14:42

Bei einem Besuch im quartal kann der gyn die ziffer vorsorge abrechnen, wenn er denn aus dem vorsorge-katalog was gemacht hat. Sprich: blut zum vorhergesehenen zeitpunkt abgenommen, u-stix, blutdruck oder sowas. Der ultraschall wird immer gesondert abgerechnet, der hat ne eigene ziffer - kann aber natürlich zusammen mit ner vorsorge (also als 2 ziffern) abgerechnet werden. Für die vorsorgeziffer einmal im quartal braucht er also einen besuch der schwangeren - macht also sinn wenn sie nur einmal kommt ;) bei 2 oder 3 oder 7 besuchen bekommt er nicht mehr geld, ähnlich wie auch hausärzte (außer er findet was, das zu kontrollieren ist, dann kann er die kontrolle wieder separat abrechnen...).
Die hebamme rechnet einzelne besuche ab - aber natürlich kann gyn xy nicht am 11.11. ne vorsorge abrechnen und hebamme xy ebenfalls - daher gibts wohl probleme wenn gyn und hebamme in einer praxis am selben tag ne vorsorge machen und beide die komplette ziffer abrechnen (halbe ziffern gehn aber nicht, daher müsste einer umsonst arbeiten...).
Fazit:
Es ist KEIN! Problem im wechsel zu gyn oder hebamme zu gehn, es ist KEIN! Problem nur zum schall zum gyn zu gehn (netterweise lässt man dann noch bissl pipi dort, dann kann er auch ne vorsorge abrechnen ;) ), es ist aber ein problem wenn gyn und hebamme abrechnungsbetrug machen und zweimal das selbe abrechnen, wobei nur faktisch eine leistung in zusammenarbeit von zweien erbracht wurde.
rabaukenmädel 04/10 KH
sommerkind 08/13 HG

kleiner brudi 04/16 HG

Benutzeravatar
die eule
Beiträge: 5768
Registriert: Sa 21. Apr 2012, 13:01
Wohnort: Leiptzsch

Re: Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

Beitragvon die eule » Mo 9. Nov 2015, 15:35

:gut.
*7/2010* Little Ms. Sunshine, HG
*6/2014* Zuckerrübchen, AG
*11/2017* Herbströschen, HG

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.
- George Bernard Shaw -

Lucy
Beiträge: 390
Registriert: Sa 10. Jan 2015, 13:52

Re: Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

Beitragvon Lucy » Mo 9. Nov 2015, 16:01

Danke habs kapiert
Gruß Lucy plus 3

annikatze
Beiträge: 55
Registriert: Mi 26. Mär 2014, 15:14
Wohnort: Trier

Re: Klagen gegen Ärzte bei Zusammenarbeit mit Hebammen

Beitragvon annikatze » Mo 9. Nov 2015, 17:14

Danke für die Erklärungen. So richtig verstehe ich jetzt die Angst von meinem Arzt nicht und scheinbar scheint es da ja bei vielen Ärzten Unklarheiten zu geben (wenn es dann so läuft wie bei Wunschtante ists ja auch mies, zumindest wäre es das für mich). Von meinem Arzt weiß ich nur, das es scheinbar ein Rundschreiben gab, in dem über die "Gefahr" aufgeklärt wurde...


Zurück zu „Bekanntmachungen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron