Ein Sternguckerchen!

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Lillifee3
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Ein Sternguckerchen!

Beitragvon Lillifee3 » Mo 1. Mai 2017, 12:41

Die Zeit der Vorbereitung:

Die Geburt unseres 7. Kindes, 13 Monate nach einem Kaiserschnitt, war wieder als Hausgeburt geplant.
Im Lauf der Schwangerschaft hatte ich jedoch ein paarmal Zweifel, ob die Variante HG überhaupt die richtige für mich wäre.

Zum einen erinnerte ich mich an die wahnsinnigen Wehenschmerzen bei der 5. Geburt. Dieses Kind kam im GH auf dem Hocker, mit 4560g zur Welt. Dieses Kindsgewicht war für mein Becken grenzwertig und ich erinnerte mich mit grausen an die extremen Schmerzen und das Gefühl zu zerbrechen. Das war ich von meinen anderen HG nicht gewohnt.

Dann war da der Kaiserschnitt, nur ein Jahr zuvor. Diese OP (ich empfand es nicht als Geburt) war das totale Gegenteil von allen anderen Geburten. Betäuben, hinlegen, nach 3 Minuten ist das Kind da.
Gut, hinterher hatte ich einige schmerzhafte Momente, weil die Spinale nicht richtig wirkte, aber das sollte wohl nicht zum Standart gehören.
Keine Anstrengung, aber auch kein besonderes Glücksgefühl, kein Stolz auf die vollbrachte Leistung, so hatte ich das abgespeichert. Und hinterher natürlich den Wundschmerz. Die ersten Tage extrem und dann noch wochenlang in abnehmender Tendenz. Aber dafür keine Verletzungen im Beckenbodenbereich, also auch da wieder ein völlig anderes Körpergefühl.

Nach diesen zwei vorangegangen Geburten hatte ich für mich innerlich beschlossen noch einen "schönen Abschluss" zu brauchen.
Ich dachte, der stünde mir zu und es wäre nur eine Frage des Willens diesen auch zu bekommen.
Am liebsten wollte ich eine Alleingeburt im Pool erleben, so wie beim 4. Kind. Denn das war die schönste, romantischste und schmerzärmste Geburt von allen und ich schwebte danach nicht Tage-, nein, Wochenlang auf Wolke 7! :wolke: :rosabrille:

Was brauchte ich dafür, das war die ganze Zeit über mein Thema. Trotzdem Hebammenbetreuung? Und wenn ja, in welchem Ausmaß.
Ein Hebammenteam zu finden, die mich mit "Zustand nach KS" in so kurzem Abstand annahmen, war nicht einfach.
Im GH fragte ich auch an, wurde aber abgelehnt, der Abstand war zu kurz für deren Standart.
So blieben nur zwei Hebammen übrig, die ich aus der vorherigen Schwangerschaft schon kannte. Ganz unkompliziert war unser Verhältnis nicht, aber ich wollte mich trotzdem ein zweites Mal darauf einlassen. Schließlich war dies nun eine neue Schwangerschaft, ein hoffentlich gesundes und kräftiges Kind was ich erwartete. Neue Chance, neues Glück, so dachte ich.
Außerdem brauchte ich dringend "Verbündete", die mit mir zusammen meinen Mann von dem Thema HG nach KS überzeugen sollten.

Leider waren die beiden Hebammen für keinerlei Kompromisse offen, so musste ich von Anfang an dreiwöchige Vorsorgen mitmachen, deren Sinn sich mir nicht wirklich erschloss. Ich war eher genervt, wenn ich dafür auch noch zu der einen Hebi nach Hause fahren musste. Die andere kam immerhin zu mir zum Hausbesuch, was ich vom Gefühl her eher mit HG verbinde.
Ich selber hätte eigentlich nur die drei Ultraschalle bei meiner FÄ mitnehmen und vielleicht drei, vier Treffen mit den Hebammen während der fortgeschrittenen Schwangerschaft haben wollen.

Im Laufe der Monate kam es immer wieder zu Situationen, in denen ich sehr die Zähne zusammenbeißen musste und mich unverstanden und bevormundet fühlte. Mehr als einmal war ich hinterher in Tränen aufgelöst und rang mit mir die Betreuung abzubrechen, da sie mir zuviel abverlangte und mir zuwenig zurückgab.
Außerdem taten mir die 600,-€ Rufbereitschaftspauschale in der Seele weh. Soviel Geld, das ich lieber an anderer Stelle für unser Baby ausgegeben hätte.

Medizinisch lief diese 7. Schwangerschaft perfekt. Das Baby war die ganze Zeit über super versorgt und wuchs wieder auf den mittleren bis oberen Perzentilen. Es bewegte sich viel und ich hatte von Einnistung an das Gefühl einen gesunden Jungen zu bekommen.
Auch die KS-Narbe machte keinerlei Probleme.
Einzig mein Halteapparat, die Muskeln, Sehnen und Bänder machten mir in den letzten 8 Wochen extrem zu schaffen.
Da war wohl eine gewisse Überlastung da, als 7.Gebärende.
Ähnlich einem Hexenschuss, hatte ich in der 34.SSW heftige Schmerzen, die mich sogar ins KH trieben.
Zu diesem Zeitpunkt war ich körperlich so erschöpft und eingeschränkt, dass ich tatsächlich mit einem zweiten KS liebäugelte.
Wie oben bereits geschrieben: Keinerlei weitere Anstrengung, kein Bewegen unter Wehen nötig, Das erschien mir nicht nur sehr verlockend, nein geradezu zwingend nötig, da ich schon normale Alltagsbewegungen nur unter Schmerzschreien bewältigen konnte.

Ich sprach auch mit einer meiner Hebammen darüber, wollte das eigentlich zum Anlass nehmen, den Vertrag zwischen uns aufzulösen. Denn ich spürte wieder unguten Druck und viel Unverständnis von ihrer Seite. Sie hätte schon Frauen mit chronischen Schmerzleiden, mit MS, betreut. Die hätten aber nicht so sehr gehardert (und gejammert?) wie ich.
Und die hätten trotzdem ihre Kinder außerklinisch bekommen können.
Dann wieder etwas entgegenkommender: Ich müsse diese Entscheidung doch nicht jetzt fällen, sondern könne mir doch alle Optionen offen halten, bis zum Tag X. Und sie, als Hebammenteam, würden meine Entscheidung akzeptieren, egal welchen Weg ich wählen würde.
Das beruhigte mich etwas und so blieb es auch bei dem Vertrag, den 600,- und den ständigen Vorsorgen in inwischen noch engeren Intervallen. :zahnlos:

Das zutrauen in meine Gebärfähigkeit hatte allerdings bei den Hebammen stark gelitten, stellte ich nun leider fest. :red:
In den letzten Wochen der Schwangerschaft thematisierte sie mehrmals eine mögliche Übertragung und Wehenschwäche und vor allem meine (angeblich) schwache Bauchmuskulatur, die mir den Vierfüßler als Geburtsposition verbieten würde.
Das Kind käme so nicht richtig durchs Becken, ich bräuchte bestimmt zur Geburt eine ganz andere Position als gewohnt. Und überhaupt, ich solle mich lieber auf einen ganz anderen Ablauf einstellen, als bei allen andern Geburten davor.
Bestimmt käme dieses Kind nicht wie gewohnt Nachts, sondern Tagsüber zur Welt usw.
Auch über das Thema Nachblutungen sprachen wir mehrfach.
Allerdings schwankten die Meinungen der beiden von Termin zu Termin sehr. Mal sahen sie Gefahr drohen und sprachen über Zugang legen und Oxygaben, dann wieder wurde betont, wie unwahrscheinlich eine gefährliche Blutung und wie entspannt sie wären.

Meine Lust auf Geburt schwankte dementsprechend. Einerseits wollte ich zugerne mein Baby im warmen Poolwasser gebären, selber entgegennehmen. Andererseits wusste ich einfach nicht, was für uns der richtige Weg sein sollte.
Welche Hebamme hätte wohl an diesem Tag Dienst? Und zu welchem Zeitpunkt rufe ich sie?
Ist es besser so spät wie möglich zu rufen, so dass ich das Baby schon im Arm halte wenn sie ankommt? Und reicht das dann als mögliche Absicherung bei eventuellen Nachblutungen?
Oder ist es besser, die Hebamme in Ruhe ankommen zu lassen und sie bitten sich im Hintergrund zu halten?
Nachdem beide betonten, sie würden sich idealerweise zwei Stunden Vorlaufzeit vor der Geburt im Haus wünschen, wuchs in mir die Entscheidung sie doch sehr rechtzeitig zu informieren und uns allen damit die bestmöglichen Chancen auf einen ruhigen Ablauf zu gewähren.

Fortsetzung folgt...
KH-Blitzgeburt November 1998
Hausgeburt Dezember 2002
Hausgeburt Juli 2007
Alleingeburt Juni 2010
Geburtshausgeburt Oktober 2013
Sekundäre Sectio März 2016
VBAC im KH, April 2017
Und zehn kleine Sternchen in neun kleinen Geburten

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ronja6575
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Re: Ein Sternguckerchen!

Beitragvon ronja6575 » Mo 1. Mai 2017, 13:18

Spannend mrgreen-dance Ich freue mich auf mehr...
Großer Sohn *2007 (ambulante Geburtshausgeburt)
Mittlerer Sohn *2009 (ambulante Geburtshausgeburt)
Kleiner Sohn *2012 (ambulante Geburtshausgeburt)
und 2 Sternchen 2013 (Abrasio) u. 2014 (kleine Geburt zu Hause)
Kleinster Sohn *2015 (Hausgeburt)
Sternchen 2017 (kleine Geburt zu Hause)

Sonnenblume23
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Re: Ein Sternguckerchen!

Beitragvon Sonnenblume23 » Mo 1. Mai 2017, 13:46

Ich warte auch gespannt auf die Fortsetzung :cap:
Grüße
Sonne mit

8 Kindern an der Hand und vieren im Herzen
1 KH Geburt und 7 Kaiserschnitte, vier davon selbstbestimmt
und drei kleinen Geburten zuhause


Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt

Wurzel
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Re: Ein Sternguckerchen!

Beitragvon Wurzel » Mo 1. Mai 2017, 14:11

Ich auch! mrgreen-dance
"Man kann ein Problem nicht durch dieselbe Denkweise lösen, durch die es entstanden ist." (Albert Einstein)

Dramaqueen 04/2017 // Geburtshaus
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Patschmannda 01/2014 // Hausgeburt
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Aufmasaugschine 05/2011 // ungewollte primäre Sectio
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Wurzelsternchen 03/13 // HG

Lillifee3
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Re: Ein Sternguckerchen!

Beitragvon Lillifee3 » Mo 1. Mai 2017, 14:26

In den Tagen vor der Geburt:

In den letzten Wochen schwanden meine Schmerzen im Halteapparat vollkommen. Dank einer einfachen Miederhose, die meine Bauchmuskulatur etwas unterstützte!
So genoss ich den Zustand des Hochschwangerseins nochmal in vollen Zügen, sollte es doch das letzte Mal sein.
Ich war stolz auf meinen schönen Bauch, was auch mein Mann immer wieder betonte. "Modelmäßig" nannte er ihn. "Immer die gleiche Form, nur nach vorne, von hinten sieht man gar nichts!" - Und ohne Streifen. :hearts:
Am ET bemalte mir meine 14jährige Tochter in einem 2stündigen Kunstprojekt den Bauch und es entstanden wunderschöne Abschiedsfotos. :lu:

Komisch erschien mir nur die Position des Kindes in den letzten Tagen. Ich konnte nämlich zunehmend selten den Rücken tasten. Eigentlich war es lange Zeit eine 1.SL, dann plötzlich ein paar Tage eher 2.SL. Bis ich in den letzten Tagen gar nicht mehr klar sagen konnte wo mein Baby liegt.
Bei der ET+3 Untersuchung beim Fa musste die Arzthelferin auch besonders lange und wiederholt nach den Herztönen suchen.
Da hätte eigentlich schon auffallen müssen, dass das Kind (wahrscheinlich da schon) nicht optimal lag.

Psychisch machte ich auch eine Entwicklung durch. Ich erlangte eine innere Ruhe. :daumen:
Das Gefühl aufgeregt und untriebig meinen perfekten Abschluss zu suchen, verflog.
Vielmehr gab mir dieses große, gut entwickelte Kind im Bauch ein Gefühl des Friedens. Die Schwangerschaft an sich, das die so gut verlaufen war, mein Körper doch noch in der Lage war gesunde, kräftige Babys heranwachsen zu lassen (und nicht etwa ausgelaugt zu sein, wie mir mal jemand vorgeworfen hatte), das machte mich sehr glücklich und ausgeglichen. :wolke:
Ich spürte, dass die Geburt nicht mehr die vorherrschende Bedeutung für mich hatte.
Und so kam es, dass auch die letzten Tage rund um den ET, eine innere Ruhe in mir war. Ich sehnte die Geburt nicht herbei, ich wartete einfach geduldig ab.

Die Geburt: bei ET+8

Am Morgen um 5:30 Uhr wurde ich durch mittelprächtige Wehen geweckt. Mein erster Gedanke war: Perfekt, hab gut geschlafen! :applaus:
Der zweite: Tatsächlich, ich hab diesmal wohl eine Taggeburt! :zahnlos:
Beim Toilettengang sah ich viel, viel blutigen Schleim und war mir gar nicht mal so sicher ob die Fruchtblase gleichzeitig mitgeplatzt war, denn es war alles sehr flüssig und roch auch etwas nach Fruchtwasser, wie ich fand.
Also hab ich direkt danach meinen Mann geweckt, sagte ihm: Das Baby kommt heute! Ich hab Wehen und wahrscheinlich auch einen Blasensprung.
Das war das Zeichen für ihn aufzuspringen und sofort mit den Vorbereitungen zu beginnen.
Die beiden Großen (14 und 18) wurden auch bald geweckt, denn sie sollten die kleineren Geschwister versorgen, sie zur Schule und zum Kindergarten bringen.
Die nächsten 1,5 Stunden verbrachten sie mit allerlei wuseligen Vorbereitungen.
Ich wunderte mich eigentlich, dass die Wehen von Anfang an alle 4-5 Minuten kamen und schon bald an Intensität zunahmen.
Hätte ich doch gedacht, diese durch meinen Willen und meine Ablenkung etwas bremsen zu können. :lol3:
Also entschloss ich mich, die Hebamme tatsächlich zu diesem Zeitpunkt schon zu rufen.
Sollte sie doch mitten ins Gewusel hinein bei uns eintreffen. Eine Person mehr oder minder hier stört dann auch nicht mehr.

Außerdem wäre sie dann schon etwas angekommen, wenn die Kinder um 7:30 Uhr das Haus verlassen.
Dann, so dachte ich, gibt mein Körper richtig Gas.
Sie richtete sich also am Eßtisch ein, während wir den Pool ein paar Meter daneben, in der Sofaecke, befüllten.
Von Anfang an fiel mir auf, wie häufig sie die Herztöne hören wollte. Das war ich nicht gewöhnt, so alle 10 Minuten.
Und, Wunder, die Herztöne waren so schwer abzuleiten?!
Wo liegt nochmal der Rücken??
Vielleicht hätte sie mal tasten sollen.
Also hat sie die Herztöne einfach direkt über der Sympyse abgenommen, das war die einzige Stelle die vernünftig ging.

Bis es endlich 7:30 Uhr war, erschien mir dann plötzlich ganz schön lang. Denn die Wehen wurden schmerzhafter und drängender.
Als die Kinder aus dem Haus waren und die Kleinste von ihrer großen Schwester gut versorgt schien, zog ich mir alle Klamotten vom Leib und bestieg sofort den Pool.
Die Wehen kamen jedoch schon bald in größeren Abständen und nahmen auch von der Intensität her ab.
Leider nahm damit die Unruhe meiner Hebamme merklich zu und ich fühlte mich total unter Druck.
Schon bald fiel wieder das Wort Wehenschwäche und ob ich nicht lieber wieder mein Mieder anziehen wolle um den Bauch zu stützen.
Ahhh... ich konnte und wollte das einfach nicht mehr hören!! :laser:
Sie gab mir dann Eisenkraut, als Wehenverstärker, überredete mich zu einer unbequemen Seitenlage und wartete mit scharrenden Füßen daneben auf nächste Wehen.
Ich wurde innerlich immer verzweifelter, wollte das ganze nur noch beenden. Es lief sowieso schon wieder überhaupt nicht so wie erwünscht und erhofft, da wollte ich zumindest schnell fertig werden und dann alleine sein.

Privacy, Intimität, Romantik... all das...das kam viel zu kurz! So hatte ich mir eine Hausgeburt nicht vorgestellt. sadnew

Nach einiger Zeit merkte sie selber, dass wir so nicht weitermachen konnten.
Ich schlug vor, dass ich ein wenig ins Schlafzimmer wechseln wolle um dort im Liegen ein wenig auszuruhen und alleine zu sein. Aber das machte sie offensichtlich aggressiv.
Nein, so würde sie auf keinen Fall hier sitzen bleiben und ihren Tag verbringen. So wie es aussieht, war das ja nur ein Fehlalarm und es könne noch tagelang dauern, bis das Kind käme. Aber das hätte sie mir ja sowieso schon gesagt, bei Mehrgebärenden würden sich oft Fehlalarme und lange Phasen des Einwehens zeigen.
Sie würde mir jetzt gerne etwas pflanzliches geben, damit sich die Wehen komplett beruhigen und ich zur Ruhe kommen soll.
Hab ich abgelehnt, denn ich fühlte, dass mein Körper keinerlei Unterstützung brauchte, sondern einfach nur Ruhe.
Untersucht hat sie mich noch zum Abschluss, bevor sie fuhr: 2-3cm. :keinplan:

Als sie gegangen war, war ich einfach nur erleichtert! :furz:
Also ab ins Bett unter die warme Decke! Ein bisschen Forumlesen, ein letzter Eintrag als Schwangere und dann schlafen.

Mein Mann hat die Hälfte des Poolwassers wieder abgepumpt, da es inzwischen zu kalt wurde und wir dann lieber wieder neu befülllen wollten, wenn die Wehen erneut losgehnen würden.
Er war auch total verunsichert, wusste nicht recht wem er nun glauben sollte. Aber ich war mir die ganze Zeit sicher, bald würde es weiter gehen und dann rufe ich sie nicht so früh wieder an, sondern so das sie zu spät kommt.

Fortsetzung folgt....
KH-Blitzgeburt November 1998
Hausgeburt Dezember 2002
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Alleingeburt Juni 2010
Geburtshausgeburt Oktober 2013
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Lillifee3
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Re: Ein Sternguckerchen!

Beitragvon Lillifee3 » Mo 1. Mai 2017, 19:16

Ich hatte etwa 45 Minuten geruht und ein wenig geschlafen, dann wurde ich von neuen Wehen geweckt.
Aber was für welche! :haue:
Wie kann ein Körper von jetzt auf gleich solche Wehen produzieren?! :hilfe:
Drei Wehen veratmete ich im Liegen, bis mir klar war: Es geht weiter und zwar jetzt sofort und ziemlich schnell!
Also begann mein Mann damit erneut heißes Wasser in den Pool nachzufüllen.
Ich jauelte alleine im Bad vor mich hin, als mich eine Wehe auf der Toilette erwischte.
Aua, verdammt nochmal, warum tat das jetzt sooo weh? Mein Rücken, mein armer Rücken, das halt ich nicht aus!
Und was mach ich jetzt, waren meine Gedanken.
Irgendwie signalisierte mir mein Körper, das irgendwas anders war, als gewohnt. Diese Art von Wehenschmerz war mir neu.
Ohne Geburtshelfer und wahrscheinlich auch ohne Schmerzmittel halte ich das nicht aus, das war mir ziemlich schnell klar.

Also musste eine Entscheidung her, und zwar schnell, denn schon in den nächsten Wehen hatte ich das Gefühl von beginnendem Pressdrang. :panik:
So entschied ich: Abbruch der Traumvorstellung Alleingeburt, ich will dahin wo man mir diese irren Schmerzen nehmen kann und wo man mir sagt, dass mit der Narbe alles in Ordung ist.
Mein Mann rief den Krankentransport (es kam aber ein RTW der Feuerwehr), anschließend im Kreißsaal und danach die Hebamme an.
Ob sie nochmal kommen möchte, wir wollen die Hausgeburt nicht weiterführen, aber sie möchte vielleicht noch ein Übergabeprotokoll o.ä. schreiben? Das jedenfalls sollte mein Mann ihr sagen. Angeblich hat sie geantwortet, das wäre dann unsere Entscheidung, nicht ihre.
Ich weiß nicht, ob da bei der Kommunikation zwischen ihr und meinem Mann etwas missverständlich rüberkam.
Jedenfalls war sie sehr entsetzt, als sie bei ihrem Eintreffen vor unserem Haus den RTW stehen sah und ich ihr schon auf dem Gehweg entgegen kam.
Sie sagte hinterher, sie hätte sich gewünscht wir hätten die Entscheidung zur Verlegung gemeinsam und "in Ruhe" getroffen.
Nur an "in Ruhe" war gar nicht zu denken.
Eine Wehe jagte die nächste und ich schrie jedesmal aus Leibeskräften so sehr tat mir das Becken weh.

Es gab einige sehr unschöne Äußerungen von ihr mit sehr viel Aggressivität allen Beteiligten gegenüber. Aber nachdem die Rettungsassistenten ganz cool blieben und sich auf keinerlei Wortgefechte einließen, hörte sie nochmal die Herztöne ab und untersuchte den MuMu, weil sie dachte das Kind jeden Moment empfangen zu müssen.
MuMu aber nur 3-4cm?! :shock: :keinplan:
Mein Gott, ich kam mir wie eine Mimose vor! Ausgerechnet vor ihr, die mich sowieso schon so wehleidig einschätzte. MS- Frauen schaffen die Geburt auch zuhause, nur ich nicht, hämmerte es in meinem Kopf. Selber Schuld wenn es jetzt zum Abschluss wieder keine easy Hausgeburt wird. Ich war echt verzweifelt und ganz schön down zu diesem Zeitpunkt und heuelte erst mal aus Frust darüber.
Aber nicht lange, das hier und jetzt vorderte mich zu sehr und ich wusste, ich musste bei klarem Verstand bleiben um dieser Situation gewachsen zu sein.

Die Hebamme fuhr dann sogar mit ins KH, obwohl sie vorher lautstark verkündet hatte genau das nicht zu tun.
Während der Fahrt kamen dann schon wieder Wehen mit kräftigem Druck in den Rücken und auch Pressdrang. Normal bei Sternguckern, wie ich hinterher erfuhr.
Der Fahrer bekam die Anweisung rechts ranzufahren, falls die Geburt nicht mehr aufzuhalten sei. Und ich bekam ständig den Standort mitgeteilt, damit ich wußte: Nur noch eine Wehe im Wagen!
Dann langes geschiebe durch die Gänge und bei mir nur der Gedanke: Hoffentlich kommt jetzt keine Wehe!
Direkt vor der Kreißsaaltür kam dann die nächste und ich kündigte mich somit selber lautstark an,während die zuständige Hebamme und zwei Praktikantinnen uns in den Kreißsaal begleiteten.

Die Übergabe an die KS-Hebamme verlief dann noch mal etwas holprig. Kompetenzgerangel zwischen der RTW-Besatzung und meiner Hebamme. Wieder viel gemeckere und geschimpfe, so dass ich nach der Geburt erst mal verwundert gefragt wurde, wer das denn bitte gewesen sei? Und warum sei das keine verlegte Hausgeburt? Was denn dann? :?

Mein Mann kam dann auch hinterher, in der Hand meine Tasche, die Babyschale und die Kamera. Toll, ich freute mich sehr, dass er daran gedacht hatte! Eine Filmaufnahme von der Geburt unserer Kinder war mir immer besonders wichtig als Andenken. Kaum im Kreißsaal drin, hat er die Kamera auf der Fensterbank positioniert und auf automatische Aufnahme gedrückt - sagt er...

Im Kreißsaal natürlich rauf aufs Bett, CTG anlegen und dann weiterhin die unmenschlich schmerzenden Wehen veratmen und überstehen. Im Geburtsbericht steht, die Wehen kamen bereits alle 1-2 Minuten.
Ich muss sagen, ich wunderte mich sehr, dass keinerlei Ultraschall durchgeführt wurde, um meine extremen und wie ich fand ungewöhnlichen Schmerzen abzuklären. Ich wünschte mir einfach nur jemanden der rief: Abbruch,wir machen einen KS! :blush:
Aber nichts passierte. Blöderweise sieht man ja von außen nicht, was innerlich abläuft. Wäre bekannt gewesen, dass ich gerade ein 4,5 Kilo Kind in hinterer Hinterhauptslage am gebären bin, dann wäre die Entscheidung sicherlich eine andere gewesen.
So aber bekam ich einen Bucopantropf und immerhin eine ermutigende Begleitung. Es machte mir neuen Mut, als ich merkte mit welcher Art Hebamme ich es zu tun hatte. Nämlich mit einer äußerst motivierten jungen Frau, die geduldig meine verschiedenen Haltungen begleitete. Sie saß schon bald am Boden und ich auf dem Hocker.
Auch sehr respektvoll fragte sie nach einer vaginalen Untersuchung. Mumu war 8-9cm und es blutete aus einer geschwollenen Muttermundslippe. So sollte ich in den Vierfüßler wechseln.
Vierfüßler? :hehe: Gerne doch! Ist meine Lieblingsgebärhaltung!!
Puh, zum Glück bin ich hier und darf diese Position einnehmen! :daumen:

Die Fruchtblase hat sie dann auch noch geöffnet, damit es etwas schneller gehen sollte. Fruchtwasser war grün, Herztöne dippten bei jeder Wehe. Also pressen im Vierfüßler, noch drei Wehen lang würgen über der der Nierenschale und schon war der MuMu komplett eröffnet. Dieses mal ging die Übergangsphase echt schnell vorbei.
Gerade als es ans aktive Gebären ging, hörte ich, wie unsere Kamera mit einem lauten "Ding" ihr leeres Akku bekannt gab.
Das gibbet doch nich!! :banned: Ich wollte doch wenigstens diese Geburt gefilmt haben, wenn schon wieder alles andere schief lief, dann wenigstens eine schöne Aufnahme als Erinnerung und zum Aufarbeiten. Und das Thema Akku aufladen war jeden Abend bei uns präsent gewesen. Immer wieder hatte ich geprädigt, wirklich daran zu denken. Nichts wäre ärgerlicher als ein leeres Akku!
Und nun passierte genau das! Echt, ich muss sagen, das brachte mich nochmal völlig aus dem Konzept! Klappt denn gar nichts bei uns?
Zu wehleidig für die Hausgeburt, zu blöd zum filmen? :klatsch:
(Bei Blümchens "Geburt" im OP gibts auch nur eine 10 sekündige, wackelige Aufnahme vom Fußboden... :zahnlos: )

Ein Glück hat mein Mann dann noch den Einfall gehabt mit der Digitalkamera weiterzufilmen. Nicht nur Fotos kann man damit machen, ja auch filmen! :lol3: :daumen:
So hab ich immerhin einen 5minütigen Film von der Geburt unseres Kindes, die anderen Aufnahmen des gesamten Tages sind aus unerfindlichen Gründen alle nichts geworden. Was auch immer mein Mann da gemacht hat, gefilmt hat die Kamera nicht! :wall:

Aber auch hier hab ich gedacht, nicht ablenken lassen jetzt, nicht heulen, du brauchst jetzt alle Kraft zum gebären. Ja, ganz komisch war das. Ich war einerseits total abgeschossen und hab wenig links und rechts mitgekriegt und auf der anderen Seite hab ich solche Nebenschauplätze noch deutlich mitbekommen.

Die Presswehen dauerten ungewöhnlich lang. Ich dachte zwischenzeitlich: Das stimmt doch was nicht! Wieso muss ich diesesmal so lange und so extrem pressen, wo ich doch Kind Nr.4 einfach nur rausatmen musste?
Wieso hab ich zwischendurch einmal das Glück gehabt eine fast schmerzlose Geburt zu erleben und danach kommen Kind Nr.5 und 7 und machen solche Schmerzen und Probleme?
War ich zu hochmütig und dachte ich könnte es? Sollte mir das Leben lehren, das gebären nichts mit können zu tun hat und nicht dem freien Willen unterliegt?

Irgendwann war es dann soweit, dass das Köpfchen endlich geboren wurde und die Hebamme rief: "Ah, ein Sternguckerchen!" :applaus:
Die Kreißsaalärztin sagte hinter mir: "Ach deshalb die starken Rückenschmerzen!" :zahnlos:

Ja Mensch, alle total aus dem Häuschen und ich war einfach nur erleichtert einen Grund erfahren zu haben, warum diese Geburt so war wie sie war.
Babylein musste dann abgesaugt und etwas animiert werden. Der "Kleine" hatte dann doch ziemlich Stress gehabt. Ein kurzer Blick nach hinten sagte mir dann auch, dass das Schiepelchen, was die Frauenärztin zwischenzeitlich gesehen haben wollte auch tatsächlich dran war und mein Gefühl für einen Jungen richtig war.

Fortsetzung folgt...
KH-Blitzgeburt November 1998
Hausgeburt Dezember 2002
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Alleingeburt Juni 2010
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Biiibi
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Re: Ein Sternguckerchen!

Beitragvon Biiibi » Mo 1. Mai 2017, 21:01

Was für ein Krimi :panik: :daumen:
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Re: Ein Sternguckerchen!

Beitragvon Sonnenblume23 » Di 2. Mai 2017, 13:43

Da hast du aber echt was durch. Ich staune ehrlich auch, das sie dich so kurz nach der Sectio so haben machen lassen. Da hast du Glück gehabt. Alles hat gut gehalten und du warst sehr tapfer.
Grüße
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Re: Ein Sternguckerchen!

Beitragvon Memilla » Di 2. Mai 2017, 14:03

das klingt wirklich sehr schmerzhaft! sehr schade, dass deine hebammen so entmutigend waren. erst verunsichern sie dich ständig und dann will sie es um jeden preis zu hause durchziehen...
bist du jetzt im nachhinein froh, dass sie keine sectio gemacht haben oder wärs dir wirklich lieber gewesen?
Sohnemann 01/12 KH
Töchterchen 04/13 HG
Babysohn 09/14 HG

Lillifee3
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Re: Ein Sternguckerchen!

Beitragvon Lillifee3 » Di 2. Mai 2017, 14:13

Unser Baby war gerade erst hinter mir auf die Matte geplumpst, da begannen extreme Nachblutungen. Das Blut fiel buchstäblich in großen Platschern aus mir heraus.
Die Ärztin ordnete an: Abnabeln, 3 IE Oxytocin und bitte einen Oxytropf fertig machen!

Ich finde, die muteten mir ganz schön was zu. Denn ich kniete ziemlich erschöpft noch auf der Bodenmatte, um meine Knie herum schwamm das Blut, gleichzeitig bekam ich unseren abgenabelten Sohn auf den rechten Arm und den linken musste ich ausstrecken damit man mir das Medikament durch den Zugang spritzen konnte.
"Ich kann ihn nicht mehr halten", sagte ich nur.
Mein Mann wurde dann miteingebunden und beauftragt den Kleinen zu nehmen.
Keine Ahnung, mit welchen letzten Kraftreseven ich danach aufs Bett gekommen bin. Adrenalin sei dank!
Und da lag ich dann und nach unglaublichen 7 Minuten konnte die Hebamme schon mit leichtem Zug die Plazenta gewinnen.
Keine Schmerzen, keine spürbaren Nachwehen, kein Kraftakt bis dahin. Wahnsinn!
Wenn ich da an die anderen Plazentageburten denke... ein himmelweiter Unterschied... und das nur wegen dem Oxytocin? :keinplan:

Wir lagen dann vier Stunden im Kreißsaal, in dieser Zeit wurde mein DR 2 genäht (aua! :heul: ) und ich bekam etwas zu essen. Unser süßes Baby dockte an und ließ seit dem gefühlt nicht mehr los. :lol3: :stillen:
Wirklich, der lebt auf meinem Körper und würde am liebsten dauerstillen.
Und niedlich sieht er aus, ganz hellblond mit zartem Flaum und kleinen blauen Knopfaugen. Die ersten Tage hatte er noch keinen Namen. Aber jetzt haben wir uns auf :herzen: L.e.o.n.a.r.d :herzen: geeinigt.

Nach Ablauf der vier Stunden kam eine Kinderärztin und checkte unser Baby durch und wir durften danach nach Hause. Gerade zu diesem Zeitpunkt verließen mich die Kräfte und ich war mir erst nicht sicher, ob ich so wackelig den Heimweg antreten oder doch lieber noch eine Nacht im KH bleiben sollte.
Seitdem schone ich mich mehr oder weniger im Wochenbett. Heute, an Tag 8, äußerte sich unser Kinderarzt bei der U2 etwas besorgt. Ich würde extrem blass aussehen, ob ich schon einen aktuellen Hb wüsste?
"Nein", sagte ich, "keine Zeit für einen Arztbesuch bisher." Also hat er mir kurzerhand ein kleines Blutbild abnehmen lassen. Es sei wichtig sich auch um sich selber zu kümmern. :finger:

Ich bin zufrieden insgesamt, auch wenn es wieder keine Alleingeburt wurde. Diese wäre gründlich in die Hose gegangen, das ist klar. Aber ich bin insgesamt noch gut davongekommen, finde ich. Die Hebamme im KS war klasse, die Geburtsposition war super und mein Baby ist das süßeste der Welt! :love: :wolke: :babyglueck: :lu:
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