Mein Herbstmädchen

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HerbstMama
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Mein Herbstmädchen

Beitragvon HerbstMama » So 1. Nov 2015, 18:01

2 Tage vor Geburt: Langsam – eine Woche nach dem ET habe ich keine Lust mehr schwanger zu sein. :schwanger: Das gelegentliche Hartwerden meines Bauches wird heute von einem leichten Ziehen im Unterleib begleitet.

1 Tag vor Geburt, 4:00 Uhr nachts: Ich gehe, wie so oft um diese Zeit, zur Toilette. Mein Slip zeigt dunkelrote Blutspuren, beim Abwischen ist etwas rötlicher Schleim am Papier. Ich freue mich so! Der Schleimpfropf löst sich, bald geht es los. Vielleicht habe ich morgen schon mein Baby. Das letzte Mal habe ich vor exakt 37 Wochen so euphorisch das Badezimmer verlassen, damals mit dem positiven Schwangerschaftstest in der Hand mrgreen-dance Zurück im Bett spüre ich alle 2-5 Minuten Kontraktionen und schaukle im Liegen mein Becken vor und zurück, um es zu entspannen. Nach einer Stunde schlafe ich wieder ein.

Tagsüber melden sich in unregelmäßigen Abständen Kontraktionen. Ab 11 Uhr lasse ich die Wehen-App mitlaufen. Wir räumen noch etwas auf, bringen Glasmüll weg, gehen spazieren und kaufen ein Huhn für meine Wochenbett-Suppe. Ab 16:30 Uhr verringern sich die Wehenabstände auf unter 10 min.. Mein Mann Ch. und ich kochen uns abends eine schöne Kürbissuppe. Beim Schneiden muss ich während der Wehen inne halten. Na, wenn das nicht heute Nacht noch richtig losgeht! Gegen 19:00 Uhr lege ich mich in die Badewanne. Meine Salzlampe und ein paar Tropfen Geburtsöl im Wasser sorgen für Gemütlichkeit und angenehme Stimmung. :rainbow: Als die Wehen in unter 5 Minuten auf einander folgen, entschließe ich mich ins Bett zu gehen. Ich bin den ganzen Tag etwas müde und will mich ausruhen, solange die Wehen mir das noch gestatten. Um 20:00 Uhr bin ich im Bett und kann tatsächlich recht zügig einschlafen.

Von einer starken Wehe werde ich geweckt. Puh, das lässt sich im Liegen nicht aushalten. Ich knie mich in den Vierfüßler – auch nicht besser. Beckenschaukeln im Stehen ist meine Lösung. Ich schaue auf die Uhr: 21:30 Uhr – dann habe ich also 1 ½ Stunden gut geschlafen. Ich fühle mich gut. Ich tingle zwischen Bad, Wohnzimmer und Schlafzimmer umher. Veratme die Wehen, töne einen tiefen Singsang vor mich hin. Versuche mich der Wehe hinzugeben, weich zu sein, bewege mein Becken. Ich spreche viel mit meinem Baby, beruhige und motiviere mich dabei selbst. Die Wehenpausen sind schön. Ich bereite das Wohnzimmer vor: Die Geburtskerze wird angezündet und gibt mit der Salzlampe ein gemütliches Licht. Ich lege eine Matratze vor das Sofa, gebe das Geburtsöl in die Duftlampe und lege meine Rose von Jericho ins Wasser. Meine Geburtshöhle ist bereit. :hausgeburt:

Mein Ch. hat den Abend bisher vor dem Computer verbracht. Ich frage ihn, ob er eine Runde schlafen will, bevor ich ihn zur Geburt brauche. Er will in meiner Nähe sein und so zieht er mit seinen Schlafsachen in die Geburtshöhle ein. Er legt sich neben das Sofa und döst etwas. Ich versuche zwischendurch auch etwas zu ruhen. Da ich in der Wehe aber aufrecht sein muss, nervt mich der ständige Positionswechsel. So komme ich viel schlechter in die Wehe rein und brauche Zeit, um mich in der Position und der Wehe wiederzufinden. Liegen geht gar nicht. Sitzen egal ob Ball, Sofa oder Toilette geht auch nicht. Ich knie für ein paar Wehen. Stehend am Esstisch und den Oberkörper auf einem Kissen ruhen lassend verbringe ich die meisten Wehen. Mein Mann Ch. streicht mir einige Zeit den Rücken. Fest vom Kreuzbein zu den Oberschenkeln. Das tut gut.

Irgendwann wird mir übel. Ein paar Mal muss ich Erbrechen. Ein gutes Zeichen, denke ich noch, es geht gut weiter. Mit der Zeit kann ich mich schlechter in die Wehen reinfinden. Es fällt mir schwer los zu lassen. Ich bitte Ch. den Geburtspool aufzubauen. Jetzt schon? (Wie entspannt muss ich gewirkt haben). Ich versuche meinen Muttermund zu untersuchen. Finde aber keine Position, in der es geht ohne sofort eine Reizwehe auszulösen.

Gegen 2:00 Uhr steige ich in den Pool und merke direkt die Entspannende Wirkung. Mein Becken fühlt sich wieder weich an. Im Halbsitzen im Wasser kann ich gut mein Becken hin und her schaukeln. Ich finde meinen Singsang wieder. Komm, mein Baby, komm, töne ich vor mich hin. Ich bin ganz bei mir und meinem Kind. Ch. ist derweil auf dem Sofa eingeschlafen. Ich fühle nach dem Muttermund: 6-7cm, die Fruchtblase fühlt sich sehr prall an. Als mein Mann gegen 3:00 Uhr aufwacht bitte ich ihn meine Hebamme R. anzurufen. Ich brauche sie noch nicht direkt, habe aber das Gefühl, wenn die Fruchtblase bald platzt, dann wird es schnell gehen. Sie hört mich durchs Telefon tönen und macht sich auf den Weg. Wir lassen in der Zwischenzeit warmes Wasser nach, da der Pool langsam abkühlt.

Es ist etwa halb 4 als Hebamme R. kommt und sich zu uns ins Wohnzimmer setzt. Ich brauche etwas, komme dann aber wieder gut in meine Wehen rein. Ab und zu fühle ich selbst, was sich am Muttermund tut und habe das Gefühl es geht nicht weiter. Ich bin genervt davon. Es ist schön, dass R. da ist, weil ich weiß, dass sie mich versteht und motivieren kann. Ich maule, weil es nicht weiter zu gehen scheint. Dann spüre ich, dass sich der Druck verändert. Ich habe die Wehen immer etwas oberhalb der Symphyse gemerkt. Jetzt ist der Druck mehr an der Hüfte. Ich bewege mich. Knie. Meckere: Komm jetzt endlich Kind! Ich jammere. Bin erschöpft. Und kann es nicht leiden, dass Ch. und R. sich kurz unterhalten. Dann platzt die Fruchtblase. Ich knie noch. Sofort macht sich ein heftiger Druck nach unten bemerkbar. Es ist ein gewaltiges, erschreckend starkes Gefühl, wie der Kopf nach unten drängt und ich muss direkt mitschieben. Ich denke noch: Nicht zu früh, nicht zu stark pressen. Aber ich kann nicht anders. Ich probiere verschiedene Positionen: Über den Rand gebeugt, aufrecht kniend - finde mich dann aber halbsitzend/hockend wieder. Nach ein paar Wehen kann ich den Kopf am Scheideneingang tasten. Wow – mein Baby! Es hat Haare! :hearts:

Der Druck im Becken ist gewaltig und ich bin so überwältigt von Gefühlen. So also fühlt sich das an. Ich jammere, weine, will dass es vorbei ist. Gleichzeitig bin ich voll Liebe und Vorfreude auf mein Baby. Komm mein Baby, komm! Ich will endlich mit dir kuscheln! Die Dehnung ist heftig. Ich weiß, es wird noch krasser, schiebe aber trotzdem weiter. Massiere das Gewebe ringsum und fühle wie das Köpfchen ganz langsam weiter geboren wird. Immer wieder rutscht das Köpfchen zurück, gibt mir etwas Pause. In den Pausen strampeln die Füßchen in meinem Bauch. Es scheint aufgeregt zu sein, das Babylein und regt mit seinen Tritten die nächste Wehe an. Dabei hätte ich mich gerne noch etwas länger erholt. Dann das Brennen, der ring of fire und es geht nur noch vorwärts. Ganz mutig und mit dem Ziel vor Augen.

Die Austreibung kommt mir ewig vor. Tatsächlich kamen nach 30 min das Köpfchen – und der restliche Körper direkt hinterher. Es ist 5:08 Uhr. Ich hebe mein Kind sofort aus dem Wasser. Kann nicht eine Sekunde warten, es endlich im Arm zu halten. Hallo mein Baby! Es ist unglaublich. Ich schaue mir die kleinen Finger an, küsse seinen Kopf. Wir kuscheln ein wenig. Dann möchte ich doch das Geschlecht wissen. Ich hebe mein Baby hoch und es ist tatsächlich ein Mädchen. So wie ich es geträumt und gefühlt hatte. Ich schaue meinen Mann an: Wir haben eine Tochter! Wir sind so glücklich über unser Babykind. Unglaublich – sie ist da. :flagge:

Ich bleibe mit ihr noch im Pool. Die Kleine kämpft im Fruchtwasser-Schleim in den Atemwegen und spuckt viel. Ich habe aber das Gefühl, dass sie damit allein damit klar kommt und möchte nicht, dass sie abgesaugt wird. Meine Hebamme R. macht die ersten Familienfotos von uns. Ein paar Nachgeburtswehen braucht es, dann entwickle ich die Plazenta. Da die Eihäute nicht so recht rauswollen, reiße ich einen Teil ab. Gemeinsam mit dem Papa Ch. durchschneide ich die Nabelschnur. Dann gebe ich mein Baby zum ersten Mal in andere Hände. R. wickelt sie in ein trockenes Handtuch und gibt sie Ch. in den Arm. Dann hilft R. mir vom Pool auf das Sofa. Mein Damm ist heil geblieben. Ein Labienriss brennt, aber blutet so wenig, dass er unversorgt bleibt. Die übrigen Eihäute kann R. problemlos herausziehen.

Dann hab ich die Kleine wieder. Wir stillen ausgiebig. Anschließend lasse ich R. die U1 direkt neben mir auf dem Sofa machen. Wir haben das Baby zum Schluss der Schwangerschaft beide auf 3800g geschätzt. Sie bringt 3900g auf die Waage, ist 51cm lang und hat einen 35er Kopfumfang. Konakion halten mein Mann und ich für nicht notwendig, vor allem nach dieser komplikationsfreien, schnellen Geburt.

Mein Kreislauf ist ziemlich down. Die paar Schritte ins Bett schaffe ich mit einer Pause und R.s Hilfe. Im Liegen ist es gut. Hebamme R. räumt noch etwas auf und bringt mir netterweise ein kleines Frühstück ans Bett. Dann verlässt sie uns als erschöpfte, glückliche Familie. :babyglueck:
Oktobermädchen 2015 Hausgeburt
Apriljunge 2018 Hausgeburt

Luggele
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Re: Mein Herbstmädchen

Beitragvon Luggele » So 1. Nov 2015, 18:37

Alles Gute zum noch ganz frischen Babymädchen :blume:

Deinen Bericht fand ich schön. Ich konnte mir das richtig gut vorstellen, einerseits dieser Ausnahmezustand Geburt, in dem Du Dich befunden hast, andererseits warst Du auch ganz da und konntest Dich so über Dein Mädchen freuen... So wünsch ich mir das auch für die nächste Geburt.
Luggele

2008 ELSS, 2009 FG ...dann langes Warten...

02/2014 Ein Junge! HG im Pool
08/2017 Noch ein Junge! Noch eine HG im Pool

Wer ist wie der HERR, unser Gott, der in solcher Höhe thront ? ...der die unfruchtbare Frau wohnen läßt als eine fröhliche Mutter von Söhnen. Hallelujah! Psalm 113,5+9

irdalanem
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Re: Mein Herbstmädchen

Beitragvon irdalanem » So 1. Nov 2015, 18:43

Danke für's teilen des wunderschönen geburtsberichtes :rainbow:
alles gute für dich und deine Familie
3x soviel Kinder wie Erwachsene

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Josie2013
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Re: Mein Herbstmädchen

Beitragvon Josie2013 » So 1. Nov 2015, 19:25

Ich danke dir sehr für diesen schönen Bericht. Bin sehr berührt und werde ihn zur Einstimmung nächstes Jahr bestimmt noch einmal lesen... Toll habt ihr das gemacht. :herzen:
Der Pirat 10/09 KH
Der Kosmonaut 06/14 HG
Die Prinzessin auf der Erbse 05/16 HG

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Frl_Lotta
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Re: Mein Herbstmädchen

Beitragvon Frl_Lotta » So 1. Nov 2015, 19:36

Danke fürs Teilen dieses schönen Berichts :-) Und nochmal herzlichen Glückwunsch zum Herbstmädchen! :rainbow:

Liebe Grüße, Lotta

Februarmädchen 2001 (KH-Geburt)
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Februarjunge 2006 (Hausgeburt im Wohnzimmer)
Oktoberjunge 2014 (Hausgeburt im Schlafzimmer)

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Lavendel
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Re: Mein Herbstmädchen

Beitragvon Lavendel » So 1. Nov 2015, 20:30

:herzen: Vielen Dank für den schönen Bericht :rainbow: :princess: :venus:

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selkie
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Re: Mein Herbstmädchen

Beitragvon selkie » Mo 2. Nov 2015, 06:39

Herzlichen dank für deinen schönen bericht und nochmal alles gute zum baby :babyglueck:
sternchen 2000 (5.woche), sternchen 2009(5.woche), wunschkind 2009 (abgebrochenen HG), sommerkind 2013 (HG), sternenkind 2015 (HG 13.woche), winterkind 2015 (HG)
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Ardilla
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Re: Mein Herbstmädchen

Beitragvon Ardilla » Mo 2. Nov 2015, 12:10

Wie schön :wolke:
Julitochter * 2001 (ambulante Beleggeburt)
Februarkerlchen * 2005 (Hausgeburt mit KS beendet)
Julimädchen * 2011 (Hausgeburt)

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Naturmaedel
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Re: Mein Herbstmädchen

Beitragvon Naturmaedel » Mo 2. Nov 2015, 20:54

:flagge: Danke für deinen Bericht! :herzen:
Annika schöne KH Wassergeburt 11/2009
Ida wundervolle HG 11/2011
Zwillingsbuam respektvolle KH-Geburt 01/2014
Schneeflocke überwältigend schöne Alleingeburt 01/ 2017


Sollen wir Kinder ziehen, müssen wir auch Kinder mit ihnen werden. (Martin Luther)

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Martha
Beiträge: 698
Registriert: Mi 2. Mai 2012, 08:35

Re: Mein Herbstmädchen

Beitragvon Martha » Mo 2. Nov 2015, 22:20

Wie schön. Danke fürs teilen. :herzen:
95,96,98,2000,2002,2003,2006,2008,2010,2014 (3xKh, 7xHg)


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