Geburt nach Bauchgefühl

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aramis
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Geburt nach Bauchgefühl

Beitragvon aramis » Sa 18. Jun 2016, 16:09

Mittlerweile ist die kleine schon wieder 8 Wochen alt und die Geburt so lange her, für mich fühlt es sich wie eine halbe Ewigkeit an. Deshalb hier jetzt endlich mein Bericht:

Es ist Donnerstag, der 21.4.2016, als ich am Toilettenpapier erstmals etwas mehr Schleim entdecke.
Ich hab mich gefreut, dass ich zumindest ein kleines Anzeichen Richtung Geburt sehe. Scherze noch rum, dass dann wohl in den nächsten 14 Tagen wohl irgendwann die Geburt losgehen wird. :lol3:

Meine Stimmung ist komisch. Vormittags bin ich kurz mal alleine, die kleine schläft, alle anderen sind außer Haus. Ich leg mich auf die Esszimmerbank und merke ein regelmäßiges Ziehen, über das ich mich freue, aber ich merke, dass ist noch nix ernstes.
Ich schreib meinem Mann eine SMS, dass es im Bauch verdächtig zieht. Er meint, er müsse noch eine Anleitung fertig schreiben – ich muss lachen und denk mir: ok, wennst fertig bist, kommst halt heim, dann bekommen wir unser Kind lol

Meine Hebamme hat sich für 10 Uhr angekündigt. Sie wollte noch einen Termin mit mir haben, da sie mir erst am Vortag verkündet hat, dass sie am kommenden Sonntag für 3 Stunden eine Vertretung hat, da sie in die Kirche muss und das nicht absagen kann. Mich irritiert die Tatsache, dass sie mir so kurzfristig erst bescheid sagt, weiß aber auch, dass eine AG für mich auch kein Problem ist. Eigentlich würd ich den Termin lieber absagen, ich würd lieber schlafen. Ich dös ein wenig dahin.

Ich hab das Gefühl, dass es besser wäre, die 3 großen Kids zu den Schwiegers zu bringen. Vermute, dass irgendwann die nächsten Tage ohnehin das Baby kommen wird. Mein Mann sieht es ähnlich und wir versuchen, Schwiegers telefonisch zu erreichen – was uns nicht gelingt :panik:

Das Gespräch mit der Hebamme läuft gut. Ich sag ihr, dass es grundsätzlich gar kein Problem ist, wenn sie am Sonntag die 3 h nicht verfügbar ist, aber ich sag ihr auch, dass ich die Vertretungshebamme nicht anrufen werde, da mir diese nicht unbedingt liegt. Persönlich kenne ich sie zwar nicht, aber vom Foto her spricht sie mich einfach nicht an. Es ist für sie ok, sie weiß, dass sie mir eine AG zutrauen kann. Wir wissen aber auch, Baby kommt zum richtigen Zeitpunkt, und wir vertrauen drauf, dass das einfach so sein wird :)
Wir verabschieden uns und sie meint auch: beim 5. Kind ists vielleicht besser, die Reihenfolge zu ändern – zuerst Kinder wegbringen und dann Wehen – nicht umgekehrt (wie sonst immer *g*)

Wir versuchen weiter, die Schwiegereltern zu erreichen und schaffen es nicht. Sie wissen um den Termin und haben sich ja auch angeboten, sich um die Kids zu kümmern – wir werden etwas nervös. Mein Mann beschließt dann, auf gut Glück zu ihnen zu fahren. Der Abschied von den Kids ist nicht ganz so einfach. Mein 2. ältester mag eigentlich nicht fahren und es tut mir ein wenig weh, ihn wegschicken zu müssen. wp-cry Ich verspreche ihm aber, dass das Baby bald da sein wird. Wir erfahren dann, dass Schwiegers einen Tagesausflug in die Therme gemacht haben – sie kommen am späten Abend heim.

Als mein Mann mit der kleinen wieder heimkommt bin ich schon im Bett und es ist alles ruhig.

In der Nacht werde ich munter – die Uhr zeigt Punkt 3 Uhr. Ich muss aufs Klo und stehe auf – da beginnt es zu rinnen – nicht viel, aber das ist definitiv kein Pipi. Ich bleibe kurz stehen und warte, obs evtl. aufhört. Es kommt nicht allzuviel, also gehe ich aufs Klo. Dort beginne ich zu zittern, mir wird übel und ich denke mir, dass das schon ein wenig komisch ist. Das sind doch normalerweise Anzeichen für die Übergangsphase. Ich versuche, mich zu beruhigen und merke, dass das ein ganz normaler gemütlicher Anfang wird, so, wie die letzten Male auch.

Ich gehe zu meinem Mann und wecke ihn auf. Er ist erst vor 1,5 h schlafen gegangen, das hab ich noch mitbekommen. Die Info, dass es losgeht kommt aber ganz schnell bei ihm an und er steht auf und beginnt den Pool aufzubauen und alles herzurichten.
Ich mach den Computer an und starte meine Playliste. Ich entscheide mich gleich für die Playliste, die ich eigentlich für die Übergangsphase gedacht hatte obwohl ich noch lange nicht soweit bin. Aber diese Musik besteht aus langsamen Liedern, die ich eher in tiefen Tönen hätte mitsingen können.

Ich setze mich in der Zwischenzeit aufs Klo, dort is es für mich am bequemsten. Wehen sind da, aber noch ganz leicht auszuhalten.
Um 3:30 beschließe ich, meine Hebamme anzurufen. Diese hört sich erstaunlicherweise sehr munter an und ich sage ihr, sie soll sich einfach gemütlich zusammenrichten und kommen. Eine halbe Stunde später ist sie da.

Ich wehe gemütlich vor mich hin, tratsche kurz mit der Hebamme und sage ihr dann, dass sie sich ins Esszimmer sitzen kann, ich möchte eher allein sein.
Während der Wehen atme ich nur mit relativ viel Druck aus, mir ist nicht nach singen, aber ich genieße die ruhige Musik.
Es gibt wieder einen Moment, an dem ich wieder in Tränen ausbreche, so, wie unter der letzten Geburt, und es tut gut, alles rauszulassen. Mein Mann ist diesmal dabei und gibt mir den Halt, den ich jetzt brauche.
Er massiert mir die Schultern, da ich scheinbar so verspannt bin, das tut gut.
Ich überlege ständig, wann ich in den Pool soll, versuche aber, nicht mit dem Kopf zu entscheiden sondern einfach nach Gefühl zu gehen. Verhältnismäßig lange bin ich „an Land“, aber es ist gut so, ich habe einfach noch nicht das Bedürfnis nach Wasser.
Irgendwann merke ich, dass die Vögel draußen lauter zu zwitschern anfangen, es wird wohl gegen halb 5 Uhr sein. Ich öffne kurz das Fenster und erfreue mich an der erwachenden Natur. :herzen:

Dann möchte ich doch in den Pool.
Die Wehen sind immer noch sehr leicht auszuhalten, sie sind eher kurz, die Abstände sind relativ groß, aber ich hinterfrage das nicht, sondern nehme an, was kommt. Ich will auf keinen Fall wieder den Fehler wie bei der letzten Geburt machen und mich aus der Ruhe bringen lassen, weil die Geburt anders verläuft als ich mir das vorstelle.
Jetzt möchte ich ganz alleine sein, ich atme bei jeder Wehe immer noch mit großem Druck aus, mir ist nicht nach tönen. Bei jeder Wehe nicke ich mit dem Kopf – für mich als Zeichen des Annehmens, es ist wichtig für mich. (aber ich komme mir dabei blöd vor, deshalb will ich alleine sein)
Ich weiß nicht, wie lange das so geht, schlafe dazwischen sogar mal kurz ein. Wehenintensität- länge und abstand ändern sich nicht.
Im Pool schaukle ich mit dem Becken immer hin und her, rechts und links. Ich merke einen Druck an der Symphyse, der da nicht sein sollte. Es ist nicht arg schlimm, aber ich merke, dass das so nicht ideal ist.

Irgendwann bekomme ich das Gefühl, dass ich aus dem Pool raus will. Ich denke sofort: „Nein, sicher nicht, ich geh doch nicht an Land, dort sind die Wehen doch nur Hölle!“ Aber das Gefühl bleibt, ich muss aus dem Pool raus.
Also gut, ich hinterfrage nicht mehr, sondern klettere aus dem Pool. Mein Mann kommt rein und denkt, ich müsse aufs Klo, was ich aber verneine. Da bin ich jetzt also, heraußen an Land, und weiß nicht, was ich jetzt tun soll. Es kommt eine Wehe, ich stütze mich aufs Kastl und merke, dass das echt ungut ist. Ich überlege, ob ich mich einfach über die Lehne der Couch hängen soll, aber merke gleich, das ist nix.
Also leg ich mich einfach hin, Seitenlage links – und merke, dass das gut ist. Dann herrscht Ruhe, keine Wehe, kein Drücken, kein Zwicken – nix. Ich schlafe ein, oder zumindest fast.
Mir jucken die Fußsohlen, so extrem, dass ich es fast nicht aushalten kann. Mein Mann muss kratzen und das ganz heftig. In der Situation tut er mir ein wenig leid, er meinte später auch, dass das ganz schön anstrenged war – aber mir ist das grad herzlich egal – er muss kratzen und bloß nicht aufhören.
Ich höre, wie meine Hebi aufs Klo geht. Sie erzählt später, dass sie sich gewundert hat, warums bei uns so ruhig ist :lol3:

Dann geht’s los – eine Monsterwelle rollt an und ich fange zu schreien an und schlag auf die Couch – das ist so heftig, dass ich es nicht aushalten will. :hilfe: Ich deute meinem Mann, dass ich wieder in den Pool will – aber nein, die Wehe muss ich abwarten, komme so nicht hoch. Wehenpause – jetzt schnell ins Wasser.
Die nächste Wehe wird wieder heftig und ich denke mir, wenn die Übergangsphase jetzt so weitergeht pack ich das nicht. Ich schreie, kontrolliertes Tönen ist mir nicht möglich.

In der Pause denk ich mir, aus, es reicht, ich press jetzt mit, ich mag nicht mehr. Meinem Mann sag ich, dass meine Hebi gern wieder rüberkommen kann. Sie setzt sich auf die Couch und wartet, was kommt.
Die nächste Wehe rollt an und ich drücke mit, was das Zeug hält. Ich merke zwar nicht, ob sich was bewegt, schiebe aber bei der nächsten mit – und tatsächlich, der Kopf kommt. Ich brülle mein Kind aus mir raus, wie schon die anderen Kinder davor auch. Der Kopf braucht 2 Wehen, dazwischen will ich nur, dass endlich die nächste Wehe kommt, damit ich mitpressen kann. Bei der nächsten Wehe schiebe ich nochmal mit und das Kleine landet im Wasser. Ich sehe, wie es den Mund zum schreien aufmacht und nehme es sofort aus dem Wasser, wo es sofort zu quäken anfängt. Es hört sich ein wenig so an, als wär schon Wasser verschluckt worden, röchelt etwas – ich sag nur: Sigrid… Sie kommt, wischt dem kleinen den Mund ab.

Ich schaue nach dem Geschlecht – und es ist eine kleine Sophie. Mein Mann ist gerührt, ruft sofort bei Schwiegers an, um den Kids zu sagen, dass die kleine Schwester so eben geboren wurde – es ist kurz nach halb 8.
Ich freue mich, dass es überstanden ist, bin mir aber auch bewusst, dass es die bisher schönste und leichteste Geburt war. Und dafür bin ich unendlich dankbar.
Relativ bald will ich aus dem Pool raus, auch hab ich wieder das Bedürfnis, die Plazenta so schnell als möglich loszuwerden. Ich möchte einfach nur ins Bett und schlafen. Wir nabeln relativ bald ab, die Nabelschnur ist aber schon auspulsiert. Die Plazenta weigert sich zu kommen, auch am Gebärhocker wird’s nix. Somit gehe ich aufs Klo, wo nach kurzem Warten die Plazenta geboren wird.
Ich bin nicht mehr ganz so sicher, aber soweit ich mich erinnere gehe ich dann relativ bald mit der kleinen runter ins Bett

Was dann folgt ist leider alles andere als ein entspanntes Wochenbett. Schon kurz nach der Geburt beginnt sie zu schreien, und hört kaum auf, höchstens zum Schlafen. Sie trinkt wenig bis kaum, zwischen Freitag mittag und Samstag morgens 3 Uhr so gut wie gar nicht, was mir schon Sorgen macht. Sie hat eine ganz schrumpelige Haut, schon von Geburt an, und ich muss immer wieder daran denken, wie Babies aussehen, wenn sie dehydrieren. Aber es wird besser, sie trinkt etwas mehr, die Milch kommt am Sonntag, ganz problemlos.

Meine Hebamme wird am WE krank, weswegen sie erst am Montag wieder kommt. Wir haben sie nicht gemessen oder gewogen, das mache ich am Montag vormittag selber und bekomme so ungefähr raus:

3350g
48cm
KU34

Dadurch, dass sie wenig trinkt nimmt sie nicht zu und meine Hebi meint, ich solle ein wenig aufs Gewicht schauen. Ich lass mich verunsichern, aber nach kurzer Zeit pfeif ich drauf und merke, dass sie besser trinkt und somit auch zunimmt

Aber danach wird es etwas besser. Das Schreien bleibt allerdings bis sie ca. 4,5 Wochen alt ist. Das Stillen ist ebenfalls etwas problematisch. Die linke Brust nimmt sie nicht, erst mit Stillhütchen gelingt es mir, sie zum Trinken zu bewegen, allerdings gibt’s auch immer wieder Momente, wo sie die linke Brust gar nicht nimmt.
Auch das hat sich gelegt, aber auch erst seit kurzem, jetzt trinkt sie beide Seiten und ohne Stillhütchen.

Alles in allem war es wohl das anstrengendste Wochenbett bisher, überschattet auch vom Tod unseres geliebten Labrador Cooper, den wir im Alter von fast 13 Jahren gehen lassen mussten :heul: wp-cry

Die Geburt ist aber schon wieder so weit weg, habe so wenig Erinnerung daran, ist irgendwie so unwirklich. Aber dennoch war es die schönste und leichteste Geburt.
von Herzen alles Liebe
Manu
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Re: Geburt nach Bauchgefühl

Beitragvon weib1969h » Sa 18. Jun 2016, 19:42


:blume: :hearts: :love:
ich hoer dich fast schreien, manu :knicks: danke fuers teilen :herzen: :daumen: toll :venus:

fuer cooper :candle:

alles liebe :flagge:
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Re: Geburt nach Bauchgefühl

Beitragvon Beratungsresistent » Sa 18. Jun 2016, 19:51

Danke fürs Teilen! Und alles Gute für euch! :blume: :rainbow:

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Josie2013
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Re: Geburt nach Bauchgefühl

Beitragvon Josie2013 » Sa 18. Jun 2016, 19:52

Toll zu lesen, wie Du bei dieser Geburt auf Dein Körpergefühl hören konntest. Ein sehr schöner Bericht, vielen Dank :herzen:
Der Pirat 10/09 KH
Der Kosmonaut 06/14 HG
Die Prinzessin auf der Erbse 05/16 HG


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