qwerts Wunder Nr. 2

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qwert
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qwerts Wunder Nr. 2

Beitragvon qwert » Di 14. Jul 2015, 19:48

Die Geburt wurde bereits als Krankenhausgeburt geplant und so ist es auch geschehen.

An einem Sonntagabend (38+3) haben meine Eltern das Wunder Nr. 1 für ein kleines Kirchenkonzert mitgenommen. Kaum waren sie weg, ist mir auch schon die Fruchtblase geplatzt. Aus Erfahrung wusste ich, dass wir schnell los sollten, da das KH 30 Minuten entfernt liegt.
Im Auto setzten dann schon regelmäßige Wehen ein.

Im KH angekommen, habe ich deutlich gesagt, dass das Kind bald geboren sein wird. Dennoch musste erst bestätigt werden, dass es sich tatsächlich um Fruchtwasser handelt. Dann wurden wir in eine Abstellkammer gebracht und mir ein CTG angelegt. Ich habe mich hingestellt und die starken Wehen, einer nach der anderen ausgehalten. In dieser viertel Stunde schickte ich meinen Mann mehrmals los, die Hebamme zu holen. Ich wollte das CTG loshaben, auf´s Klo gehen und das Kind gebären. Er wurde jedes Mal abgewehrt. Ich war mitten in der Übergangsphase (der Satz der mir im Gedächtnis blieb ist: "Einmal mach ich das jetzt noch, aber dann nie wieder"). Schließlich wollte ich nicht mehr verkneifen und sagte: "Ich werde mir jetzt in die Hose kacken, sag der Hebamme, sie soll es sofort sauber machen". Gesagt, getan.

Nun kam die Hebamme mit und hat mich versorgt. Gleichzeitig kamen aber auch noch andere Leute mit Nabelklemmen usw. und es herrschte Hektik. Das hat mich ziemlich geärgert und genervt.
Ich wollte einfach stehen bleiben und "kurz" mein Kind gebären. Stattdessen wurde diskutiert mich doch in den Kreißssal zu bringen. Gegen meinen (schwach ausgedrückten, weil ja schwer beschäftigt) Willen wurde ich auf eine Trage gelegt, mit einem Laken abgedeckt und in den Kreißsaal gebracht. Mitten im Gang, unter all den Leuten, ist der Kopf geboren, das restliche Kind mit der nächsten Wehe im Kreißsaal.

Das Kind wurde sofort abgenabelt und brauchte (daher?) etwas Sauerstoffunterstüzung.
Währenddessen wurden mir die Beine auseinandergedrückt (auf Grund einer Erkrankung verkrampfen sich die Beine unter Belastung und es hätte ein klein wenig gedauert, bis man ohne Gewalt hingekommen wäre), auf den Bauch gedrückt und die Plazenta geholt. Ich habe darum gebeten mich ein paar Minuten verschnaufen zu lassen, aber so viel Zeit war wohl im Protokoll nicht vorgesehen.

Dann habe ich den angezogenen Bub in den Arm bekommen und war überglücklich dieses wunderbare Menschlein halten zu dürfen.

Mein Körper und das Kind haben die Geburt perfekt gemeistert und unverletzt überstanden. Ich kann weitgehend dieses Drumherum ausblenden und mich daran freuen. Nach allem was ich inzwischen weiß staune ich noch mehr darüber. Wieviele Momente hätte es doch gegeben den Geburtsverlauf zu stören, auch wenn nicht durch Untersuchungen, Medikamente usw. eingegriffen wurde. Grund genug sich das nicht mehr an zu tun.
7/2009 KH, 2/2011 KH, 7/2014 HG

Miri22
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Re: qwerts Wunder Nr. 2

Beitragvon Miri22 » Di 14. Jul 2015, 20:14

:banned: erschreckend was du durchgemacht hast. Mit der Trage in den kreissaal getragen, während du Presswehen hattest? Wahnsinn! :hilfe:

Du hattest letztes Jahr eine hausgeburt, stelltst du den Bericht auch noch ein? Würde den sehr gern lesen :tee:
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qwert
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Re: qwerts Wunder Nr. 2

Beitragvon qwert » Di 14. Jul 2015, 20:35


Du hattest letztes Jahr eine hausgeburt, stelltst du den Bericht auch noch ein? Würde den sehr gern lesen :tee:
Den Hausgeburtsbericht findest Du hier:
http://www.hausgeburtsforum.de/viewtopi ... =37&t=8712

Ich habe wohl Vorbereitung gebraucht, bis mein Vertrauen, die Einsicht in die Notwendigkeit und Normalität einer Hausgeburt groß genug waren. Dabei fühle ich mich von keiner Geburt traumatisiert und denk gerne an jede. Aber die Hausgeburt war dennoch besonders wunderbar, emotional noch einmal ganz anders.
7/2009 KH, 2/2011 KH, 7/2014 HG

Miri22
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Re: qwerts Wunder Nr. 2

Beitragvon Miri22 » Mi 15. Jul 2015, 00:18

:knicks: kann ich nachvollziehen, dauert eine Weile und erfordert Geduld und Standhaftigkeit Dinge anders zu sehen und trotzdem die Gewissheit zu haben , dass es das richtige ist..hoffe ich hab dich richtig verstanden :gnacht:
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Re: qwerts Wunder Nr. 2

Beitragvon Sommer » Mi 15. Jul 2015, 07:59

Wow, danke für den Bericht :daumen:

Was du schreibst schildert quasi zu 100% meine Ängste und Bedenken bzgl. einer Geburt im KH. Umso bewundernswerter finde ich, wie gelassen du die Situation rückblickend betrachtest und darüber stehst. Bei uns wird es aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine Klinikgeburt hinauslaufen (aus diversen Gründen rationaler Natur) und ich habe Schiss davor, dass ich das ganze Heckmeck dort weitaus weniger gelassen über mich ergehen lassen kann und schlussendlich hinterher seelisch noch zu kämpfen haben werde mit der Geburt - sollte sie nicht so komplikationslos und entspannt ablaufen, wie ich mir das wünsche. Hast du da einen Tipp? Weshalb wars bei dir eine KH-Geburt nach HG? Kann man sich irgendwie "vorbereiten" auf die Klinik-Geburt?

Merci :schwanger:
11/2015 GH

Sommer
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Re: qwerts Wunder Nr. 2

Beitragvon Sommer » Mi 15. Jul 2015, 12:08

Oh sorry, ich kapier eben erst, dass du hier die Geburt deines 2. Kindes beschreibst und erst danach eine HG hattest :klatsch:
11/2015 GH

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Re: qwerts Wunder Nr. 2

Beitragvon qwert » Mi 15. Jul 2015, 13:34

Ja, die Hausgeburt war erst danach. Daher habe ich leider keinen Geheimtipp. Meine Vorbereitung war nur, meinem Mann einzutrichtern meinen Willen zu vertreten, wenn ich es nicht mehr kann und möglichst jede, vor allem unabgesprochene und unnötige Intervention abzuwehren. Hat offenbar nicht funktioniert. Auch die Geburtsplanung war umsonst, da meine Akte erst gefunden wurde, als ich schon auf Station war.

Vielleicht hat mir nur meine Überzeugung geholfen, die ich in schwerer Krankheit für mich erkannt habe. Es bin immer ich, die die letzte Entscheidung trifft, nämlich wie ich die äußeren Umstände bewerte. Das bewahrt mir eine Freiheit und ich weiß, dass mein Glück nicht von Äußerem abhängt.

Ich wünsche Dir sehr, dass Du eine entspannte Krankenhausgeburt erleben darfst und Dir Selbstvertrauen auf die eigene Gebärfähigkeit bewahrst! So kann im Vorfeld sicher schon einiges an Störung abgewehrt oder ausgehalten werden. Vielleicht klappt es ja doch noch zu Hause, scheint ja noch nicht ganz fest zu stehen...?!
7/2009 KH, 2/2011 KH, 7/2014 HG

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Re: qwerts Wunder Nr. 2

Beitragvon Sommer » Mi 15. Jul 2015, 20:05

Ja, die Hausgeburt war erst danach. Daher habe ich leider keinen Geheimtipp. Meine Vorbereitung war nur, meinem Mann einzutrichtern meinen Willen zu vertreten, wenn ich es nicht mehr kann und möglichst jede, vor allem unabgesprochene und unnötige Intervention abzuwehren. Hat offenbar nicht funktioniert. Auch die Geburtsplanung war umsonst, da meine Akte erst gefunden wurde, als ich schon auf Station war.

Vielleicht hat mir nur meine Überzeugung geholfen, die ich in schwerer Krankheit für mich erkannt habe. Es bin immer ich, die die letzte Entscheidung trifft, nämlich wie ich die äußeren Umstände bewerte. Das bewahrt mir eine Freiheit und ich weiß, dass mein Glück nicht von Äußerem abhängt.

Ich wünsche Dir sehr, dass Du eine entspannte Krankenhausgeburt erleben darfst und Dir Selbstvertrauen auf die eigene Gebärfähigkeit bewahrst! So kann im Vorfeld sicher schon einiges an Störung abgewehrt oder ausgehalten werden. Vielleicht klappt es ja doch noch zu Hause, scheint ja noch nicht ganz fest zu stehen...?!
Danke dir :hug:

Doch, die Entscheidung zur Klinik-Geburt steht fest, auch wenn ich nicht wirklich glücklich bin damit. Meine Suche nach einer HG-Hebamme war erfolglos und ich dadurch irgendwann so frustriert, dass ich quasi eingeknickt bin. Allerdings muss man sagen, dass ich vor einer HG so als Erstgebärende und Geburts-Laiin doch einen Heidenrespekt habe.. Zudem hat mir mein Umfeld auch mehr als deutlich signalisiert, was sie von der Idee einer Hausgeburt halten :flucht: Klar, letztendlich bin ich ja die, die entscheidet. Aber ich bin halt auch Erstgebärende, hab im Grunde keine Ahnung von Geburt und ein klein wenig ist bei mir doch das Sicherheitsbedürfnis vorhanden, dass im Falle eines Falles das KH wohl der beste Ort ist... Bei uns kommt hinzu, dass der werdende Papa im KH der Wahl selbst als Arzt arbeitet. Er schwört Stein und Bein, dass seine Kollegen aus der Gyn mich niemals anfassen werden, gegen meinen Willen. Er selbst kann meine Zweifel bzgl. KH-Geburt nachvollziehen, hätte selbst aber gern die Sicherheit im Hintergrund. Zudem ist er der Meinung, dass viele meiner Bedenken unbegründet sind und man auch im KH eine schöne Geburt erleben kann. Schlussendlich schreibst du den ganz entscheidenden Satz: Auf die Bewertung der Umstände kommt es drauf an. Genau das ist momentan noch mein Problem, ich stehe dem Ganzen recht skeptisch gegenüber. Momentan hoffe ich einfach, dass ich es schaffen werde, vorurteilsfrei an die Sache ranzugehen..
11/2015 GH

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Re: qwerts Wunder Nr. 2

Beitragvon Jeanie » So 19. Jul 2015, 14:45

Wie gut, dass Dein Körper trotz der ganzen Störungen so gut "gemacht" hat ... (erinnert mich an meine 1. Geburt).
Trotzdem eine Schande, wie schnell auch komplikationslose Gebärende in eine Schemabehanldung rutschen (oh mein Gott - das Kind kommt und wir sind nicht im Keissaal .... :furz: ... und was, wenn durch diese Intervention Dir vor Schreck die Wehen wegbleiben nach der Geburt des Kopfes ... man man man)

@Sommer: ich freue mich für jede Schwangere, die sich schon beim 1. Kind eine HG zutraut. Ich wollte, ich hätte mich bei meinem ersten Kind dafür entschieden. Wenigstens schlau gemacht. Nur darauf zu vertrauen, dass sich schon alle so kümmern, wie ich es will - äh ... naja.
Es ist halt wirklich die Frage (sehr rethorisch gesprochen), wo das Risiko jetzt wirklich höher ist. Für mich inzwischen ganz klar im KH. Wie gut, dass der OP für die Behebung solcher selbstgemachter Risiken nicht weit ist *hüstel*)
Trotzdem alles Gute noch für Dich. Hast ja noch 4 Monate :buch:
  1. Feuerwehrhauptmann 2011 im KH

  • Tanzmaus 2014 daheim als HG


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