Unfreiwillige Alleingeburt in 26 Minuten

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WirbelwindMama
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Unfreiwillige Alleingeburt in 26 Minuten

Beitragvon WirbelwindMama » Mo 1. Jan 2018, 03:02

In meiner ersten Schwangerschaft war ich viel hier, in der letzten nur kurz. Da unser erster Geburtsbericht, aber auch hier steht und mir die Berichte in allen Sws sehr geholfen haben, lasse ich diesen hier auch da. Es ist der Geburtsbericht von meinem Regenbogenbaby, auch deshalb war ich kaum hier - die Angst vor einem erneuten Verlust begleitete mich sehr. Die Schwangerschaft verlief auch nicht ganz einfach mit 3 Monaten strenger Bettruhe und vorher 4 Monaten Schonung wegen Zervixinsuffizienz, außerdem hatte ich noch einen Schwangerschaftsdiabetes mit isolierten Nüchternwertproblemen, die ich aber mit Diät in den Griff bekommen habe. Geplant war eine HG mit zwei Hebammen, vermutet in der 38. Woche, aber bei 40+0 war ich noch immer schwanger nach 3 Wochen Wehen und 16 Wochen mit (fast) verstrichenem Gebärmuttehals:

Am Samstag den 30.9. wachte ich mal wieder um 1.45 Uhr auf.. ohne Wehen. Mitternacht war vorbei, so war ich mir sicher, dass mein Septembersommermädchen wohl doch erst im Oktober zu uns stoßen würde. Seufzend machte ich mich auf den Weg nach unten, um mir Tee zu kochen und noch eine Nacht auf der Couch zu verbringen.
1.50 Uhr: Das Teewasser kocht und ich merke ein leichtes Ziehen. Ob das wohl nach 3 Wochen abendlichen Dauerwehen doch Geburtswehen sind?
1.51: Nein, wohl kaum. Das waren noch keine 30 Sekunden.
1.52: Huch, noch eine. Vielleicht mache ich doch mal den Geburtstee und zünde die Geburtskerzen an und räume ein bisschen auf. Ach, wieder vorbei.
1.53: Hmm.. wenn die jetzt noch stärker werden, rufe ich um 2 Uhr mal die Rufbereitschaftsnummer an? Die Armen, ist bestimmt ein Fehlalarm und das mitten in der Nacht. Aber ich habe zugesagt, früh anzurufen und ich will partout keine Alleingeburt.
1.54: Shit, meine Blase ist auf dem Treppenweg zur Toilette mal wieder geplatzt.. nein, ich mache jetzt nicht zum 20. Mal in dieser Schwangerschaft PH-Tests, sondern wische den Urin weg und ziehe mich um, kein Drama. (Natürlich ist es Drama..)
1.55: Aua, die Wehen werden stärker, mein Darm entlehrt sich.. ich glaube, ich rufe mal meinen Mann aus dem Bett. (Zum Glück wacht er einmal in seinem Leben sofort auf. <3)
1.56: Aaaah.. ich glaube, ich rufe JETZT die Rufbereitschaft an. Irgendwie schaffe ich es, noch zu stammeln, dass die Wehen viel zu kurz sind, aber minütlich oder vielleicht doch zweiminütlich kommen. Ich bin mir sicher, dass es zu früh ist, aber P., die heute Dienst hat, will S. informieren und sie kommen dann sofort beide.
1.57: Schon nicht mehr so kohärent weise ich meinen Mann an, schnell die Folien auszubreiten, nur zur Sicherheit und schnappe mir mein Handy mit Chant-Playlist und Kopfhörer. Ich bin fest entschlossen, mich nicht wie beim ersten Mal auf den Boden zu schmeißen und zu kreischen, also klammere ich mich an den Türrahmen, wimmere die Chants mit und erinnere mich daran, dass jemand hier in dieser Gruppe sagte, sie hätte sich gezwungen immer wieder kleine Schritte zu tun.
Ca. 2 Uhr: Ich dachte, ich muss sterben. Warum bin ich nicht im Krankenhaus? Oh man, zum ersten Mal kann ich verstehen, warum es Wunschkaiserschnitte gibt. Wo ist die Aufnahme mit dem Tönen?
???: Ich probiere den Sitzball aus, Hölle.. das macht kein Mensch mit.
Ca. 2.05: Okay, ich kapituliere. Bedingungslos. Weiße Fahne. Ich schmeiße mich in den Vierfüßlerstand, stütze mich noch auf dem Sofarand ab. Eigentlich hatte ich den Hebammen ja versprochen, mich sofort in der Seitenlage zu positionieren, um das Tempo rauszunehmen. Aber ich komm mal wieder keinen Millimeter vom Fleck. Super, und das wird jetzt noch drei Stunden so weitergehen? Arme Nachbarn. Apropos: Wo ist eigentlich mein Mann? Ach, der hängt bestimmt gerade das Schild auf, dann macht es nichts, wenn ich gleich kreische.
???: Ich muss pressen: Sch... , denke ich, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe nichts zwischen den Beinen, keine Folie, nur Teppich. Ach nö.. Also kreische ich gerade noch so: "O., schieb mir was zwischen die Beine." Er kommt mit der Pipibox aus der Liegeschwangerschaft. "Was weiches!!!" rutscht mir instinktiv raus. Mein Mann wirft mir was zu und verschwindet wieder. (Er suchte die ganze Zeit den Tesa...)
Ca. 2.10: Ich muss noch immer pressen. Aber das geht doch nicht. Es ist viel zu früh. Und wo sind die Hebammen? Erstmal tasten. Der Kopf, der Kopf, der Kopf. Und was ist das? Etwas weiches? Oh nein, die Nabelschnur? (Nein... die Fontanelle!). Nichts wie raus mit dem Kind. Egal, wie.
Ca. 2.15: "o., Du musst das Kind auffangen. Nein.., JETZT."
Mein Mann kommt zum Glück sofort, fängt unsere Tochter auf, die laut mit Fruchtwasser gurgelt und nicht sofort atmet. Zum Glück haben wir beide "Alleingeburt" gelesen. Er pustet sie an, sie schreit.
2.17: Ich denke: Oh, wir brauchen eine Geburtszeit und schaue aufs handy. Wir nehmen später 2.16.
Mein Mann hilft mir und der tochter aufs Sofa und deckt uns zu. Die Hebammen kommen bald,alles weitere läuft unspektakulär und ruhig. Die plazenta wird geboren. Ich werde genäht. Ich trinke viel und kann dementsprechend auch Urin ablassen und sogar aufstehen. Kein hoher Blutverlust, kein Blutdruckabfall wie bei meiner ersten Hausgeburt. Ich kann sogar duschen, das hätte keiner geglaubt. Die Nachteule dockt gut an und wird vermessen und gewogen. Noch vor dem Morgengrauen sind alle Hebammen wieder daheim. Der große Bruder kommt später zum Kuscheln, er hat nichts gehört, aber ich habe auch nicht einmal geschrien, fällt mir jetzt erst auf.

Beim ersten Kind hatte ich ja große Anlaufschwierigkeiten beim Stillen, die Nachteule hatte ihr Geburtsgewicht nach einer Woche wieder und schwimmt sicher auf der 80. Perzentile. Es kann also auch einfach alles undramatisch laufen.. selbst wenn man solche Angst hat wie ich.
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Wirbelwind-HG (8/13)
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kinga
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Re: Unfreiwillige Alleingeburt in 26 Minuten

Beitragvon kinga » Mo 1. Jan 2018, 14:15

:herzen:
Herzlichen Glückwunsch!
Ein schöner GB :hausgeburt: !
Alles Gute euch.

Jeanie
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Re: Unfreiwillige Alleingeburt in 26 Minuten

Beitragvon Jeanie » Mo 1. Jan 2018, 14:45

Herzliche Glückwunsch, klingt gut, wenn auch überrumpelt. Vielleicht war daß aber auch gut so für dich? Keine Zeit, sich zu viele Sorgen zu machen...? Alles okay so für dich? Das Hinterher klingt schön entspannt.
  1. Feuerwehrhauptmann 2011 im KH

  • Tanzmaus 2014 daheim als HG

babsi2011
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Re: Unfreiwillige Alleingeburt in 26 Minuten

Beitragvon babsi2011 » Mo 1. Jan 2018, 19:19

Herzlichen Glückwunsch zu einer solch unkomplizierten Geburt und natürlich zum Baby :herzen:
Wenn ich fragen darf, wieso hast du denn so viel Angst? Deine erste Geburt war ja auch eine HG, oder?
Wunschüberraschungsei 09\15 GH
Baby erwartet 08/18 HG geplant

ronja6575
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Re: Unfreiwillige Alleingeburt in 26 Minuten

Beitragvon ronja6575 » Mo 1. Jan 2018, 19:47

Wow, das war wirklich schnell! Herzlichen Glückwunsch und danke für´s Teilen :herzen:
Großer Sohn *2007 (Geburtshausgeburt)
Mittlerer Sohn *2009 (Geburtshausgeburt)
Kleiner Sohn *2012 (Geburtshausgeburt)
und 2 Sternchen 2013 (Abrasio) u. 2014 (kleine Geburt)
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Kleines Wunder Okt. 2018

lela15
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Re: Unfreiwillige Alleingeburt in 26 Minuten

Beitragvon lela15 » Mo 1. Jan 2018, 22:51

Wow, herzlichen Glückwunsch zum Baby und zur schnellen Geburt! Toll gemacht!
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Lavendel
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Re: Unfreiwillige Alleingeburt in 26 Minuten

Beitragvon Lavendel » Di 2. Jan 2018, 20:06

Herzlichen Glückwunsch :rainbow: kuschelt schön :babyglueck:

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WirbelwindMama
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Re: Unfreiwillige Alleingeburt in 26 Minuten

Beitragvon WirbelwindMama » Di 2. Jan 2018, 21:40

Vielen Dank für die Glückwünsche.
Ich hatte so viel Angst, weil ich zwischen meinen beiden großen Geburten eine kleine hatte. Die zweite Schwangerschaft hat mir ziemlich das Urvertrauen geraubt. Hinzu kam die stetige Bedrohung durch meine Zervixinsuffizienz.. Im Laufe meiner zwei langen Schwangerschaften damit, habe ich einfach mit erfahren, wie zu viele Schwangerschaften nicht mit lebenden Babys endeten. Dass meine Tochter lebend und nach dem Termin geboren wurde, hat mich etwas versöhnt, aber das Bewusstsein dafür, dass es auch schief gehen kann, ohne dass irgendwas getan werden kann, sitzt bei mir sehr tief. Ich hatte also keine Angst vor der Geburt und schon gar nicht vor der Hausgeburt, sondern mehr vor unbeeinflussbaren Faktoren. Die habe ich auch jetzt noch. Ansonsten halte ich Hausgeburten noch immer für die beste und sicherste Wahl.. Nur unter Mamas mit IC stehe ich damit international ziemlich alleine da.
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