Schnelle Geburt - mit Zeit für Interventionen

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Jeanie
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Schnelle Geburt - mit Zeit für Interventionen

Beitragvon Jeanie » So 23. Mär 2014, 18:25

Hallo Zusammen,

In zwei Tagen lerne ich meine HG-Hebamme kennen und habe dafür den Geburtsbericht meiner ersten KH-Geburt "hervorgekramt" und möchte Ihn mit Euch teilen.
Ich habe damals einige Tage nach der Geburt aufgeschrieben, wie alles in meiner Erinnerung ablief. Etwa ein halbes Jahr später habe ich versucht, die Geburt aufzuarbeiten, mit Hilfe des KH-Berichts und meiner Nachsorgehebamme.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich angefangen, mich mehr mit dem Thema zu beschäftigen und mir waren inzwischen auch so manche "Fehler" klar geworden.
Dann habe ich den Bericht noch etwas angepasst und z.B. Zeiten und Reihenfolge der Abläufe. Ich muss sagen, dass ich mit meiner damaligen Einstellung eigentlich noch "Glück" hatte, dass es so glimpflich abgelaufen ist.

1. Meine Gedanken und Vorbereitungen zur Geburt:

Ich war recht gelassen und offen für diverse Szenarien (mit oder ohne Schmerzmittel, Wanne oder Land, Gebärhocker oder Bett). Mit einer Geburt außerhalb der Klinik konnte ich jedoch nichts anfangen – irgendwie war mir das zu „esoterisch“ und ich war mir sicher, dass ich irgendwann sehr starke Schmerzen spüren würde (schließlich habe ich nur solche Berichte von Freundinnen gehört). Und dann wollte ich bitteschön ein Schmerzmittel, und nicht nur irgendwelche Globuli.
Ich wähnte mich auch gut vorbereitet – Hebamme ab dem 2. Monat (wegen Hyperemesis), Lektüre der „Hebammensprechstunde“ und eines Stillbuches, ein Geburtsvorbereitungskurs bei meiner Hebamme und ein Infoabend mit Kreissaalbesichtigung in unserem Krankenhaus.
Das Krankenhaus wirbt mit einer niedrigen Dammschnittrate und der Oberarzt begrüßt einen zum Aufnahmegespräch mit den Worten „das wird aber schon eine Spontangeburt, oder?“
Klang alles recht gut.
Das eine PDA im ungünstigsten Falle Kopfschmerzen auslösen kann oder- wenn es dumm läuft – man in der Pressphase kein Gefühl hat, hatte ich gehört. Nur wurde es als sehr selten dargestellt (auch im GVK) und ich hielt es mir als Option offen. Was ich nicht wusste war, dass die Wehen auch nachlassen können, die Wahrscheinlichkeit für operative Entbindungen steigen usw. Ich muss sagen, bei dieser Erkenntis fühlte ich mich von meiner GVK-Hebamme etwas "verarscht".
Dammassage führte ich ab der 32. Woche durch.
Meine Frauenärztin stresste mich die letzten Wochen vor der Geburt damit, dass mein Kind ja so groß sei und überhaupt schon so tief säße, ob ich denn noch nichts merke und dass er ja bestimmt viel früher käme. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass er eben nicht früher kommt und auch der ET war für mich nicht „der“ Tag, an dem es passieren musste. Gut war, dass meine FA die letzten zwei Wochen im Urlaub war und ich nur noch zu meiner Hebamme ging – das nimmt den „Gebärdruck“ deutlich raus.

2. Es geht los – vom Blasensprung bis Klinik

Freitag, 1. September 2011, ET +1 gegen 17 Uhr;
Nach einem Nachmittagsschläfchen gehe ich zwei Stockwerke tiefer in unseren Betrieb, um Büroarbeiten zu erledigen.
Ich unterhalte mich gerade mit einem Mitarbeiter, als meine Fruchtblase platzt. Und ich meine „platzen“. Mir rinnt das Fruchtwasser sofort schwallartig die Beine herunter und färbt meine hellgraue Hose hübsch dunkel.
Mein Gegenüber merkt es gar nicht und palavert weiter – ich unterbreche mit „Tschuldigung, aber ich bräuchte jetzt ‚ne Jacke“ (Es war ein außerordentlich warmer Spätsommertag!)
Auf die Fragezeichen im Gesicht des Mitarbeiters weise ich auf die geplatzte Fruchtblase hin (ich stehe in einer Lache) und erkläre, dass ich so nicht durch das ganze Geschäft laufen möchte.
Ich muss grinsen – derjenige wird extrem hektisch und findet nach einigem Suchen eine Jacke, die ich mir herum binden kann. Er bringt mich durch den Personalbereich bis vor unsere Haustür und verschwindet wieder (etwas fertig mit den Nerven).
Als ich in meiner Tasche nach dem Schlüssel krame wird mir klar: selbiger liegt im Büro hinter der nun verschlossenen Tür zum Personaltrakt.
Mein Mann hört mein Sturmklingeln nicht – wie auch – die Glocke ist wegen unseres Umbaus momentan abgestellt.
Hektisches Klingeln am Personaltrakt – da gerade keine Schichtwechsel ist, hört mich auch dort niemand. Super – so muss das sein!
Ich könnte jetzt entweder eine lange Treppe nach unten watscheln, mich triefenderweise durch einen vollen Biergarten bewegen und jemanden suchen, der mich ins Büro lässt.
Oder noch ein paar Minuten versuchen, jemanden auf mich aufmerksam zu machen.
Ich entschließe mich für Letzteres. Nach langen Minuten hört mich Jemand, der gerade auf der Toilette war.
Der Wohnungsschlüssel ist schnell besorgt und ich kann meinem verdutzten Mann endlich eröffnen, dass es nun wohl losgeht. Zuerst dusche ich mich und ziehe mich um (mehrmals, bis ich beschließe, einen Rock zu tragen – das Fruchtwasser rinnt nämlich immer noch munter weiter. Himmel – wieviel Liter waren das eigentlich?)
Ich weiß zwar eigentlich, dass ich mich nicht hinlegen muss, rufe aber zur Sicherheit noch mal meine Hebamme an. Sie beruhigt mich, rät mir aber dazu, in den nächsten 3h ins Krankenhaus zu fahren.
Mein Mann schmiert uns noch einen großen Stapel Salamibrote, was sich später als sehr gute Idee erweist!
17:45 Uhr – ich lehne in der Küche auf der Arbeitsfläche und veratme meine erste nennenswerte Wehe.
Gegen 18 Uhr fahren wir ins Krankenhaus – die Wehen kommen jetzt schon alle 2-3 Minuten und ich stehe halb im Autositz. Mir geht es aber so gut, dass wir auf dem normalen Parkplatz parken und eine etwas längere Strecke zum Krankenhaus laufen. Das Wetter ist wunderbar – warm und sonnig. Ich nehme an, dass ich nach der Aufnahme erstmal wieder zum spazieren geschickt werde und freue mich, dass ich das dann bei diesem Sonnenschein im Klinikpark tun kann.

geht gleich weiter ...
  1. Feuerwehrhauptmann 2011 im KH

  • Tanzmaus 2014 daheim als HG

Jeanie
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Re: Schnelle Geburt - mit Zeit für Interventionen

Beitragvon Jeanie » So 23. Mär 2014, 18:30

3. 18:25 Uhr Aufnahme im Kreissaal

Ich komme gleich ans CTG, das richtige Aufnahmegespräch haben wir schon vor ein paar Wochen „erledigt“. Ein Fehler war es aber wohl, der Hebamme nicht nochmal persönlich alle mir wichtigen Dinge zu sagen.
Die Wehen kommen nach wie vor alle 2-3 min und seitlich auf der Pritsche liegend finde ich es jetzt sehr unangenehm. Allerdings nicht unbedingt die Wehen an sich, sondern eher meine Lagerung.
18:40 Endlich kommt die Hebamme wieder – ich habe meinem Mann kurz zuvor gesagt, dass ich das so nicht mehr lange aushalte.
Sie wirft einen kurzen Blick aufs CTG und untersucht mich dann. Als sie mir hilft, den Slip mit dicker Einlage (eigentlich eine fürs Wochenbett) auszuziehen, hält sie kurz inne. Ihr fällt viel hellrotes Blut auf meiner Slipeinlage auf. Ich würde sagen, durchaus so viel wie bei einer Menstruationsblutung. Sie bemerkt, dass ich ja schon sehr stark gezeichnet hätte – und fragt, ob ich denn gar nichts bemerkt habe? Habe ich nicht.
Meinem Mann hatte ich eingetrichtert, dass er für mich – wenn ich es will – eine PDA durchzusetzen hat.
Er übernimmt also brav seinen „Job“ und sagt der Hebamme, dass ich dann eine PDA möchte.
Ich füge in einer Wehenpause hinzu: “ jetzt gleich nicht, aber später dann vielleicht“.
Die diensthabende Klinikhebamme ist ein sehr taffer Typ – Ende 50, schmal, Pagenfrisur und kantige Brille.
Über diese Brille schaut sie uns kurz etwas streng an und meint dann nur: die PDA brauchen wir jetzt nicht mehr – der Muttermund ist bis auf einen Saum verstrichen.
Ich bin baff, hatte ich mich doch auf lange Stunden schmerzhafter Eröffnungswehen eingestellt.

Auf geht es in den Kreissaal. Da nichts los ist, bekomme ich den größten und muss etwa 20m weit gehen. Dabei bleibe ich alleine 2x stehen, um meine Wehen zu veratmen.
18:50 Im Kreissaal leitet mich die Hebamme (nach Anlegen des CTGs …) zum Knien auf dem Bett an. Mein Oberkörper ist auf das hochgestellte Kopfteil gelegt. Es ist schon ok, aber nach einiger Zeit zittern mir die Oberschenkel. Keine Ahnung, warum mich das so anstrengt. Ich sage ihr, dass ich einfach keine Kraft dafür habe. Wir probieren die Seitenlage. Das aber geht wirklich gar nicht! Also auf den Rücken, was ich sofort als unheimlich wohltuend erfahre. Seltsam, nachdem die Seitenlage (links) für mich so unerträglich war.
19:17-19:27 Die Hebamme schickt mich auf die Toilette, weil meine Blase sehr voll ist. Ich möchte auch wirklich pinkeln, aber das geht genauso wenig, wie die letzten Tage zuvor.
Ich habe einen starken Druck nach unten und versuche, ob vielleicht „etwas“ kommt – kann nicht einschätzen, was denn jetzt genau drückt (Kind oder Darm …).
Es tut sich aber leider gar nichts. Also wieder zurück in den Kreissaal. Die Hebamme schlägt mir vor, einen Katheter zu legen und ich stimme zu. Es ist zu meinem Erstaunen nur sehr kurz unangenehm, aber dann sehr befreiend, als es „plätschert“. Es lohnt sich und ich fühl gleich viel mehr Platz.

Um 19:40 sage ich der Hebamme: „ich weiß gar nicht – ich habe schon so einen Pressdrang …“ Sie nur trocken: „na dann pressen Sie doch“. Aha. Heute würde ich sagen, dass es einfach nur ein sehr starker Druck nach unten war.
Etwa um diese Zeit, evtl. etwas später, habe ich laut Geburtsbericht auch Globuli mit Coffea bekommen. Ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern

Die Hebamme lässt mich auf dem Rücken liegen, ein Bein in ihre Hüfte gestemmt, das Andere auf den Oberschenkel meines Mannes. Bei jeder Wehe drücke ich kräftig dagegen. Es fühlt sich gut für mich an, so dass ich keine andere Position verlange.
Etwa alle 1-3 Wehen fährt die Hebamme mit dem Finger zwischen Köpfchen und Muttermund – vermutlich um den letzten Saum zurückzuschieben? Interessanterweise empfinde ich das als sehr angenehm. Ich fühle eine etwas stärker Dehnung, aber keinen stärkeren Schmerz. Danach lässt der Dehnungsschmerz einige Zeit nach. Am liebsten würde ich sie bitten, das ständig zu machen. Aber ich habe schon lange keine Luft mehr, um mich zwischen den Wehen kund zu tun.
Ich presse also und schreie bei jeder Wehe, weil es mir hilft mit dem Druck und der Kraft die in mir plötzlich herrscht, zurecht zu kommen.
Bin sehr überrascht – ganz entgegen meinen Befürchtungen komme ich gut mit den Wehen zurecht. Ich weiß noch, dass ich durchaus Schmerzen empfand, aber nur davor Angst hatte, dass es noch viel schlimmer wird. Denn dass es schlimmer wird und auch noch dauern wird – davon war ich überzeugt. Erzählt einem doch jeder, dass eine Erstgebärende irgendwas zwischen 8 und 16h braucht und irgendwann an den Punkt kommt, wo sie nicht mehr kann/will.
Bis hierher habe ich mir mit allem recht wohl gefühlt.

Das ändert sich jetzt aber, da mich die Hebamme zum Powerpressen anleitet. Zum Einen will ich nicht aus der Gebärarbeit „herausgebracht“ werden. Es nervt mich extrem, meine Aufmerksamkeit weg vom eigentlichen Geschehen lenken zu müssen und bewusst in einer bestimmten Art und Weise zu Pressen.
Wenn mir der Druck zu groß erscheint bin ich „ungehorsam“ und schreie trotzdem. Sie möchte aber, dass ich meine Kraft nur nach unten schicke. Ich bin irritiert, da man mir im Vorbereitungskurs sagte, es wäre gut zu schreien und den Mund weit aufzumachen. Die Luft für Diskussionen habe ich aber nicht. Ich will nur meine Ruhe und so „machen“, wie ich es für richtig halte, kann mich aber nicht durchsetzen.

20:10 Die Hebamme notiert später im Geburtsbericht, dass es während der Wehen zu kurzen 1er Dips kommt, kurze Wehen alle 2-3, der Kopf steigt langsam.
20:20 Sie möchte nun einen Wehentropf anhängen. Wieder das Großhirn anschalten – überlegen warum, Luft sammeln, antworten müssen. Ich weiß nichts von den 1er Dips und denke mir nur „jetzt will die noch einen Wehentropf draufknallen? Wie schnell soll’s denn noch gehen?“ Ich sage, dass – wenn es möglich ist – ich diesen nicht möchte.

20:45 Ich bekomme laut Geburtsbericht eine Lokalinfusion mit 6ml ?Iglonest? (Was ist das? Und wofür?).
Die Hebamme möchte jetzt einen Dammschnitt machen. Ich kann zum Einen jetzt nicht diskutieren, habe aber auch das Gefühl, dass ich nach dem abgelehnten Wehentropf nicht „nein“ sagen kann. Warum es so dringend ist, verstehe ich nicht. Ich würde gerne fragen, aber ich will und kann auch nicht großartig reden. Ich willige zähneknirschend ein. Dafür ist eine Assistenzärztin gekommen.
Was nun kommt, ist für mich das Schlimmste an der ganzen Geburt: Sie schneiden. Mindestens 5 Mal. Beim ersten Schnitt denke ich noch „Oh Gott – was machen die?“ Aber ich glaube ja auch, dass es das jetzt war. Beim zweiten Schnitt schaffe ich in meine Schmerzschreie ein Aua zu pressen und drücke die Hand meines Mannes wie wild. Beim dritten Schnitt ruft er den beiden zu „sie merkt den Schnitt“! Sie schauen irritiert hoch und meinen, sie haben es gleich. Danach kommen noch mind. 2 Schnitte. Ich fühle mich, als wäre mir Gewalt angetan worden. Wurde ja auch.

20:48 Mit der nächsten Wehe und einem Urschrei schiebe ich den Kopf meines Sohnes nach draußen. Mit der nächsten Wehe den restliche Körper.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich den Kleinen auch aus psychologischen Gründen jetzt auf die Welt schiebe. Es spannt ja immer noch, aber ich „weiß“ ja nun, dass mehr Platz ist und er jetzt „kommen“ sollte.
In der Sekunde, in der er voll geboren ist, fängt er zu schreien an. Die Hebamme hebt ihn sofort an den Füßen nach oben, um die (lange) Nabelschnur zu entwirren. Sie ist 2x um seinen Hals und 1x um seinen Körper gewickelt, aber es ist alles in Ordnung – Agpar ist 9/10/10 und der pH 7,26. Er ist 51cm groß, wiegt 3390gr mit einem KU von 36cm. Von wegen er wäre sooo groß.
Ich fühle mich wie in Trance. Das dunkelhaarige Etwas (wir sind beide blond) ist mein Kind? Das war‘s jetzt? So schnell geht das? So schnell geht leider auch das Abnabeln, obwohl ich vorher festgelegt hatte, dass ich die Nabelschnur auspulsieren lassen möchte.
Ich bin zu platt zum Abnabeln und mein Mann möchte es nicht tun.
Sie legt ihn mir dann gleich auf die Brust – ich schätze mal keine 2-3 Min nach der Geburt.

Ich schaue ihn mir an und bin überrascht, wie schön sich das anfühlt. Keine sofortige, überwältigende, alles überstrahlende Mutterliebe. Aber ein angenehmes, warmes Gefühl, so Haut an Haut. Besser, als ich es erwartet habe.
Da mir 6ml Oxytocin gegeben werden, folgt rasch die Geburt der Plazenta. Beim Aufnahmegespräch hatte ich damals dem OA gesagt, dass ich keine Infusion möchte. Er ließ sich aber auf keine Diskussion ein und meinte nur, dass sie das immer und ohne jede Ausnahme machen. Dafür war die Sache für ihn erledigt und ich hatte das Gefühl, dass ich bei Weigerung in eine andere Klinik gehen muss (die weiter entfernt ist).
Die Plazenta finde ich sehr interessant (habe eine medizinische Ausbildung) und lasse sie mir von der Hebamme erklären. Leider spiegelt die Oberfläche im Schein der Lampe so stark, dass ich nur wenig erkennen kann, trotz mehrmaligem Nachfragen. Es sind leichte Verkalkungen zu sehen. Mein Mann zieht es vor, wegzusehen (der Ärmste, mein Forschergeist geht manchmal recht weit ;-)

Kurz nach 21 Uhr werde ich genäht. Auch das ist kein Zuckerschlecken. Ich merke jeden Stich und mache mich auch laut dabei bemerkbar. Die Ärztin meint, sie habe mir schon das Doppelte des Üblichen gespritzt und mehr ginge nicht. Vielleicht hätte sie es mal mit abwarten probieren sollen.

Wir bleiben zu dritt bei abgedunkeltem Licht noch 3h im Kreissaal. Die Hebamme der nächsten Schicht schaut ab und zu nach uns und hängt mir nochmal Ocytocin an, damit meine etwas stärkere Blutung stoppt. Sie muss mir mehrmals Blutkoagel „ausdrücken“, was zwar unangenehm, aber aushaltbar ist. Im (leider verlegten) Geburtsbericht stand etwas von entweder 400 oder 600ml Blut (die andere Zahl war die Urinmenge). Finde ich jetzt nicht so viel in Anbetracht des Dammschnittes.
Mein Mann und ich verspeisen hungrig die Salamibrote und Junior trinkt an der Brust.
Gegen 1 Uhr werden wir auf die Wochenstation verlegt.
Es folgt eine unruhige Nacht und ich bin froh, am nächsten Tag heimgehen zu können (wollte ohnehin ambulant entbinden).
Der Schnitt quält mich körperlich und auch seelisch noch eine Weile. Ansonsten geht es mir gut und nach 5 Tagen kann ich mich auch wieder in halbwegs normalem Tempo bewegen, ohne unentwegt meinen leeren Bauch halten zu müssen.

4. Was meine Nachsorge-Hebamme dazu sagte:

Es gibt Frauen, die schnell eröffnen, dann aber eine längere Austreibungsphase haben oder sogar noch eine Wehenpause erfahren.
Vielleicht war die diensthabende Hebamme durch den schnellen Start verleitet zu denken, dass der Rest nun auch schnell gehen müsse. Oder die Klinikvorgaben (Austreibungsphase darf nur so-und-so-lange dauern) griffen.
Möglicherweise waren die 1er Dips an der Grenze zu 2er Dips oder verschlechterten sich im Laufe der Zeit, so dass sie das Kind auf der Welt haben wollte. Möglicherweise wollte sie deshalb ein gut lesbares CTG und schlug mir keine Stellungswechsel vor.
Und deshalb leitete sich mich vielleicht auch zum Powerpressen an, weil sie den Eindruck hatte, dass das Schieben nach Gefühl nicht ausreicht.
Der vorgeschlagene Wehentropf hätte vielleicht die Schmerzen nicht erhöht aber das letzte Quentchen Kraft gegeben, um den Kopf herauszupressen. Evlt. Wäre es sinnvoller gewesen, diesen noch mal vorzuschlagen, statt die mediolaterale Epi zu machen.
Aber: ich hatte trotz Dammschnitt einen kleinen Scheidenriss. Das würde zeigen, dass wirklich wenig Platz da war (ich versuche mich mit diesem Argument mit der Epi zu versöhnen, bisher ohne Erfolg).
Die Schnitte waren schmerzhaft, weil nicht auf dem Höhepunkt der Wehe geschnitten wurde (Pfusch!) und/oder die Schere/Skalpell stumpf war (doppelter Pfusch).
Die Schmerzen beim Nähen hätten auch nicht sein dürfen – ich bin wohl jemand, der einfach längere Zeit benötigt, bis das Schmerzmittel voll wirkt. Ich verstehe nicht, warum mich die Hebamme hier nicht beschützt hat.

Das ist also der Geburtsbericht meines ersten Kindes.
Es war eine positive Erfahrung weil ich gelernt habe, dass mein Körper das ganz gut hinbekommt und gar nicht so sehr auf andere angewiesen bin, wie ich dachte. Alles was „von mir“ kam, empfand ich als gut. Was am Ende von Außen kam (ständiges dreinreden, Powerpressen, Dammschnitt) hat mich gestört, verunsichert, rausgebracht, Schmerzen bereitet.
Und irgendwie schwebt man wirklich in anderen Sphären, mein Zeitempfinden war total weg. Das hat mir viel Zutrauen in meinen Körper gegeben. Sollte es ein nächstes Mal geben, dann entweder daheim oder im Geburtshaus mit einer vertrauten Hebamme.
Vorher vielleicht einen Hypnobirth-Kurs, um mich gut auf die Geburt konzentrieren zu können. Ohne Vorgaben, wie schnell ich mein Kind „herausschießen“ muss.

Dass es ein nächstes Mal geben darf, war mir schon gleich nach der Geburt klar. Ich habe scheinbar das Glück, relativ leicht gebären zu können. Für die wirklich üble Schwangerschaft hat mir die Natur vielleicht zugestanden, nicht erst stundenlang schmerzhaft eröffnen zu müssen
Der Kleine ist ein extrem freundliches und ausgeglichenes Kind – darauf sprechen uns viele an. Womit wir den kleinen Zwerg verdient haben, wissen wir nicht. Aber es ist schön, dass er jetzt bei uns ist.
  1. Feuerwehrhauptmann 2011 im KH

  • Tanzmaus 2014 daheim als HG

Biiibi
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Re: Schnelle Geburt - mit Zeit für Interventionen

Beitragvon Biiibi » So 23. Mär 2014, 19:38

Sehr gut geschrieben, ich wünsche Dir, dass Deine nächste Geburt ganz nach Deinen Wünschen verläuft! :)
Das 5 malige Schneiden liest sich schlimm :hilfe:

Interessant finde ich die Aussage der Hebamme wegen der schnellen Eröffnungs- und langen Austreibungsphase.
Bei mir wars umgekehrt, ich hatte wirklich eine ganz kurze Austreibungsphase, schätzungsweise 15 min. ohne grosse Anstrengung aber brauchte ewig zum Eröffnen....
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Jeanie
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Re: Schnelle Geburt - mit Zeit für Interventionen

Beitragvon Jeanie » Mo 24. Mär 2014, 18:36

Danke :)
Ich hatte ja auch eher mit langer Eröffnungsphase und eher kürzerer Austreibungsphase gerechnet. Wobei die mir auch wieder gar nicht so lange vorkam - mein Zeitempfinden war sehr eingeschränkt (für mich ging es eigentlich eher zu schnell).
  1. Feuerwehrhauptmann 2011 im KH

  • Tanzmaus 2014 daheim als HG

maia

Re: Schnelle Geburt - mit Zeit für Interventionen

Beitragvon maia » Mo 24. Mär 2014, 21:31

Was nun kommt, ist für mich das Schlimmste an der ganzen Geburt: Sie schneiden. Mindestens 5 Mal. Beim ersten Schnitt denke ich noch „Oh Gott – was machen die?“ Aber ich glaube ja auch, dass es das jetzt war. Beim zweiten Schnitt schaffe ich in meine Schmerzschreie ein Aua zu pressen und drücke die Hand meines Mannes wie wild. Beim dritten Schnitt ruft er den beiden zu „sie merkt den Schnitt“! Sie schauen irritiert hoch und meinen, sie haben es gleich. Danach kommen noch mind. 2 Schnitte. Ich fühle mich, als wäre mir Gewalt angetan worden. Wurde ja auch.
Was ist das denn? Die haben immer wieder weiter nachgeschnitten? :saege: Die spinnen
Dafür ist eine Assistenzärztin gekommen.
Die war noch am Üben an Dir!! Und mußte noch nähen lernen??
Alles was „von mir“ kam, empfand ich als gut. Was am Ende von Außen kam (ständiges dreinreden, Powerpressen, Dammschnitt) hat mich gestört, verunsichert, rausgebracht, Schmerzen bereitet.
Das hast Du lernen dürfen: Du kannst das und noch besser ohne Fließbandentbinder.

Jeanie
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Registriert: So 2. Mär 2014, 16:15

Re: Schnelle Geburt - mit Zeit für Interventionen

Beitragvon Jeanie » Mi 26. Mär 2014, 13:28

Ja, das ist war. Und gestern habe ich meine HG-Hebamme kennengelernt und freu mich jetzt nur noch :flower:
  1. Feuerwehrhauptmann 2011 im KH

  • Tanzmaus 2014 daheim als HG


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